Wirtschaft

In den Wartezimmern dürfte es sehr voll werden. (Foto: dpa, Sina Schuldt)

04.07.2026

Krankschreibung ab dem ersten Tag: Völlig an der Realität vorbei

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Die Regierungskoalition in Berlin plant schärfere Regeln für Krankschreibungen. Eingeführt werden soll die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag. Bislang war das erst ab dem vierten Tag nötig. Doch wie soll das gehen?

Wer Fieber, eine Magen-Darm-Infektion oder eine andere ernste Erkrankung hat, gehört ins Bett und nicht in übervolle Arztpraxen. Das Vorhaben der Bundesregierung ist eine einzige Unverschämtheit. Denn mit einer leichten Erkältung kann man durchaus im Homeoffice weiterarbeiten – soweit das berufsbedingt möglich ist. Doch wenn man gezwungen wird, zum Arzt zu gehen, wächst sich wegen der Keimbelastung im Wartezimmer die Erkrankung, die vielleicht noch in zwei Tagen kurierbar gewesen wäre, weiter aus. Wem nützt das? Den Unternehmen, die jede Arbeitskraft dringend brauchen, sicher nicht.

Der jetzige Plan wird zu übervollen Praxen, einem Wust an zusätzlicher Bürokratie und einem enormen Zeitaufwand führen, der zulasten der eigentlichen Patientenversorgung gehen wird. Das wird sich wiederum negativ auf die Wirtschaft auswirken. Denn kranke Mitarbeiter, denen wegen überlasteter Ärzte keine sinnvolle Hilfe angeboten werden kann, werden länger ausfallen.

Sicher haben einige schwarze Schafe die telefonische Krankschreibung ausgenutzt. Aber was jetzt geplant ist, geht garantiert schief. Der Bund muss dringend nachbessern.

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