Wirtschaft

Rund drei Millionen Kassenbelege sind in Boxen und Säcken bei einer Protestaktion gegen die Kassenbeleg-Pflicht im Handel vor dem Reichstagsgebäude aufgebaut. Der Bayerische Mittelstandsverband (BDS Bayern) fordert die Bon-Pflicht zu kippen. (Foto: dpa/Christoph Soeder)

15.09.2020

Wand der Bürokratie

Bayerische Selbstständige protestieren in Berlin gegen Bonpflicht

Der bayerische Bund der Selbständigen hat in Berlin mit Kisten voller Kassenzettel gegen die seit Jahresbeginn geltende Bonpflicht protestiert. Diese wurde im Kampf gegen den seit Jahren grassierenden Steuerbetrug an Ladenkassen eingeführt. Die Vereinigung baute am Dienstag vor dem Reichstag eine "Wand der Bürokratie" aus Kisten voller Bons auf, wie ein Sprecher sagte. Er geht davon aus, dass sich darin rund 2,5 Millionen Zettel befanden. Die Zahl wurde unter anderem auf Basis des Gewichts geschätzt.

Die seit Januar geltende Bonpflicht ist Teil eines bereits Ende 2016 beschlossenen Gesetzespakets, mit dem Steuerbetrug eingedämmt werden soll. Der Staat verliert hohe Summen, weil Unternehmen ihre Umsätze mit manipulierten Kassen, Schummelsoftware oder fingierten Rechnungen nicht oder falsch erfassen - vor allem in der Gastronomie und in anderen Branchen mit hohem Bargeldanteil.

Die Steuergewerkschaft und einige Bundesländer bezifferten den Schaden in der Vergangenheit auf jährlich etwa zehn Milliarden Euro. In Staaten wie Österreich, Italien, Portugal, Schweden, Slowenien und Tschechien gilt die Bonpflicht laut dem Bundesfinanzministerium schon länger und funktioniere auch. Vor allem Einzelhändler und das Handwerk kritisieren die Regelung aber als bürokratisch.

Die Zettel waren dem Verband zufolge in Geschäften in ganz Bayern gesammelt worden. Der Bund der Selbständigen fordert, die Bonpflicht für Kleinbeträge abzuschaffen.
(Christof Rürmair, dpa)

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