Wirtschaft

Noch nie meldeten sie so viele Neuentwicklungen beim Europäischen Patentamt (EPA) in München an wie im vergangenen Jahr. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

12.03.2019

Patentanmeldungen in Europa erreichen Höchstwert

Europa und die USA sind für fast drei Viertel aller in Europa eingereichten Patente verantwortlich

Für innovative Unternehmen ist der europäische Markt weiter hoch attraktiv. Noch nie meldeten sie so viele Neuentwicklungen beim Europäischen Patentamt (EPA) an wie im vergangenen Jahr. Mehr als 174 300 Patente registrierte die Organisation 2018. Im Vergleich zu 2017 sind das 4,6 Prozent mehr und so viele wie noch nie, wie das EPA am Dienstag in München mitteilte. Knapp die Hälfte der Anmeldungen stammte demnach von europäischen Unternehmen.

"Die Nachfrage nach Patentschutz steigt weiter, was bedeutet, dass Erfinder und Unternehmen Europa als einen attraktiven und wichtigen Technologiemarkt ansehen", hieß es von EPA-Präsident António Campinos.

Rund 15 Prozent aller Patente kamen im vergangenen Jahr aus Deutschland. Die Bundesrepublik ist damit auf dem zweiten Platz hinter den USA (25 Prozent). "Dies ist vor allem auf den Aufwärtstrend im Fahrzeugsektor und in angrenzenden Bereichen wie Sensoren und andere Messgeräte zurückzuführen", schreibt das EPA. Mit mehr als 9000 Patentanmeldungen landete der Transportbereich auf Platz 5 der anmeldestärksten Gebiete.

China als Treiber


Eine untergeordnete Rolle bei Patenten im Vergleich zu Europa und den USA spielt bislang China. Gerade mal 5 Prozent der Neuanmeldungen beim EPA kamen im vergangenen Jahr von dort. "Auf einigen Gebieten ist China sicherlich bereits an der weltweiten Technologiegrenze und treibt diese durch eigene Entwicklungen weiter voran", schreibt Wirtschaftsforscher Oliver Falk vom Ifo-Institut in München auf Anfrage. "Im Wesentlichen wächst China aber noch durch Aufholen und Imitation."

Doch das ändert sich allmählich. Beim chinesischen Patentamt gingen jedes Jahr Millionen Neuanmeldungen von einheimischen Unternehmen ein, sagt Oliver Koppel, Innovationsforscher beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Die Standards dort seien zwar deutlich niedriger als beim Europäischen Patentamt, wo sie auch höher als etwa bei den US-Behörden sind. Doch ein Zuwachs der aus China eingereichten Patente beim EPA in Höhe von knapp 9 Prozent im vergangenen Jahr spreche für eine immer bessere Qualität der Innovationen aus Fernost.

Vor allem in der Computertechnik, bei elektrischen Maschinen, sowie bei audiovisueller Technologie meldet China laut EPA zahlreiche Patente an, auch wenn sich das Wachstum in diesen Bereichen dort zuletzt verlangsamte.

In chinesischer Hand


Allerdings könne man das tatsächliche Volumen der im chinesischen Besitz befindlichen Patentanmeldungen der Statistik gar nicht entnehmen, sagt Koppel. Allein in Deutschland seien eigenen Untersuchungen zufolge rund 100 teils namhafte Patentanmelder in chinesischer Hand, sagt Koppel, darunter auch der Augsburger Roboterhersteller Kuka. Dessen Patente würden beim EPA als deutsche Anmeldung registriert, nicht als chinesische.

Vor der Konkurrenz aus China warnte zuletzt vor allem der Münchner Technologiekonzern Siemens als Argument für den Zusammenschluss seiner Zugsparte mit dem französischen TGV-Hersteller Alstom. Zufrieden dürften die Münchner nun registrieren, dass sie in der Liste der Einzelunternehmen mit den meisten Patenten den chinesischen Telekommunikationskonzern Huawei von Platz 1 vertrieben haben. 2493 Innovationen meldete Siemens dem EPA im vergangenen Jahr, acht mehr als Huawei, gefolgt von Samsung und LG aus Südkorea.

Wo ein Unternehmen ein Patent anmelde, hänge vor allem von strategischen Erwägungen ab, sagte ein EPA-Sprecher - und von den Kosten. Es sei in der Regel günstiger, Erfindungen bei den nationalen Behörden schützen zu lassen als beim EPA. Aber dann bleibt der Schutz auch nur auf den jeweiligen Markt beschränkt.

Die meisten Erfindungen wurden beim EPA in der Medizintechnik angemeldet (13.795 Patente). Es folgen Digitale Kommunikation (11.940) und Computertechnik (11.718). Arzneimittel (7441) landeten auf Platz 7.
(Matthias Arnold, dpa)

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