Wirtschaft

Die Geschäftsstelle des Sparkassenverbands am Karolinenplatz 5 in München. (Foto: Sparkassenverband Bayern)

13.03.2019

Netzer kritisiert Regulatorik und Aufsicht

Die bayerischen Sparkassen sind weiterhin erfolgreich am Markt

Insbesondere dann, wenn nicht absehbar ist, welche Entwicklung die Wirtschaftswelt nimmt, entscheiden sich die Kunden in den Regionen umso deutlicher für die Sparkassen: Sie wissen, dass sie auf die Sparkassen zählen können und revanchieren sich mit Vertrauen in unsere Produkte und Dienstleistungen“, erklärte Ulrich Netzer, Präsident des Sparkas-senverbands Bayern (svb), im Rahmen der Bilanzpressekonferenz 2018 in München. Damit gelang es den bayerischen Sparkassen, so Netzer, ihren Kurs stabil fortzusetzen. Sie schlossen auch das abgelaufene Geschäftsjahr wieder erfolgreich ab, obwohl sich der Druck aus Niedrigzinspolitik, Regulierungsfülle und Digitalisierung weiter verdichtet hat.

Die Institute konnten ihr Kundengeschäft stark ausbauen, Kredit- und Einlagevolumen stiegen erneut überdurchschnittlich. Netzer erklärte: „Auch wenn sich der konjunkturelle Ausblick eintrübt, sind doch die bayerischen Unternehmen weiterhin überaus agil. Die Kreditnachfrage ist auf Rekordhöhe, der Mittelstand handelt optimistisch. Angesichts der Börsenschwäche zum Jahresende und der Verengung der Immobilienmärkte sind gleichzeitig auch die Sichteinlagen der bayerischen Sparkassen 2018 wieder stark angestiegen. Infolge des Mangels an rentierlichen Anlagemöglichkeiten parken viele Kunden ihre Ersparnisse in täglich fälligen Geldern mit geringster Verzinsung.“

Das Wachstum im operativen Geschäft findet laut Netzer aufgrund der Zinssituation abermals wenig Niederschlag im Ertrag der bayerischen Sparkassen. Im Jah-resergebnis zeigen sich die Belastungen aus erneut rückläufigen Zinsüberschüssen. Dass sich die Spuren der EZB-Geldpolitik nicht tiefer graben, konnten die Sparkassen durch wirksame Maßnahmen in Vertrieb, Kundenbindung und Kostenmanagement verhindern. „Die Sparkassen-Finanzgruppe zeigt Kondition und Anpassungsfähigkeit in diesem finanzwirtschaftlichen Langstreckenlauf“, so der svb-Präsident. „Wir sind fest entschlossen, unseren Kunden auch künftig erster Ansprechpartner in finanziellen Fragen zu bleiben. Dabei verbinden wir das klassische Bankgeschäft in den bayerischen Regionen mit der modernen Plattformökonomie.“

Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen konnte 2018 wieder deutlich gesteigert werden und lag am Jahresende bei insgesamt 135,9 Milliarden Euro (+4,1 Prozent). Überdurchschnittlich stieg dabei der Bestand an Unternehmenskrediten: Er wuchs um 5,6 Prozent auf 72,1 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen von Unternehmen und Selbstständigen wächst seit Jahren stärker als andere Kredite, sodass der Anteil der Mittelstandskredite an den Gesamtausleihungen zunimmt. Die immer weiter wachsende Verwurzelung im mittelständischen Firmenkundengeschäft macht laut Netzer die zentrale Stellung der Sparkassen für die bayerische Wirtschaft deutlich.

Schwung zeigte sich auch im Markt für Immobilienkredite, so der svb-Präsident. Der Bestand wuchs 2018 um 5,0 Prozent auf 73,7 Milliarden Euro. Fast 70 Prozent davon entfallen auf Immobilienkredite für Privatpersonen (50,4 Milliarden Euro; +3,7 Prozent). Dieser Bestand wächst allerdings inzwischen langsamer als der von Bauträgern und anderen Wohnungsunternehmen (+9,9 Prozent). Auch das Neugeschäft mit Privaten wächst langsamer. Netzer: „Obwohl Bauträger in der Regel nicht zu den klassischen großen Kundengruppen der Sparkassen zählen, wächst ihr Anteil an den Immobilienfinanzierungen. Daran sehen wir, dass sich der Markt für private Immobilien zusehends verengt. Private kommen vor allem in Ballungsgebieten immer seltener zum Zuge. Sie lassen ihre Mittel dann unangetastet und warten auf neue Gelegenheiten.“

Zuwächse im Bauspargeschäft

Im Bauspargeschäft verzeichneten die bayerischen Sparkassen ebenfalls erfreuliche Zuwächse: „Immer mehr Menschen nutzen die gute Gelegenheit, sich heute mit einem Bausparvertrag langfristig niedrige Kreditzinsen zu sichern“, sagte Netzer. Nach einem bereits guten Jahr 2017 konnten die Sparkassen 2018 noch einmal 9,8 Prozent mehr Bausparverträge ausgeben, sodass am Ende eine Bausparsumme von über 6,9 Milliarden Euro stand.

Trotz niedrigster Zinsen sind 2018 die Einlagen der Sparkassenkunden noch kräftiger angestiegen als im Vorjahr: Sie stiegen um 7,3 Milliarden Euro auf 167,2 Milliarden Euro (+4,5 Prozent).
2018 war laut Netzer ein Jahr der Geldvermögensbildung: Die privaten Kunden der bayerischen Sparkassen legten 8,8 Milliarden Euro neu auf ihren Konten, Depots, in Bausparverträgen und Lebensversicherungen an. Das sind 28 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

2018 war insgesamt auch ein solides Jahr im Wertpapiergeschäft. Nach dem Rekordjahr 2017 hat sich das Wertpapiergeschäft der bayerischen Sparkassen 2018 stabilisiert. Zum sechsten Mal in Folge übersteigen die Wertpapierkäufe wieder die -verkäufe, der Nettoabsatz stieg auf 2,73 Milliarden Euro (+58 Prozent). Dies ist der höchste Wert seit sechs Jahren. Dabei haben nach Netzers Worten mehr Kunden der bayerischen Sparkassen die Vorzüge des regelmäßigen Wertpapiersparens erkannt. Die Zahl der Fondssparpläne mit dem Verbundpartner Deka stieg um fast 78 000 Verträge (+11 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Damit liegen die Bayern bundesweit vorne.

„Gerade in Zeiten niedriger Zinsen und volatiler Märkte beweisen breit aufgestellte Fondssparpläne ihre Stärke. Insbesondere Sparpläne auf Aktienfondsbasis leisten so mit kleinen monatlichen Beträgen ihren Beitrag zum Vermögensaufbau. Wir fordern deshalb nochmals, die Wertpapierberatung nicht vom Provisions- auf ein Honorarmodell umzustellen. Die Eintrittsschwelle wäre damit zu hoch, viele Kunden mit geringeren Vermögen würden zulasten ihrer Altersvorsorge auf die Beratung verzichten“, erklärte Netzer.

Der Zinsüberschuss der bayerischen Sparkassen ist weiterhin rückläufig (-4,1 Prozent). „Der Zinsüberschuss ist die Haupt-Ertragsquelle der Sparkassen und bestimmt letztlich über den Erfolg eines Geschäftsjahrs. Wir haben hier nach wie vor die verrückte Situation, dass wir eigentlich kräftig wachsen, doch der Erfolg von der Nullzinspolitik quasi sofort wieder aufgefressen wird. Das können wir auch bei bester Gegensteuerung nicht ganz kompensieren,“ so Netzer. „Der Zinsüberschuss wird strukturell bedingt noch weiter sinken. Auf Dauer wird es aber immer schwieriger, den Rückgang über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen.“

2018 erzielten die bayerischen Sparkassen ein Betriebsergebnis vor Bewertung von rund 1670 Millionen Euro. Es liegt um 5,0 Prozent beziehungsweise 87,6 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis. Maßgeblich für diese Entwicklung war, dass der Rückgang des Zinsüberschusses (-142,5 Millionen Euro) auch durch große Anstrengungen nicht einmal zur Hälfte aufgefangen werden konnte. Eine Steigerung der Provisionsüberschüsse (+35,9 Millionen Euro) und gesunkene Verwaltungsaufwendungen (-16,4 Millionen Euro) reichten nicht aus, um der Entwicklung die Stirn zu bieten.

Nach den noch vorläufigen Berechnungen (Ende der Jahresabschlussprüfungen: 31.05.2019) wird nach Steuern am Ende ein Jahresüberschuss von 343 Millionen Euro (2018: 360 Millionen Euro) stehen, so Netzer. Die bayerischen Sparkassen nutzen diesen Gewinn, um ihr Eigenkapital weiter zu stärken. So sind sie als verlässlicher Kreditgeber auch für wirtschaftlich schwierigere Zeiten gerüstet.

Unter
internationalem Druck

Laut Netzer entwickeln sich die bayerischen Sparkassen erfolgreich. Allerdings stehen die regionalen Sparkassen unter internationalem Druck – sei es durch die Geldpolitik, die Bankenregulie-rung oder die digitalen Entwicklungen. „Die international ausgerichtete EZB-Niedrigzinspolitik scheint kein Ende zu nehmen – die regionalen Sparkassen schultern die bitteren Auswirkungen. Die Bankenregulierung schießt über das Ziel hinaus – die Privatkunden der Sparkassen verzweifeln am gut gemeinten Verbraucherschutz, die Firmenkunden müssen durch die Finalisierung des Regelwerks Basel III verteuerte Finanzierungskonditionen fürchten. Die Internetgiganten aus USA und China sind aufgebrochen, um auch die europäischen Märkte zu erobern – die regionalen Sparkassen müssen sehen, wie sie ihre Marktposition angesichts der globalen Monopolisten verteidigen.“

Dass die Sparkassen angesichts dieser Herausforderungen für die Zukunft viele Energien durch die extrem detaillierte und im Ursprung an die internationalen Großbanken gerichtete Bankenregulierung verlieren, bedauerte Netzer und warnte zugleich: „Regulatorik und Aufsicht binden seit Jahren unglaublich viele Kräfte in unseren Sparkassen. Die zeitliche Dichte und die Detailtiefe von Regulierungsmaßnahmen lässt die Mitarbeiter angesichts einzuführender Maßnahmen und Meldepflichten oftmals atemlos zurück.“ (Friedrich H. Hettler)

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