"Das Jahr startet mit einem konjunkturellen Silberstreif am Horizont“, so der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Franz Xaver Peteranderl, bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen im Handwerk. Seiner Ansicht nach werden die Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung zusätzliches Wachstum in Deutschland entfachen. Das dürfe jedoch kein Strohfeuer sein. Man habe von Anfang an gewarnt, „dass dies nicht lange anhalten wird, wenn weiterhin Strukturreformen fehlen, die Vertrauen in den Standort zurückbringen und weitere Investitionen auslösen.“ Hinzu würden die bekannten geopolitischen Unsicherheitsfaktoren kommen, so der BHT-Präsident.
80 Prozent der befragten Betriebe im bayerischen Handwerk bezeichneten laut Peter-anderl ihre wirtschaftliche Lage im 4. Quartal 2025 als gut oder befriedigend. Damit rangiert dieser Wert exakt auf dem Niveau des Vorjahrs.
Die durchschnittliche Auslastung im bayerischen Handwerk verharrte im Berichtszeitraum unverändert bei 77 Prozent. Das Bauhauptgewerbe, die Industriezulieferer und die privaten Dienstleister konnten laut Peteranderl ihre Auslastung leicht steigern – im Kraftfahrzeuggewerbe, im Lebensmittelgewerbe und im Gesundheitshandwerk ging sie etwas zurück. Unverändert sei die Auslastung im Ausbaugewerbe gewesen.
Leiches Plus
bei Ausbau und Kfz
„Für ein deutliches Plus an Neuaufträgen fehlt weiterhin ein starker politischer Impuls, etwa in Form von sinkenden Steuern und Abgaben“, sagte der BHT-Präsident. Immerhin sei der Anteil an Betrieben mit sinkenden Auftragseingängen im 4. Quartal 2025 um 2 Punkte auf 35 Prozent zurückgegangen.
Ende Dezember verfügten die bayerischen Handwerksbetriebe im Schnitt über Auftragsbestände von 7,9 Wochen, das waren 0,1 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs. Das Bauhauptgewerbe und das Handwerk für privaten Bedarf konnten ihre Auftragsbestände kräftig ausweiten, auch Ausbau und Kfz verzeichneten ein leichtes Plus, so Peteranderl. Das Gesundheitshandwerk meldete dagegen einen leichten, die handwerklichen Zulieferbetriebe und Unternehmensdienstleister einen deutlichen Rückgang.
Befragt zu den Absatzpreisen, berichteten 20 Prozent (minus 1 Punkt) der bayerischen Handwerksbetriebe von einer Steigerung im Berichtszeitraum. 9 Prozent (minus 3 Punkte) konnten für ihre Produkte und Dienstleistungen geringere Preise aufrufen als noch vor einem Jahr, berichtete der BHT-Präsident.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung blieb 2025 erneut hinter den Erwartungen zurück, bedauerte Peteranderl. Auch im bayerischen Handwerk hatten sich die Umsätze nicht wie erhofft entwickelt: 31 Prozent vermeldeten im Berichtszeitraum einen Rückgang (plus 2 Punkte), 17 Prozent konnten ein Umsatzplus verbuchen (minus 1 Punkt).
Nach BHT-Schätzungen wurden im bayerischen Handwerk im Schlussquartal 2025 43,9 Milliarden Euro umgesetzt. Im Vorjahresvergleich entspricht dies einem nominalen Zuwachs von 2,1 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der BHT mit einem Umsatz von 151,9 Milliarden Euro – das wäre ein Plus von 1 Prozent gegenüber 2024. Nach Abzug der Preissteigerung verbleibt allerdings ein Minus von 2,1 Prozent. „Damit ist 2025 das fünfte Jahr in Folge, in dem unsere Handwerksbetriebe einen realen Umsatzrückgang verbuchen müssen“, bedauerte Peteranderl.
Die schwächelnde Wirtschaft, hohe Unsicherheit und eine negative demografische Entwicklung haben nach den Worten des BHT-Präsidenten im Berichtszeitraum auch zu einem Beschäftigungsrückgang im bayerischen Handwerk geführt. Zwar habe jeder zehnte Betrieb mehr Beschäftigte (minus 1 Punkt) vermeldet – gleichzeitig mussten aber 16 Prozent (minus 1 Punkt) mit weniger Personal auskommen. Nach ersten Schätzungen ist die Beschäftigung im bayerischen Handwerk im 4. Quartal 2025 um 1,2 Prozent zurückgegangen. Auch für das Gesamtjahr steht ein Minus: Laut BHT-Hochrechnung waren im Jahresdurchschnitt etwa 956 000 Personen in den Betrieben im Freistaat tätig, 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In absoluten Zahlen waren es 12 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger, so Peteranderl.
Der Anteil investierender Betriebe ging im Berichtszeitraum um 5 Punkte auf 38 Prozent zurück. Zum Jahresende meldeten die bayerischen Handwerkskammern insgesamt 214 800 Mitgliedsbetriebe – ein Plus von 0,6 Prozent.
Für die ersten Monate des laufenden Jahres sind die Handwerksbetriebe im Freistaat deutlich optimistischer als noch vor einem Jahr: 75 Prozent erwarten eine verbesserte oder gleichbleibende Geschäftslage. Das ist ein Plus von 6 Punkten. Lediglich im Lebensmittelgewerbe und im Kraftfahrzeuggewerbe sind die Erwartungen pessimistischer als Anfang 2025. „Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir mit einer Belebung der Geschäftstätigkeit und einem Umsatzwachstum von mindestens 2 Prozent. Ob dies allerdings nach Abzug der Preissteigerung für ein reales Wachstum reichen wird, ist noch nicht absehbar. Die Beschäftigung wird voraussichtlich erneut sinken – und zwar um bis zu 1 Prozent“, berichtete Peteranderl.
Das bayerische Handwerk wartet ebenso wie die gesamte deutsche Wirtschaft auf die überfälligen wirtschaftspolitischen Impulse aus Berlin und Brüssel, betonte der BHT-Präsident. Aber auch die Kommunen können mit einer handwerksfreundlichen Politik die Bedingungen für die Betriebe verbessern, ist sich Peteranderl sicher. Aus diesem Grund hat der BHT für die im März anstehenden Kommunalwahlen Forderungen in Form von Wahlprüfsteinen an die Politik aufgestellt.
So wird gefordert den Verkehr zu entlasten und die Rahmenbedingungen zu verbessern. Dafür sei unter anderem ein fließender Wirtschaftsverkehr mit einer intakten Straßeninfrastruktur unverzichtbar. Darüber hinaus müssten ausreichend Parkplatzflächen und Wirtschaftszonen zum Liefern, Laden und Leisten bereitgestellt werden. Insgesamt brauche es ganzheitliche Verkehrskonzepte, die die Belange des Wirtschaftsverkehrs besser berücksichtigen.
Mehr Flächen für gewerbliche Ansiedlung
In einem zweiten Punkt wird gefordert, Flächen für gewerbliche Ansiedlung und Entwicklung bereit zu stellen. Neue Gewerbeflächen sollten kleinteilig parzelliert und zu bezahlbaren Preisen ausgewiesen werden, möglichst mit Eigentumsrecht anstatt in Erbpacht. Gegen absehbare Konflikte zwischen Wohnen und Gewerbe müsse bereits in der Bauleitplanung besser vorgegangen werden. Auch sollten unbebaute Wohnbauflächen soweit möglich mit einem befristeten Bauzwang versehen werden.
In einem weiteren Punkt fordert der BHT Haushalte zu konsolidieren sowie Steuern und Abgaben zu senken. Dies sei notwendig, um Unternehmen zu stärken, Investitionen zu fördern und den Konsum zu stützen.
Ein wichtiger Punkt ist für das bayerische Handwerk der Abbau von Bürokratie, die Beschleunigung der Verfahren und deren Digitalisierung. Die Betrieb würden weiterhin unter einer wachsenden Dokumentationspflicht und langwierigen Genehmigungsverfahren leiden. Verwaltungsprozesse müssen vereinfacht und beschleunigt werden. Sollte dies gelingen, würde auch die Selbstständigkeit wieder attraktiver und gleichzeitig würde die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen steigen.
Die Fachkräfteversorgung sichern und berufliche Bildung zukunftsfähig machen ist Punkt fünf. Das Handwerk ist der zentrale Arbeitgeber und Ausbilder vor Ort, heißt es in den Wahlprüfsteinen. Damit komme den Betrieben eine stabilisierende Funktion in der Gesellschaft zu. Um die Fachkräfteversorgung zu sichern, seien auch weiterhin umfassende Berufsorientierungsmaßnahmen notwendig.
Im letzten Punkt wird gefordert die Infrastruktur zu optimieren. Die Energieversorgung müsse bezahlbar und wettbewerbsfähig bleiben. Breitband- und Mobilfunknetze müssen weiter ausgebaut, Gewerbegebiete verkehrlich gut erreichbar sein. Wichtig sei auch bezahlbarer Wohnraum für Azubis in der Nähe ihrer Ausbildungsplätze, das stärke die duale Bildung und fördere die Versorgung des Handwerks mit Berufsnachwuchs.
Bis zum Jahresende 2025 wurden im bayerischen Handwerk über 29 000 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Das waren 1,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist, erklärte BHT-Hauptgeschäftsführer Frank Hüpers. Zwar sei die Zahl der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife im Handwerk leicht gesunken, Zuwächse mit Bewerbern aus anderen Schularten hätten dies jedoch ausgeglichen.
Hüpers machte deutlich, dass die Betriebe im Wettbewerb um Berufsnachwuchs gut mithalten können: „Das Handwerk ist attraktiv, die Dienstleistungen und Produkte sind nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzbar, wie in so manch akademischem Beruf. Hinzu kommt: Die Familienbetriebe bilden ein enges Band mit ihren Beschäftigten – Kundinnen und Kunden schätzen die fachkundige Beratung.“
Mit Blick auf die anstehende Reform der Erbschaftsteuer stellte der BHT-Hauptgeschäftsführer klar: „Das Betriebsvermögen muss bei der Erbschaftsteuer zwingend eine Sonderbehandlung erfahren. Nur eine möglichst umfassende Verschonung kann die Leistungsfähigkeit und damit auch den Fortbestand unserer Betriebe gewährleisten. Davon hängen nicht zuletzt Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Investitionen und Innovationen ab.“
Gegen SPD-Konzept der Erbschaftssteuerreform
Familiengeführte Handwerksbetriebe stecken ihr Vermögen vor allem in Betriebsgrundstücke, Werkstätten, Maschinen und Fahrzeuge. „Der im SPD-Konzept vorgesehene Freibetrag von 5 Millionen Euro ist selbst in kleineren Unternehmen schnell überschritten. CNC-Bearbeitungszentren, komplexe Fertigungsanlagen oder digital gesteuerte Produktionslinien kosten nicht selten mittlere sechsstellige Beträge. Daher lehnen wir alle Pläne klar ab, bei denen das zu verschonende Betriebsvermögen deutlich reduziert werden soll“, betonte Hüpers.
Kritik äußerte der Hauptgeschäftsführer am Bundesrechnungshof, der die Wirksamkeit der in Deutschland geltenden Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen anzweifelt. „Es ist ärgerlich, dass der Steuerbonus in Deutschland diskreditiert wird, während Länder wie Österreich unser Erfolgsmodell kopieren: Schließlich werden durch die Steuerermäßigung von bis zu 1200 Euro Aufträge aus der Schwarzarbeit geholt und stattdessen von legal arbeitenden Handwerksbetrieben erledigt. Das Ergebnis sind auch mehr Steuereinnahmen und Sozialabgaben für den Staat.“
(Friedrich H. Hettler)
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