Wirtschaft

Brauereien sind attraktiv für ausländische Investoren. (Foto: Bierland Oberfranken)

19.02.2021

Kaufen Chinesen bald fränkische Brauereien?

Es gibt auch schon Interessenten aus der Türkei – aber die Familienbetriebe wollen nicht verkaufen

Es war ein Paukenschlag in der Branche: Der chinesische Investor FCAA Castle Brewery Company übernahm im März 2019 die Schlossbrauerei Au in der Hallertau mit ihren 40 Beschäftigten. Werden auch Kleinbrauereien in Franken und in der Oberpfalz bald von Chinesen aufgekauft? Angebote hat es schon gegeben.

Bis zu fünf Millionen Euro sollen geboten worden sein. Ein Fall sei ja in Bayern schon bekannt geworden. ,,Da hat’s mich erst mal gesetzt“, sagt Christine Püttner von der Püttner Bräu in Schlammersdorf (Landkreis Neustadt/Waldnaab). Kontakte mit chinesischen Investoren würden über deutsche Vermittler laufen. Als sie das mal einem Vertreter des bayerischen Wirtschaftsministeriums gesagt habe, ,,war der auch etwas platt“.

Investitionsintensives Geschäft

In ihrem eigenen Brauereigasthof mit rund 20 Beschäftigten, 22 Zimmern und 8000 Hektoliter Jahresausstoß gebe es keine solchen Verkaufsüberlegungen. Aber manche Kleinbrauereien mit angeschlossenem Gasthof müssten sich wegen der sich immer länger hinziehenden Corona-Beschränkungen schon fragen: Welche Alternativen haben wir?

Das Geschäft sei sehr investitionsintensiv, Maschinen und Anlagen müssten immer wieder für viel Geld erneuert werden. Ein paar Monate könne man schon mal überbrücken, ,,aber auf Dauer schafft man das nicht“. Man müsse sich ja auch fragen, welche Perspektiven die Nachfolger in den Familienbetrieben haben, ,,wenn wir ihnen einen massiven Investitionsstau hinterlassen“.
Christine Püttner hofft auf den Sommer, weiß aber auch, dass der Neustart schwierig werden wird. Das Wiederanlaufen sei mit hohen Kosten verbunden. Wie sich die Gäste verhalten, wisse man noch nicht. Weggehen ohne Corona-Gedanken, das bleibe schwierig. Erst ab einer hohen Impfquote könne es eine wirkliche Besserung geben. Püttner kann die Politik im Prinzip schon verstehen, ,,aber uns von allen Hilfen auszuschließen, das macht schon traurig“.

„Die Angebote gibt’s wirklich“

Bernd Sauer, Vorstandsmitglied des Vereins Bierland Oberfranken, bestätigt auf Nachfrage der Staatszeitung, dass über potenzielle chinesische Käufer von regionalen Kleinbrauereien geredet wird. Auch einen türkischen Interessenten habe es schon gegeben. ,,Die Angebote gibt’s wirklich. Aber die Brauereien machen das nicht.“ Das Allerletzte, was sie tun würden, wäre, ihre Brauerei zu verkaufen. Es sei bislang auch noch keine Brauerei wegen Corona insolvent gegangen.

Ein türkisches Unternehmen habe angeboten, Bier zu kaufen, um es per Container nach England zu exportieren. Die Türken hätten auch angeboten, eine Brauerei zu kaufen. ,,Das war vor vier Wochen“, sagt Sauer.

Das laufende Jahr wird für die Kleinbrauereien noch schwierig werden. Sauer: ,,Es wird keine großen Feste geben.“ 174 Brauereien gibt es laut Sauer in Oberfranken. Viele würden noch monatelang Umsatzprobleme haben. Aber viele Brauereigasthöfe hätten in den letzten Jahren gut gewirtschaftet. Sollte sich die Krise jedoch noch sehr lange hinziehen, ,,dann geht es an die Existenz“.

Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Forchheim, lässt bei dem Thema nicht locker: ,,Es sind bald drei Monate vergangen, seitdem die Bundesregierung erkennen musste, dass die Brauereigaststätten keine November-/Dezemberhilfen bekommen, weil sie auf Grund ihrer Einstufung als Mischbetriebe durch das Raster fallen. Seitdem kommen von dort nur Ankündigungen und heiße Luft.“ Die allermeisten Brauereigaststätten hätten bis zum heutigen Tag immer noch keinen einzigen Cent gesehen. ,,Videos verzweifelter Braumeister*innen und Bilder von weggeschütteten Fässern Bier zeugen davon.“ Sollte überhaupt noch Bewegung in die Sache kommen, sei das den engagierten Brauerinnen und Brauern zu verdanken, die für ihre Existenz gekämpft haben. ,,Die CSU hat sie im Stich gelassen. Das darf bei einem regionalen Weltkulturgut wie unserer fränkischen Brauereilandschaft nicht passieren.“
(Roland Töpfer)

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