Wirtschaft

Die Kern Microtechnik GmbH produziert im oberbayerischen Eschenlohe hochpräzise Bearbeitungs- und Frässysteme. (Foto: Kern)

05.03.2021

Herren der winzigen Löcher meistern die Corona-Krise

Unternehmen aus dem oberbayerischen Eschenlohe hat ein anstrengendes, aber erfolgreiches Jahr 2020 hinter sich

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer waren im vergangenen Jahr arg von der Corona-Pandemie gebeutelt worden. Die Exporte der Branche brachen im Vergleich zu 2019 um rund zwölf Prozent ein; am schwächsten war das zweite Quartal mit einem Einbruch um 22 Prozent – so zitiert der Bundesverband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) erste Einschätzungen des Statistischen Bundesamts. Eine Ausnahme ist wohl die Kern Microtechnik GmbH aus dem oberbayerischen Eschenlohe (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). „Wir blicken auf ein anstrengendes, aber erfolgreiches Jahr 2020 zurück“, sagt Geschäftsführer Simon Eickholt.

Ein Weltmarktführer

Auf 10.000 Quadratmetern produziert  sein Unternehmen hochpräzise Bearbeitungs- und Frässysteme. Die leuchtend roten Maschinen werden in alle Welt exportiert. Mit regelmäßigen Neuentwicklungen gehört Kern zu den Weltmarktführern im Hochpräzisionsmaschinenbau und zählt seit Jahren zu den 100 innovativsten Mittelständlern Deutschlands. „Wir sind bislang gut durch die Corona-Zeit gekommen. Das lässt sich an Zahlen ablesen. 2019 war das umsatzstärkste Jahr unserer Firmengeschichte. 2020 schließen wir mit einem 37-Millionen-Euro-Umsatz ähnlich gut ab. Unsere Kunden haben uns die Treue gehalten. Wir konnten sogar neue Geschäftspartner hinzugewinnen“, so Eickholt.


Die Kern Microtechnik GmbH wurde in den 1960er-Jahren von Günter Kern in München gegründet. Das Unternehmen begann mit Lohnfertigungen für die Hightech-Branche. Schon damals nutzte Kern modernste Technologien, die bereits sehr früh selbst entwickelt wurden. Dazu baute Günter Kern einen zusätzlichen Microtechnikbetrieb in der oberbayerischen Gemeinde Murnau am Staffelsee auf. 1992 fusionierten die beiden Sparten Auftragsfertigung und Maschinenbau. Seitdem mauserte sich die Firma – jetzt mit Stammsitz in Murnau, der 2007 nach Eschenlohe verlegt wurde – konsequent zu einem weltweit führenden Technologie-Standort. Niederlassungen gibt es in Zürich (Schweiz), Shanghai (China) und Chicago (USA).


Als „Die Herren der kleinen Löcher“ wurde Kern 2005 über die Fachwelt hinaus bekannt, als es Technikern mit einem Präzisionsroboter (Pyramid Nano) der Firma gelang, ein Loch in ein menschliches Haar zu bohren. Der seinerzeitige Geschäftsführer, Ekkehard Alschweig, sagte damals: „Das Problem ist für uns nicht, einen Bohrer zu haben, der dünner als ein Haar ist, sondern dass das Haar derart in die Maschine eingespannt wird, dass es beim Bohren nicht vibriert.“ Eickholt betont: „In vielen Bereichen benötigt die Industrie immer winzigere Bauteile.“ Er nennt die Medizintechnik als Beispiel; etwa Komponenten für Herzklappen. Auch Bauteile für die optische Industrie und für die Uhrenindustrie.

Produktion verlagert

Ein Kunde hatte bislang einen Teil seiner Komponenten bei Kern in Murnau-Westried fertigen lassen. Im vergangenen Jahr fiel seine Entscheidung, die komplette Produktion in die Staffelsee-Gemeinde zu verlagern. „Durch diesen Auftrag konnten wir im Corona-Jahr eine zusätzliche Produktionsstraße aufbauen und fünf dauerhafte Arbeitsplätze schaffen“, so Eickholt. Ein wichtiger Aspekt der Auftragsfertigung sei es, dass Kern auf eigenen Maschinen produziert, und sich so Neu- und Weiterentwicklungen gleich in der harten Praxis bewähren müssen. „Wir dringen in immer neue Dimensionen des Maschinenbaus vor“, erläutert der Geschäftsführer. Dazu arbeitet Kern mit internationalen Universitäten und Hochschulen zusammen. Eickholt: „Wir greifen das Wissen der Forscher auf. Die Wissenschaftler lassen sich von unserer Art des Maschinenbaus inspirieren.“

Kern verkauft nicht nur Präzisionsroboter, sondern bietet ein Rundum-Paket, das in Krisenzeiten Sicherheit für alle Beteiligten gibt,  die Kunden haben die Gewissheit, dass ihnen stets ein hochmodernes Werkzeug zur Verfügung steht. Andererseits beschert der Servicebereich Kern ein gut gefülltes Auftragsbuch als Puffer, auch wenn Neubestellungen einmal schleppender laufen sollten. „Unsere Mitarbeiter bereiten das zukünftige Bedienpersonal der Maschinen so lange auf die gewünschten Arbeitsprozesse vor, bis alles reibungslos funktioniert“, erklärt Eickholt. Das geschieht entweder direkt vor Ort bei den Kunden oder im Schulungszentrum am Standort Eschenlohe. Diese Betreuung reicht über die anfängliche Einarbeitungsphase hinaus, denn jeder Kern-Kunde hat weiterhin Zugriff auf Technologie-Updates: Eickholt: „Will der Kunde nach Jahren seine Fräsprodukte ändern, andere Materialien bearbeiten oder auf neue Aufgaben umstellen, rüsten wir die Maschine auf die erweiterten Bedürfnisse um.“

Zeitgemäße Arbeitsplätze

In den beiden oberbayerischen Werken – Murnau-Westried und Eschenlohe – sind aktuell 218 Mitarbeiter*innen beschäftigt, davon 28 Auszubildende. Simon Eickholt: „Im vergangenen Corona-Jahr hatten wir keine Entlassungen und keine Minute Kurzarbeit. Wir hatten nur wenige Infektionen, aber keine Ansteckungen im Betrieb. Corona hat sich nicht auf die Arbeitsabläufe ausgewirkt.“ Seit September 2020 gilt bei Kern eine strenge Maskenpflicht auf dem gesamten Firmengelände. Die Kantine ist mit einer leistungsstarken Lüftungsanlage ausgestattet. Den Mitarbeitenden wurden pandemiekonforme Arbeitsplätze eingerichtet. Natürlich ist auch mobiles Arbeiten von zu Hause aus möglich und wird von den Mitarbeitern genutzt.

„Uns geht es trotz Corona gut“, unterstreicht Simon Eickholt. „Wir wollen aber die Dienstleister und Handwerker der Region nicht vergessen. Die Unterstützung dieser Klein- und Familienbetriebe sehen wir als unsere Verpflichtung und Verantwortung an. „ Für rund 900.000 Euro sanierte Kern 2020 seine in die Jahre gekommenen Standorte Eschenlohe und Murnau-Westried. Zeitgemäße Arbeitsplätze entstanden. Die Aufträge wurden allesamt an Fachfirmen in der Umgebung vergeben; mehr noch: „Weil die Kunst- und Kulturszene von der Krise hart getroffen ist, statten einheimische Fotokünstler unsere Büros und Betriebsräume mit ihren Arbeiten aus. Die Garmisch-Partenkirchener Künstlerin Ayla Ginsberg malt für unsere Konferenzräume großformatige Berglandschaften. „Wetterstein“ ist bereits fertig, es folgen „Zugspitze“ und „Hohe Kiste“.
(Günter Bitala)

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