Wirtschaft

Auszubildender im Bereich „Elektroniker für Automatisierungstechnik“. (Foto: picture alliance/dpa/Jan Woitas)

05.08.2026

Strukturkrise hinterlässt deutliche Spuren

Umfrage zur aktuellen Ausbildungssituation in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie

Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Um die Lage am Ausbildungsmarkt zu beobachten, führen die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm zweimal im Jahr eine Mitgliederbefragung zur Ausbildungssituation durch.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland und Bayern ist branchenübergreifend gesunken, so bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei der Präsentation der Ergebnisse der Sommerumfrage. Darüber hinaus hinterlasse die Konjunktur- und Strukturkrise am Standort am Ausbildungsmarkt deutliche Spuren. Allerdings sei die Ausbildungssituation in Bayern aus Sicht der Jugendlichen aber trotz der spürbar zurückgehenden Ausbildungsplatzangebote weiterhin gut, betonte Brossardt. Auch sei die Lage im Freistaat besser als im Bund. „Aber auch bei uns gilt: Wäre die wirtschaftliche Lage besser, könnten die Unternehmen mehr ausbilden.“

Die Krise trifft nach den Worten des Hauptgeschäftsführers die bayerische Metall- und Elektro-Branche (M+E) als Schlüsselindustrie im Freistaat besonders. Inzwischen bleibe auch der sonst so stabile Ausbildungsmarkt davon nicht mehr verschont. Auch der Bewerbermangel bleibe in der M+E Industrie ein weiterer Grund für den Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Das hohe Niveau aus den Vorjahren könne nicht mehr gehalten werden, aber mit Blick auf 2027 rechnet der M+E Bereich mit einer Stabilisierung. Das liegt laut Brossardt auch am Reformpaket der Bundesregierung. Das Paket setze richtige Impulse und vor allem ein wichtiges Signal: „Es bewegt sich wieder etwas in Deutschland.“

Erleichterungen
im Arbeitsrecht

Als gute Schritte nannte Brossadt die bürokratischen Entlastungen und die Erleichterungen im Arbeitsrecht. Insgesamt hätte er sich für den Arbeitsmarkt aber eine stärkere Flexibilisierung der Arbeitszeit gewünscht. „Was im Reformpaket völlig fehlt, ist eine Senkung der Arbeitskosten – der wesentliche Bestandteil zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.“ Als völlig kontraproduktiv bezeichnete der Hauptgeschäftsführer die Anhebung der Beiträge in den Sozialversicherungen. Das lehne die Branche kategorisch ab. „Hier erwarten wir, dass die schwarz-rote Koalition zeitnah nacharbeitet. Gelingt der wirtschaftliche Umschwung, können wir die Rückkehr auf den Wachstumspfad schaffen. Und damit werden auch die Ausbildungszahlen wieder steigen.“

Die Zahl der abgeschlossenen M+E Ausbildungsverträge in Bayern ist 2026 im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gesunken. Mit 12 004 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen erwartet die bayerische Metall- und Elektroindustrie als Schlüsselbranche in Bayern für den Ausbildungsstart im September einen deutlichen Rückgang um 10,4 Prozent. Damit, so Brossardt, fällt das Minus nach 10,9 Prozent in 2025 das zweite Mal in Folge zweistellig aus. Geschuldet ist das negative Stimmungsbild, wie bereits erwähnt, der anhaltenden Struktur- und Konjunkturkrise. Gleichzeitig würden die Unternehmen aber auch nur schwer qualitativ geeignete Bewerber. Die Prognose für 2027 fällt laut Umfrage trotz der angespannten Lage jedoch etwas optimistischer aus, denn die Betriebe rechnen mit einer Stabilisierung der Ausbildungsverhältnisse.

In Bayern stehen jeder Bewerberin und jedem Bewerber branchenübergreifend etwa 1,4 gemeldete Ausbildungsplätze zur Verfügung, auf Bundesebene sind es nur 1,05 Ausbildungsplätze. Aber auch für Bayern gilt: Wäre die wirtschaftliche Lage besser, würden die Unternehmen insbesondere im M+E Bereich mehr ausbilden. So gibt in der Umfrage mit 32,1 Prozent rund ein Drittel der Unternehmen an, dass sich die wirtschaftliche Lage maßgeblich auf den Rückgang der abgeschlossenen Verträge auswirkt, weitere 35,8 Prozent geben an, bereits über genug personelle Ressourcen zu verfügen.

Attraktive
Vergütung

Neben der wirtschaftlichen Lage bleibt die Suche nach passenden Azubis für die M+E Unternehmen bei der Beset-zung ihrer offenen Ausbildungsplätze mittel- und langfristig eine zentrale Herausforderung. Von den Betrieben, die einen Rückgang verzeichnen, nannte mit 46,9 Prozent weiterhin die Mehrheit das Fehlen geeigneter Bewerber als stärkste Ursache für den Rückgang an abgeschlossenen Verträgen. 25,9 Prozent gaben laut Brossardt an, dass zu wenig Bewerbungen eingingen. „Das Matching zwischen Unternehmen und Azubis bleibt eine Herausforderung.“

Die Übernahmesituation in der bayerischen M+E Industrie ist indes ungeachtet der äußeren Umstände weiter gut. Die Unternehmen planen für das laufende Jahr, fast 90 Prozent der Azubis befristet oder unbefristet zu übernehmen. Erfolgt keine Übernahme, geschieht dies meist auf Wunsch des Azubis. Brossardt rechnet, dass sich für 2027 die Übernahmequote noch einmal auf voraussichtlich knapp 96 Prozent verbessert. „Die Übernahmequote ist kontinuierlich hoch. Das zeigt den Willen der Unternehmen, ihre ausgelernten Azubis langfristig an sich zu binden. Gleichzeitig bemühen sie sich auch weiterhin, die Azubis früh auf sich aufmerksam zu machen und für eine Ausbildung zu begeistern. So geben 89,8 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie ihr Praktikumsangebot auch 2026 stabil halten können.“

Gleichzeitig wies Brossardt darauf hin, dass die Vergütung in der bayerischen M+E Industrie für Jugendliche sehr attraktiv ist. Das Durchschnittsgehalt über alle Ausbildungsjahre hinweg ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt seit dem 1. April 2026 nun bei 1389 Euro.

Langfristig bleibt die Nachwuchsgewinnung für die Unternehmen eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben, betonte Brossardt. „Wir unterstützen sie dabei mit Initiativen wie dem Projekt ‚come with(me)‘ zur praxisnahen Berufsorientierung in enger Kooperation zwischen den Unternehmen, Mittel- sowie Berufsschulen.“ In dem Projekt erhalten Jugendliche spannende Einblicke in die Welt der M+E Industrie und werden dabei von einem Azubi aus dem Unternehmen eng begleitet. Mit bayernweit 166 beteiligten Schulen und 108 Unternehmen ist ‚come with(me)‘ ein Erfolgsmodell, soBrossardt.

„Engagierte junge Köpfe mit Innovationsfreude sind“, so Brossardt, „die wichtigste Ressource, die wir als rohstoffarmer Wirtschaftsstandort haben. Wir müssen alles tun, um sie zu fördern und hier bei uns zu halten.“ (Friedrich H. Hettler)
 

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