Wirtschaft

Die Karstadt-Filiale in Nürnbergs Fußgängerzone ist ein starker Publikumsmagnet, von dem auch die anderen Geschäfte in der Innenstadt profitieren. (Foto: dpa/Nicolas Armer)

24.07.2020

"Kundenmagnete für viele Citys"

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) über die Rettung von Kaufhäusern und deren Bedeutung für die Innenstädte

Die Nürnberger Karstadt-Filialen überleben, der Kaufhof am Münchner Stachus nicht. Auch durch den Einsatz des Wirtschaftsministeriums konnten in der Frankenmetropole 528 Arbeitsplätze gerettet werden. Am Stachus verlieren 220 Kaufhof-Mitarbeiter*innen ihren Job.

BSZ: Herr Aiwanger, was waren die entscheidenden Punkte, die die Rettung der beiden Karstadt-Filialen in Nürnberg ermöglicht haben?
Hubert Aiwanger: Entscheidend war, dass notwendige Mietreduzierungen erzielt wurden. Meine Ministeriumsmitarbeiter und ich haben da viele Gespräche geführt, sowohl Einzelgespräche als auch in großer Runde, um zwischen den Parteien zu vermitteln. Aber auch die Zusagen der Stadt Nürnberg haben eine Rolle gespielt, die Zugangs- und Umfeldsituation zu verbessern.

BSZ: Um wie viel wird denn jetzt die Miete für Karstadt reduziert, damit sich die Filialen noch tragen?
Aiwanger: Wir haben es geschafft, dass die ECE Projektmanagement Karstadt entgegenkommt. Aber im Detail ist das natürlich eine Entscheidung von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) und den jeweiligen Vermietern, die man nicht öffentlich bekannt geben kann.

BSZ: Welche Rolle spielte bei der Rettung die Stadt Nürnberg? Es soll ja das U-Bahn-Zwischengeschoss, von dem aus man in die Karstadt-Filiale an der Lorenzkirche kommt, saniert werden. Gibt es noch andere Assets, die zur Rettung beitragen?
Aiwanger: Nürnberg hat sich in den Verhandlungen nach unserer Einschätzung sehr engagiert gezeigt. Neben der Sanierung des U-Bahn-Geschosses hat die Stadt weitere Maßnahmen zur Umfeldverbesserung zugesagt, die sicher ebenfalls sehr hilfreich sind. Zentrale Einzelhandelsstandorte sind immer als Ganzes zu sehen. Einzelne Betriebe können in aller Regel nur dann gut abschneiden, wenn das gesamte Ambiente des Standorts stimmt und damit Kunden anzieht. Entscheidend sind hier Sicherheit, Sauberkeit, Aufenthaltsqualität, Branchenvielfalt und Erreichbarkeit. In diese Verbesserung des gesamten Standorts will Nürnberg investieren.

BSZ: Wie sieht es mit den GKK-Häusern in München und Ingolstadt aus? In der Landeshauptstadt sollen ja die Filialen am Nordbad und im Olympia-Einkaufszentrum geschlossen werden. Das Schicksal der Galeria-Kaufhof-Filiale am Stachus ist ja besiegelt.
Aiwanger: Das Scheitern der Gespräche zur Rettung der Kaufhof-Filiale am Münchner Stachus bedaure ich. Wir sind an anderen Standorten in intensiven Gesprächen mit GKK sowie den Vermietern und versuchen, Arbeitsplätze zu erhalten.

BSZ: Wie wichtig sind Warenhäuser für den gesamten Einzelhandel in den Innenstädten?
Aiwanger: Wir wissen um die große Bedeutung der Warenhäuser für die Innenstädte. Gut funktionierende Kaufhäuser können, im Zusammenspiel mit anderen Geschäften, nach wie vor Kundenmagneten für viele Citys sein. Wichtig ist dabei aber das Zusammenspiel mit einem passenden Umfeld, die Sicherstellung der Erreichbarkeit, eine ausfeilte Stadtmarketingstrategie und dass die Verkaufsfläche außerhalb der Innenstadt nicht zu groß wird. Städte, die zu viel Einzelhandel außerhalb der Innenstadt ansiedeln, schwächen ihre Innenstädte. Ich hoffe auch, dass Maßnahmen zur Belebung der Innenstädte wie Märkte oder „Sommer in der Stadt“ stattfinden können, wovon auch der Einzelhandel profitieren würde.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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