Wirtschaft

Blick in die Werkshalle: In Bayerns Autofabriken droht ein massiver Stellenabbau – IG Metall warnt vor einer Abwanderungswelle ins Ausland. (Foto: dpa/Hendrik Schmidt)

17.08.2025

IG Metall: In zweiter Welle droht Verlust Zehntausender Jobs

"Eine Welle, die vielleicht nicht mehr ohne Kündigungen zu bewältigen ist“: In der bayerischen Auto- und Zulieferindustrie werden Tausende Stellen abgebaut – und laut IG Metall könnte das nur der Anfang sein

In Bayern werden Tausende Jobs in der Automobilindustrie abgebaut, doch das könnte erst der Anfang sein, fürchtet die IG Metall. „Jetzt werden die Weichen für das gestellt, was in fünf bis sieben Jahren passiert“, warnt der Landesvorsitzende Horst Ott. „Große Zulieferer verlagern Produktion ins Ausland und hier laufen in absehbarer Zeit die Produktlinien der Werke leer.“ Und anders als früher werde selbst Forschung und Entwicklung verlagert. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, befürchten wir, dass wir perspektivisch Zehntausende Arbeitsplätze verlieren könnten, vor allem in der Zulieferindustrie.“

In Bayern seien 500.000 Jobs direkt von der Automobilindustrie abhängig, betont Ott. Werde immer mehr verlagert, drohe zudem ein Dominoeffekt: „Je weniger hier im Zuliefererbereich produziert wird, desto unattraktiver wird der Standort auch für die Autohersteller selbst“, warnt er. 

Auch jetzt habe man eine schwierige Zeit, sagt Ott über den aktuellen Jobabbau. Doch diesen könne man mit den eigenen Mitteln beherrschen. „Momentan läuft das noch ohne Kündigungen, mit Altersteilzeit oder durchaus großzügigen Abfindungen. Aber das ist ein süßes Gift, denn so geht der Abbau leise vonstatten.“ In ein paar Jahren könne das aber „ganz anders aussehen“, warnt er. „Dann könnte eine Welle auf uns zukommen, die sich dann vielleicht auch nicht mehr ohne betriebsbedingte Kündigungen bewältigen lässt.“

Die Begründungen für die Verlagerungen seien immer die gleichen: „Bürokratie, in Deutschland ist es zu teuer und so weiter. Aber wenn man es sich genau anschaut, stimmt es bei keinem einzigen Punkt“, sagt der Gewerkschafter. „Kein Produkt würde dableiben, wenn die Bürokratie weg wäre. Bei vielen Produkten machen die direkten Lohnkosten fünf Prozent aus - da sind die Löhne nicht das entscheidende Thema.“ Stattdessen seien es letztlich strategische Entscheidungen der Unternehmen zur Steigerung von Gewinnen. 

Verlagerung auch bei Betrieben, denen es gut geht

Besonders schlimm findet Ott dabei, „dass auch Betriebe, bei denen es gut läuft, Produktion und Jobs verlagern wollen“. Darauf deutet eine Betriebsräteumfrage der Gewerkschaft aus der ersten Jahreshälfte hin, die die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Insgesamt bildet sie 333 Betriebe aus der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ab, 51 davon aus der Auto- und Zulieferindustrie. Auch wenn die Stichprobengröße eine gewisse Ungenauigkeit mit sich bringt, ist die Tendenz doch eindeutig: Denn im Autobereich planen 57 der Betriebe die Verlagerung von Produkten ins Ausland - während es insgesamt nur 43 Prozent sind. Einen Personalabbau planen in der Autoindustrie 76 Prozent, insgesamt nur 51 Prozent. Und unter den Betrieben der Autoindustrie, denen es gut geht, sind die Anteile, die verlagern wollen sogar tendenziell noch etwas höher.

„Früher hat der Jobabbau vor allem Angelernte getroffen - heute trifft es auch Ingenieure“, sagt Ott mit Blick auf die Verlagerung von Forschung. „Das gab es früher nicht, da wurde hier entwickelt und serienreif gemacht und dann vielleicht auch im Ausland produziert.“ Auch dieser Zusammenhang zeigt sich in der Betriebsrätebefragung für die Autoindustrie.

Appell an Staat, Chefs und Eigentümer

Um den drohenden Abbau zu verhindern und den aktuellen Umbau der Industrie zu bewältigen, hält Ott ein Umdenken auf mehreren Ebenen für nötig. „Ich brauche bei den Unternehmen und den Aktionären auch die Akzeptanz, dass der Umbruchprozess notwendig ist - und dass ich dann vielleicht eine Zeit lang weniger verdiene“, sagt er. 

Aber auch den Staat sieht er in der Pflicht. „Wir bräuchten jemanden, der im internationalen Wettbewerb auch mal uns schützt“, sagt er mit Blick auf den Wettbewerb mit China oder die US-Zölle. „Warum kann ich nicht hingehen und sagen, wenn du in Europa etwas verkaufen willst, dann musst du auch in Europa fertigen. Warum kann ich nicht hingehen und sagen: Fördergelder gibt es nur, wenn du in Deutschland Arbeitsplätze erhältst - und wenn nicht, musst du sie zurückzahlen.“ (dpa)

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