Wirtschaft

Landwirt Gerold Maas (links) zeigte Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die ausgedörrten Böden. (Foto: Schweinfurth)

10.08.2018

Wenn die Dürre die Ernte vernichtet

Bayern hat für betroffene Landwirte jetzt schnelle und unbürokratische Hilfen beschlossen

Staubtrockene Ackerböden, verbranntes Grasland wie in Südspanien und Maispflanzen ohne Kolben, die man zwischen den Fingern zerbröseln kann. So sieht es derzeit auf den Feldern Nordbayerns aus. Ministerpräsident Markus Söder und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (beide CSU) machten sich diese Woche bei Landwirt Gerold Maas im mittelfränkischen Leuzenberg (Landkreis Nürnberger Land) ein Bild von den Folgen der verheerenden Dürre, die Deutschland seit Monaten im Griff hat.

Maas konnte dieses Jahr nur einmal seine Wiesen mähen und den Grünschnitt als Viehfutter verwenden. Normalerweise mäht er sechs bis sieben Mal in einer Saison. Wenn keine Hilfe kommt, wird er wohl seine Tiere zum Schlachten verkaufen müssen.

Preisverfall auf dem Nutztiermarkt

„Die Preise gehen schon in den Keller“, sagte Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Bezahle man normalerweise etwas über 2000 Euro für vier Kälber, so lag deren Preis laut Felßner letztes Wochenende auf einem Viehmarkt in Ansbach bei unter 1000 Euro.

„Vor 50 Jahren hätte diese Dürre zu erheblichen Problemen in der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln geführt“, verdeutlichte Felßner das Ausmaß der Dürre. Dank internationaler Kooperation könne man heute in anderen Regionen der Welt die fehlenden Nahrungsmittel kaufen. Das sei zwar teurer, aber man verhungere zumindest nicht mehr.

„Der Bund und Brüssel wollen abwarten, aber Bayern geht voraus“, sagte Ministerpräsident Söder angesichts der Dramatik auf den Äckern. Es gehe jetzt um schnelle Hilfe, damit die Existenz der betroffenen Betriebe nicht in Gefahr gerät. „Wir wollen die kleinteilige bayerische Landwirtschaft, die für regional erzeugte und damit hochwertige Lebensmittel sorgt, erhalten.“

Landwirtschaftsministerin Kaniber brachte Futtermittelhilfen aus Südbayern ins Spiel. Allerdings müssen sich die Bauern hierfür erst noch besser vernetzen. So einen Futtermittelpool aufzubauen, dürfte wohl sehr sinnvoll sein. Denn Ministerpräsident Söder mahnte: „Das Wetter wird wohl immer stärkere Ausschläge bekommen. Wenn es jetzt nach der langen Trockenphase wieder regnet, besteht die Gefahr von Starkregen, den der Grund nicht aufnehmen kann. Dann wird wertvoller Boden weggeschwemmt.“

Damit die Landwirte genügend Tierfutter haben, hat bereits Bayern vor einigen Tagen landesweit Brachflächen zur Futternutzung freigegeben. Doch das wird wohl nicht reichen.

Bis zu 50.000 Euro pro Betrieb

Darum hat das Kabinett jetzt Hilfen für den notwendigen Zukauf von Futtermitteln beschlossen. „Überall dort, wo erhebliche Ertragseinbußen zu erwarten sind, wollen wir die Mehrkosten für Grundfutter zur Hälfte – maximal bis zu 50 000 Euro pro Betrieb – ausgleichen“, so Landwirtschaftsministerin Kaniber. Um Engpässe beim Tierfutter zu vermeiden, lässt Bayern darüber hinaus ab sofort den Anbau von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen ohne bürokratische Auflagen zu – auch, wenn die dafür notwendige Genehmigung des Bundes noch aussteht.

Die Ministerin kündigte zudem Hilfen für die entstandenen Ernteausfälle an, sobald der Bund endlich Klarheit geschaffen hat. Außerdem setze sich die Staatsregierung für eine staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherung für die Landwirtschaft ein.

Wie wichtig die Landwirtschaft in Bayern ist, erläuterte BBV-Vizepräsident Felßner. Jeder siebte Arbeitsplatz im Freistaat hänge davon ab. „Das geht vom Bauern bis zur Verkäuferin beim Bäcker“, so Felßner. Neben dem Aspekt der Nahrungsmittelversorgung sei die Landwirtschaft auch als Jobmotor systemrelevant. (Ralph Schweinfurth)

Hilfen des Freistaats für dürregeschädigte Landwirte
Um die Futterbeihilfe möglichst rasch und unbürokratisch auszahlen zu können, hat das bayerische Landwirtschaftsministerium pauschal Gebiete festgelegt, in denen im Futterbau ein Ertragsrückgang von mindestens 30 Prozent zu erwarten ist. Das sind derzeit von Norden her alle Landkreise bis einschließlich der Landkreise Dillingen an der Donau, Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm, Freising, Erding, Mühldorf am Inn und Altötting. In diesen Gebieten werden generell sämtliche Futterbaubetriebe als förderfähig anerkannt.

Auch in südlicher gelegenen Landkreisen kann die Futterbeihilfe beantragt werden, wenn ein Ertragsrückgang von mindestens 30 Prozent im Einzelbetrieb nachgewiesen wird.

Der Zuschuss beträgt 50 Prozent des (durch Rechnungen und Zahlungsnachweis belegten) Zukaufs von Grundfutter. Er wird für maximal die Hälfte des betrieblichen Grundfutterbedarfs eines Normaljahres gezahlt.

Die Rechnungen werden ab 1. August anerkannt. Der Zuwendungshöchstbetrag liegt bei 50 000 Euro pro Betrieb. Für alle Antragsteller gilt ein Selbstbehalt von 500 Euro.

Die Antragstellung ist als Online-Verfahren geplant und soll noch im August starten. (BSZ)

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