Wirtschaft

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (55) machte sich bei den Oberbayerischen Holztagen in Übersee (Landkreis Traunstein) für den nachwachsenden Rohstoff stark. (Foto: StMWi,Bastian Brummer)

06.02.2026

Wirtschaftsminister Aiwanger: "Nicht genutztes Holz schadet dem Klima"

Der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) spricht im BSZ-Interview über Vorteile von Holzöfen und das Gebäudeenergiegesetz

In Bayerns Wäldern stehen über eine Milliarde Kubikmeter Holz und jede Sekunde wächst rund ein weiterer Kubikmeter nach. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will, dass das Holz besser genutzt wird. Denn ein Ster Brennholz ersetzt 120 Liter Heizöl oder 150 Kubikmeter Frackinggas.

BSZ: Herr Aiwanger, Sie sprechen sich klar für mehr Holznutzung aus. Aber die Holzverbrennung beschleunigt den Klimawandel durch schnelle CO2-Freisetzung.
Hubert Aiwanger: Diese Kritik ist ideologische Stimmungsmache – sonst nichts. Es verhält sich sogar genau umgekehrt: Unsere Waldarbeiter sind die wirklichen Klimaschützer und Holznutzung ist aktiver Klimaschutz. Das bei der energetischen Nutzung freigesetzte CO2 wird im Wald unmittelbar wieder gebunden und befindet sich in einem geschlossenen Kreislauf aus Wald und Atmosphäre. Hinzu kommt: In den bayerischen Wäldern haben sich über die Jahre Rekordholzvorräte angesammelt, die jetzt in die Nutzung gebracht werden müssen.

BSZ: Was passiert sonst?
Aiwanger: Entweder wir nutzen das Holz oder der Borkenkäfer frisst es bei der nächsten Dürre. Es ist ein Irrglaube, dass nicht genutztes Holz dem Klima hilft. Wenn Holz im Wald verrottet, wird auch CO2 freigesetzt. Der wichtige Unterschied ist jedoch, dass bei der energetischen Nutzung fossile Energieträger wie Öl und Gas ersetzt werden: Ein Ster Brennholz ersetzt 120 Liter Heizöl oder 150 Kubikmeter Frackinggas. Im Jahr 2024 konnten dadurch in Deutschland über 32 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Wer sich gegen energetische Holznutzung ausspricht, ist also im Grunde Lobbyist für fossile Energien.

BSZ: Wird Raubbau an Wäldern betrieben und deren Funktion als CO2-Speicher geschwächt, wenn man mehr Holz nutzt?
Aiwanger: Rund ein Drittel unserer Landesfläche ist bewaldet. In Bayerns Wäldern stehen über eine Milliarde Kubikmeter Holz und jede Sekunde wächst rund ein weiterer Kubikmeter nach. Holz steht uns in Zukunft sogar in steigender Menge zur Verfügung, nachhaltig und planbar. Die Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2022 zeigt: Die Holzvorräte in Bayerns Wäldern sind in den vergangenen zehn Jahren sogar um rund 14 Kubikmeter je Hektar gestiegen. Eine verstärkte Nutzung des Rohstoffs Holz hat also nichts mit Raubbau zu tun. Seit Jahrhunderten gilt in der Forstwirtschaft der Grundsatz der Nachhaltigkeit: „Es wird nur so viel Holz genutzt, wie auch nachwächst.“

Entweder wir nutzen das Holz – oder der Borkenkäfer frisst es bei der nächsten Dürre

BSZ: Aber jetzt ist zu viel Holz vorhanden.
Aiwanger: Zu hohe Vorräte erhöhen die Risiken für den Wald, etwa durch Stürme oder Schädlingsbefall. Umso wichtiger ist daher die rechtzeitige und nachhaltige Nutzung unserer Wälder. Neben der Risikominimierung leistet die Nutzung von Holz auch einen wichtigen Beitrag zur Speicherung von CO2, denn Produkte aus heimischem Holz binden CO2 langfristig. Nicht genutztes Holz hingegen verrottet im Wald und gibt das gespeicherte CO2 wieder an die Atmosphäre ab. Eine gesteigerte Holznutzung ist somit ein Gewinn für die Speicherung von CO2. Jeder nicht genutzte Kubikmeter Holz schadet dem Klima.

BSZ: Viele Menschen heizen mit Holzbrennstoffen wie Scheitholz, Hackschnitzel oder Pellets. Auch öffentliche Gebäude oder kommunale Nahwärmenetze setzen auf Holz. Doch die Holzenergie steht zunehmend in der Kritik von Medien und Umweltverbänden – vor allem wegen der Feinstaubbelastung. Wie sehen Sie das?
Aiwanger:Wir müssen hier klar differenzieren. Moderne Holzheizungen, wie Pellet- und Hackschnitzelanlagen, haben mit alten Öfen von früher nichts mehr zu tun. Sie erreichen hohe Wirkungsgrade und sehr niedrige Emissionswerte, streng geregelt durch Immissionsvorschriften. Der moderne Holzofen benötigt außerdem weniger Holz, um dieselbe Wärme in der Wohnung zu erzeugen. Alte Anlagen müssen Schritt für Schritt ersetzt oder nachgerüstet werden.

BSZ: Also doch Holz verfeuern?
Aiwanger: Ich sage ganz klar: Wer einen Holzofen hat, soll ihn nutzen. Wer noch keinen hat, aber einen einbauen könnte, soll sich einen kaufen. Gerade auch in Zeiten, wo wir von Krisenfestigkeit sprechen und über Gasmangellagen diskutieren, ist Holzenergie ein Sicherheitsgewinn. Wir sind damit eben nicht abhängig von anderen, das ist ein Stück Versorgungssicherheit in Bayern. Aktuell hat jeder dritte Haushalt in Bayern einen Holzofen. Wer also pauschal Holzenergie verurteilt, verkennt ihren Beitrag zur Wärmewende.

Gelebte Kreislaufwirtschaft

BSZ: Was ist schlecht daran, wenn man Pellets nutzt? Sie werden doch aus Reststoffen der Holzindustrie hergestellt.
Aiwanger: Kurz gesagt: nichts! Im Gegenteil: Sie bestehen überwiegend aus Sägenebenprodukten wie Spänen und Hackschnitzeln, die stofflich oft nicht höherwertig nutzbar sind. Das ist gelebte Kreislauf- und Kaskadenwirtschaft. Pellets sorgen dafür, dass Reststoffe sinnvoll verwertet werden, statt ungenutzt zu bleiben. Sie liefern klimafreundliche Wärme, sind gut lagerfähig und stammen überwiegend aus heimischer Produktion. Das wiederum stärkt unseren ländlichen Raum.

BSZ: Wie viel Umsatz erwirtschaftet Bayerns Holz- und Forstbranche im Jahr?
Aiwanger: Vom Wald über die Dienstleister, die Sägewerke bis hin zur Möbel- und Papierbranche werden allein in Bayern jedes Jahr rund 45 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das zeigt, wie wichtig unsere Wälder nicht nur für den Natur-, sondern auch Wirtschaftsraum sind, sondern auch für Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung im ganzen Freistaat. Das ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, vor allem im ländlichen Raum.

BSZ: Und wie viele Menschen arbeiten in dieser Branche – direkt und indirekt?
Aiwanger: Gut ausgebildete Wald- und Forstarbeiter sorgen für gesunde Wälder und stabile Erträge. Der Sektor Forst- und Holz beschäftigt in Bayern rund 155.000 Personen. Eine Besonderheit der Branche ist die großflächige, räumliche Verteilung der Arbeitsstätten. Vor allem in ländlichen Regionen sorgt das für regionale Wertschöpfung und damit für den Wohlstand.
Auf Basis aktueller Zahlen arbeiten rund 5500 Menschen direkt in der Forstwirtschaft, die verbleibenden rund 149.500 Beschäftigen verteilen sich auf die nachgelagerten Wirtschaftszweige wie beispielsweise Sägewerke, den Holzbau, die Möbel- oder Papier- und Zellstoffindustrie.

BSZ: Holz als Energiequelle zu nutzen, wird oft als weniger effizient angesehen als etwa eine Wärmepumpe zu nutzen. Ist das so?
Aiwanger: Das stimmt so nicht. Es gibt nicht die eine Lösung für alle Gebäude in Deutschland. Wärmepumpen sind vor allem im Neubau oder bei gut sanierten Gebäuden sinnvoll. Aber in ländlichen Regionen oder bei Nahwärmenetzen ist Holzenergie oft technisch, wirtschaftlich und ökologisch die bessere Lösung. Man muss ja sehen, dass Holzenergie das Stromnetz entlastet, wenn keine Sonne scheint oder der Wind nicht weht. Die erneuerbare Wärmeversorgung breit aufzustellen und nicht alles zu elektrifizieren, ist damit eine kluge Strategie. Man kann bei der Energie- und Wärmewende nicht eine Technologie gegen die andere ausspielen. Denn wir brauchen für diese große Anstrengung alle erneuerbaren Möglichkeiten gleichermaßen, und keine ideologischen Scheuklappen.

Im Koalitionsvertrag ist eine grundlegende Überarbeitung des Heizungsgesetzes vereinbart

BSZ: Das Gebäudeenergiegesetz – besser bekannt als Heizungsgesetz – der ehemaligen Ampel-Regierung in Berlin verbietet Verfeuerung von Holz zur Wärmeerzeugung in Wohngebäuden. Was fordern Sie von der aktuellen Bundesregierung in dieser Angelegenheit?
Aiwanger: Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene für die laufende Legislaturperiode haben Union und SPD eine Aufhebung beziehungsweise grundlegende Überarbeitung des „Heizungsgesetzes“ vereinbart. Wichtig ist, dass wir in Zukunft tatsächliche Technologieoffenheit für alle Energieträger, gerade auch für Biomasseheizungen haben müssen. Die strengen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an Biomasseheizungen müssen daher zurückgenommen werden. Weiterhin fordern wir eine Gleichbehandlung von Biomasseheizungen im Rahmen der Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude, die derzeit nicht vollständig gewährleistet ist.

BSZ: Welche Baustoffe kann Holz ersetzen?
Aiwanger: Es geht immer um den konkreten Anwendungsfall und ganz sicher nicht darum, einen Baustoff gegen den anderen auszuspielen. Vielmehr ist wichtig für die Baubranche, möglichst alle Materialien optimal für den jeweiligen Zweck einzusetzen, immer mehr auch hybrid. Denn wir reden hier nicht über Romantik, sondern über handfeste Bauprojekte. Im mehrgeschossigen Bau kann Holz ganz oder teilweise eingesetzt werden – sowohl im klassischen Ein- und Mehrfamilienhausbau, als auch bei Bürogebäuden und kommunalen Zweckbauten wie Kindergärten oder Schulen. Der Baustoff Holz ist leicht, stabil und tragfähig. Damit kann man auch mal teuren Stahl aus Übersee ersetzen. Und auch bei den Dämmstoffen auf Erdölbasis besitzen Holzfasern Vorteile gegenüber Styropor.

BSZ: Inwiefern kann Holz als Industrierohstoff dienen?
Aiwanger: Holz ist heimisch, nachwachsend und vielseitig. Die drei Holz-Bestandteile Cellulose, Hemicellulose und Lignin sind bei entsprechenden Aufschlussverfahren geeignet, zu Grundstoffen für die Weiterverarbeitung zum Beispiel zu biobasierten Kunststoffen oder Basischemikalien für Industrieanwendungen verarbeitet zu werden. Mit dem Cross-Cluster-Projekt BAMBI zur stofflichen holzbasierten Bioökonomie werden derzeit mit unserer Förderung konkrete Wertschöpfungspotenziale analysiert, um diese möglichst zeitnah zur Anwendung zu bringen. (Interview: Ralph Schweinfurth)

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