Wirtschaft

Bertram Brossardt. (Foto: vbw)

26.03.2026

Passende Bewerber fehlen

Auf dem M+E Ausbildungsmarkt macht sich die schwierige Wirtschaftslage erheblich bemerkbar

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Bund und Freistaat ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr branchenübergreifend leicht gesunken, erklärte bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt zur Lage am M+E Ausbildungsmarkt. Insbesondere die angespannte wirtschaftliche Lage sowie die strukturellen Probleme am Standort würden am Ausbildungsmarkt, insbesondere aber bei der M+E Industrie zunehmend ihre Spuren hinterlassen. Ein weiterer Grund für den Rückgang ist laut Brossardt auch der Bewerbermangel. „Man muss klar sagen: Wäre die wirtschaftliche Lage besser, könnten die Unternehmen mehr ausbilden“, so der Hauptgeschäftsführer.

Mit 13 398 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnete die bayerische Metall- und Elektroindustrie (M+E Industrie) als Schlüsselbranche in Bayern einen deutlichen Rückgang um 10,9 Prozent. Das ist nach Brossardts Worten immer noch ein hohes Niveau. Für das laufende Jahr erwartet der Verband ein Minus von acht Prozent. Auch wenn die Stimmungsindikatoren zum Jahresanfang für die M+E Industrie leicht gestiegen sind, bleibe die Situation angespannt, betonte Brossardt. „Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung im Inland jetzt für mehr Planungssicherheit sorgt. Wir brauchen jetzt einen Wirtschaftsumschwung, wir brauchen jetzt echte Reformen und eine Stärkung unseres Standorts.“

Gleichzeitig machte der bayme vbm Hauptgeschäftsführer klar, dass höhere Löhne nicht das Problem lösen, vielmehr würden sie es verschärfen. Bei der kommenden Tarifrunde im Herbst müsse man daher mit „Maß und Mitte herangehen“. Die Verbesserung der Standortbedingungen und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit seien die Grundvoraussetzung dafür, dass man auf einen Wachstumspfad zurückkehrt. Gelinge dies, würden auch die Ausbildungszahlen wieder steigen, so Brossardt.

Der Hauptgeschäftsführer erklärte zum Umfrageergebnisse: „Das hohe Niveau aus den Vorjahren konnte 2025 nicht gehalten werden. Trotz der zurückgehenden abgeschlossenen Ausbildungsverträge haben Jugendliche im Freistaat aber weiter gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. So stehen jeder Bewerberin und jedem Bewerber in Bayern branchenübergreifend momentan etwa 1,5 Ausbildungsplätze zur Verfügung.“

Die Lage bleibe jedoch angespannt, insbesondere die Unsicherheiten durch den Iran-Konflikt und die US-Zollpolitik würden die Stimmung erneut dämpfen. Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen insbesondere im M+E Bereich auch mehr ausbilden.

39 Prozent der Unternehmen geben an, dass sich die Standortprobleme auf die Ausbildungssituation auswirken. Dieser Wert hat sich laut Brossardt seit dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Übernahmebereitschaft

Neben der wirtschaftlichen Lage bleibt die Suche nach passenden Azubis für die M+E Unternehmen bei der Besetzung ihrer offenen Ausbildungsplätze mittel- und langfristig eine zentrale Herausforderung, so der Hauptgeschäftsführer. Von den Betrieben, die einen Rückgang verzeichnen, nannte mit 49,4 Prozent weiterhin die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber als stärkste Ursache für den Rückgang an abgeschlossenen Verträgen, 48,1 Prozent gaben an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen.

„Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung“, so Brossardt. „Finden die Jugendlichen aber ihren Weg in die Betriebe und schließen dort ihre Ausbildung erfolgreich ab, warten auf sie dort sichere und gute Zukunftsperspektiven.“
So bleibt die Übernahmesituation in der bayerischen M+E Industrie ungeachtet der äußeren Umstände weiter gut. Im vergangenen Jahr wurden 89,2 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet übernommen. Erfolgte keine Übernahme, geschah dies meist auf Wunsch des Azubis. Für 2026 verbessert sich die Übernahmequote noch einmal voraussichtlich auf knapp 93 Prozent. „Der hohe Übernahmewille zeigt das Interesse der Unternehmen, ihre ausgelernten Azubis langfristig an sich zu binden“, erklärte Brossardt. „Gleichzeitig bemühen sie sich auch weiterhin, die Azubis früh auf sich aufmerksam zu machen und für eine Ausbildung zu begeistern. So geben 94,3 Prozent der befragten Unternehmen an, ihr Praktikumsangebot auch 2026 stabil halten zu wollen.“

Die tarifliche Ausbildungsvergütung in der M+E Industrie in Bayern ist laut Brossardt für Jugendliche auf hohem Niveau sehr attraktiv. Das Durchschnittsgehalt über alle Ausbildungsjahre hinweg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt seit dem 1. Januar 2025 bei 1347 Euro. Zum 1. April 2026 steigt das Gehalt noch einmal auf durchschnittlich 1389 Euro an.

„Langfristig bleibt die Nachwuchsgewinnung für die Unternehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben“, betonte Brossadt. Gleichzeitig bleibe das Gelingen der Transformation eine Herausforderung zumal sich der Arbeitsmarkt im Wandel befinde. Darum komme Künstliche Intelligenz auch in der Ausbildung immer mehr zum Einsatz. Das würden mit 35,6 Prozent inzwischen über ein Drittel der befragten Unternehmen bestätigen. Insgesamt 71,2 Prozent der Azubis lernen in einem dieser Betriebe. Die Firmen wissen, so der bayme vbm Hauptgeschäftsführer, dass die Ausbildung den Grundstein legt, um den Jugendlichen den Umgang mit digitalen Inhalten als Schlüsselkompetenz am Arbeitsmarkt der Zukunft zu vermitteln. (Friedrich H. Hettler)
 

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