Wirtschaft

Ein Kondolenzbuch für die verstorbene ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth liegt im Deutschen Dom aus. Sie war ein Kommunikationsprofi. (Foto: dpa/Britta Pedersen)

06.02.2026

Rita Süssmuths Erbe

Gute Kommunikation als Erfolgsfaktor

Am vergangenen Wochenende starb die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. In den zahlreichen Nachrufen wird die Politikerin als herausragende Persönlichkeit beschrieben. Viele Statement-Geber betonen ihren Reformwillen, ihre konsequente Haltung, Themen, Ansichten und Vorschläge immer wieder vorzutragen und Menschen zu überzeugen. In politischen Auseinandersetzungen habe sie zugleich die Gabe gezeigt, sich auch mit divergierenden Meinungen auseinanderzusetzen und mit Andersdenkenden im Dialog zu bleiben. Sie habe nachfolgende Generationen immer wieder motiviert, gegen den Strom zu schwimmen. „Wenn die den Widerstand durchhalten und gute Freunde haben, die sie unterstützen, versetzen sie die ersten kleinen Berge“, soll sie einmal gesagt haben.

Das Ansehen von Rita Süssmuth hat ganz stark mit ihrer Kommunikation zu tun. Mit der verbalen und mit der nonverbalen. Damit, wie sie geredet hat, wie sie aufgetreten ist und wie sie sich – auch im politischen Disput – anderen gegenüber verhalten hat. Kommunikation ist eben nicht nur, wie wir schreiben oder sprechen. Kommunikation ist die Basis für ein gesamtgesellschaftliches Miteinander. Ob auf Berliner (oder damals Bonner) Bühne, in der Landespolitik oder auf kommunaler Ebene.

Ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor

Doch nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft ist gute Kommunikation ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor. Etwa, wenn Unternehmen um qualifizierte und motivierte Mitarbeiter werben; wenn sie Produkte oder Leistungen auf den Markt bringen; wenn sie Investoren oder Kunden überzeugen wollen. All das geht nicht ohne eine durchdachte, vorbereitete und an Ziel und Zielgruppe ausgerichtete Kommunikation. Rita Süssmuth wusste das. Ihre Kommunikation war geradlinig, grundehrlich und daher auch glaubhaft. Selbst dann, wenn man ihren Standpunkt in der Sache nicht teilen mochte. Darum ist es keine Überraschung, dass Menschen der 1980er- und 1990er-Jahre ebenso wie Weggefährten von heute ihre klare Haltung und ihre klare Kommunikation würdigen.

Um politische oder wirtschaftliche Pläne, Produkte oder Programme zu vermitteln, muss man nicht Kommunikationswissenschaft studieren und auch keine Theorien auswendig lernen. Man muss sich vor allem auf das Gegenüber einstellen, auf die Empfänger sowie auf Klarheit und Wahrheit in der Sprache; und nicht – überspitzt gesagt – jede Woche das Gegenteil von dem erzählen, was man den Medien in der Vorwoche noch in die Mikrofone diktiert hat. 

Haltung und Aushalten

Und man muss Widerstände aushalten können, denn eine ehrliche Kommunikation enthält manchmal auch unbequeme Wahrheiten, für die es auf LinkedIn, Facebook, Instagram und Co keine Likes gibt, sondern manchmal übereilte und hingeschnodderte Kommentare. Mit solchen Auswüchsen von Social Media musste sich Süssmuth damals nicht rumschlagen. Sie hätte aber vermutlich auch heute wenig darauf gegeben und wäre sich und ihrer Sache treu geblieben. 

Das hat sie ausgezeichnet, und dafür wird sie jetzt zu Recht geehrt. Kommunikativ starke, überzeugende und glaubhafte Politiker sind selten geworden in unserer Zeit. Klare Standpunkte werden oft gescheut, weil es am konkreten (Zwischen-)Ziel fehlt oder wegen des Versuchs, es irgendwie immer allen recht machen zu wollen. Daran hat die Gesellschaft ihren Anteil, und leider auch die Medien. Nur die beiden können das ändern und zurückfinden zu einer Kommunikation, die nicht überhastet, fehlerhaft oder persönlich herabsetzend ist, sondern fundiert und klar in der Sache und wertschätzend in der Formulierung.
(Claudius Kroker)

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