Wirtschaft

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist begeistert von Agri-PV. (Foto: dpa/CHROMORANG, Michael Bihlmayer)

02.04.2026

Lukrative Zusatznutzung für Landwirte

Immer mehr Photovoltaikanlagen auf Äckern

Vor Kurzem hat Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in Oberndorf am Lech (Landkreis Donau-Ries) Bayerns größte Agri-PV-Anlage mit Sonnentrackingsystem in Betrieb genommen. Die rund 10 Millionen Euro teure Anlage auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld kann mit einer installierten Leistung von 17 Megawatt rechnerisch rund 5000 Haushalte mit Strom versorgen.

„Wir ernten Sonnenenergie, während rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche weiterhin für die Nahrungsmittelproduktion nutzbar bleiben“, betont Aiwanger. Mit großzügigen Reihenabständen und angepasster Infrastruktur bleibe eine intensive Bewirtschaftung der Flächen möglich.

Zudem würden unter den Modulen Blühstreifen angelegt, die die Flächen ökologisch aufwerten. „Das ist eine echte Win-win-Situation, mit der wir unsere Felder effizient und nachhaltig bewirtschaften können“, sagt der Minister.

Im Bereich der Agri-PV gibt es im Freistaat noch viel Ausbaumöglichkeiten. Doch eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums erklärt der Staatszeitung, dass ein Maximalausbau der Agri-PV im Freistaat nicht angestrebt wird.

Nachhaltigen Strom kostengünstig erzeugen

Vielmehr betont sie, dass die Staatsregierung die installierte Leistung bei der Photovoltaik bis 2030 auf 40 Gigawatt erhöhen will. Dafür würden sowohl Dach- als auch Freiflächenanlagen ausgebaut. „PV-Freiflächenanlagen erzeugen nachhaltigen Strom besonders kostengünstig und sind daher ein unverzichtbarer Baustein der bayerischen Energiewende“, erläutert die Sprecherin. Ergänzend sollten flächeneffiziente Lösungen wie Agri-PV und schwimmende PV einen wichtigen Beitrag leisten. Das bayerische Wirtschaftsministerium setze hierbei auf einen ausgewogenen Mix aus kosten- und flächeneffizienten PV-Technologien. „Ob eine geeignete Fläche als klassische PV-Freiflächenanlage oder als Agri-PV-Anlage genutzt wird, liegt in der unternehmerischen Entscheidung der Vorhabenträger“, sagt die Ministeriumssprecherin.

Betrachtet man das gesamte Potenzial für Agri-PV in Deutschland, ergibt sich Erstaunliches. In mehreren Studien hat das in Freiburg ansässige Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE das Flächenpotenzial erhoben. Erstmals wurden dabei alle Arten landwirtschaftlicher Flächen betrachtet und in einem Entscheidungsprozess mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kriterien optimale Standorte identifiziert. Bereits auf den am besten geeigneten Flächen könnten demnach 500 Gigawatt Peak Solarleistung installiert werden. Das übertrifft die Photovoltaik-Ausbauziele Deutschlands für 2040.

Auch Aiwanger ist begeistert

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger ist begeistert: „Agri-PV erzeugt Lebensmittel, Energie und Artenschutz auf einer Fläche.“ Zwischen den PV-Modulen solle künftig weiterhin Landwirtschaft betrieben werden, beispielsweise der Anbau von Zuckerrüben. Dieses innovative Agri-PV-Projekt in Oberndorf am Lech mit einem Trackingsystem, das die Module flexibel zur Sonne ausrichtet, ist laut Aiwanger ein weiteres Leuchtturmprojekt im Solarenergie-Spitzenland Bayern. Es werde Strom für rund 5000 Haushalte erzeugt und auf den Blühflächen unter den Modulen finde Artenschutz statt. „Ob Rebhuhn, Bodenbrüter, Hase, Ameisen, Eidechsen, hier finden viele Tierarten ein neues Zuhause und eine ökologische Nische. Im Gestänge unter den Modulen entstehen Brutplätze für Bachstelze, Rotschwanz, Amsel und viele weitere Vogelarten. Auch Brutkästen können gezielt installiert werden. Ich setze mich auch dafür ein, dass PV-Freiflächen für Wildtiere bis Rehgröße zugänglich sind“, erläutert der Wirtschaftsminister.

Er betont, dass Bayern bundesweiter Spitzenreiter bei der Solarenergie mit insgesamt rund 32 Gigawatt installierter Leistung ist. „Allein im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen Rekordzubau von 4,7 Gigawatt. Unsere Politik, konsequent auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen, zahlt sich aus“, unterstreicht er.

Zusätzliche Einkommensquelle

Gerade für Landwirte stellen ihm zufolge Einnahmen aus Agri-PV eine zusätzliche Einkommensquelle bei gleichzeitigem Erhalt der landwirtschaftlichen Hauptnutzung dar. „Die Erzeugung von Solarstrom stärkt die wirtschaftliche Resilienz der Betriebe. Das ist gut für die Bauern und gut für den Ausbau der erneuerbaren Energien“, so Aiwanger.

Doch nicht nur er ist fasziniert von der Anlage in Oberndorf am Lech. Auch Bayerns Europaminister Eric Beißwenger (CSU) sieht in der Anlage einen wichtigen Beitrag für eine moderne, sichere und ökologische Energieversorgung. „Ein absolutes Vorzeigeprojekt, das nachhaltige Energiegewinnung mit moderner Landwirtschaft und regionaler Wertschöpfung verbindet. Das passt zu Bayern: Wir wollen unsere Klimaziele erreichen und gleichzeitig mit sicherer und bezahlbarer Energieversorgung als Industriestandort international wettbewerbsfähig bleiben“, so Beißwenger.

Und Oberndorfs Erster Bürgermeister Franz Moll ergänzte: „Mit Feldwerke haben wir einen starken Partner an unserer Seite. Die hohe Akzeptanz bei Bevölkerung, Gemeinde und Behörden zeigt: Agri-PV ist ein Zukunftsmodell für die Energiewende in Deutschland – ohne landwirtschaftliche Flächen zu opfern.“

Genehmigungen in Rekordzeit erteilt

Bayerns größte Agri-PV-Anlage mit Sonnentrackingsystem wurde nach dem offiziellen Spatenstich im August 2025 bereits nach wenigen Monaten in Betrieb genommen. Zuvor waren die Genehmigungen in Rekordzeit erteilt worden: Vom Aufstellungsbeschluss bis zur Baugenehmigung vergingen lediglich sechs Monate.

Aiwanger zeichnete die Agri-PV-Anlage in Oberndorf als „Gestalter“ im Team Energiewende Bayern aus. Das Projekt belege eindrucksvoll, wie sich landwirtschaftliche Nutzung und Photovoltaik nachhaltig kombinieren lassen. Die ideelle Auszeichnung würdige das Engagement herausragender Akteure der Energiewende und solle zugleich zur Nachahmung anregen. Bislang wurden 17 „Gestalter“ im Team Energiewende Bayern ausgezeichnet.

Die Planung und Errichtung der Anlage übernahm die MaxSolar GmbH aus Traunstein. Für Baubegleitung und Betriebsführung ist das Münchner Start-up Feldwerke GmbH verantwortlich. Investor und Betreiber ist die Clearvise AG aus Frankfurt am Main.

Selbst Mähdrescher haben Platz

„Im Landkreis Traunstein haben wir kürzlich ein Agri-PV-Projekt mit 2 Megawatt Leistung in Betrieb genommen und in Kramschat fand vor Kurzem der Spatenstich für einen genauso großen Agri-PV-Park wie in Oberndorf am Lech statt“, sagt Feldwerke-Geschäftsführer Marco Mielenz der Staatszeitung. Insgesamt habe sein Unternehmen Agri-PV-Projekt mit einer Gesamtleistung von 50 Megawatt in Bayern und Baden-Württemberg in Planung.

Wenn sich Landwirte für Agri-PV interessieren, können sie ihre Flächen kostenlos bei der Feldwerke GmbH prüfen lassen. Selbst Mähdrescher können zwischen den PV-Modulreihen hindurchfahren. Denn sie können für derart große Landmaschinen vertikal gestellt werden. Und je nach Höhe der Aufständerung der PV-Module ist der Anbau unterschiedlich hoch wachsender Pflanzen möglich.
(Ralph Schweinfurth)

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