Wirtschaft

Jonas Maußner, Betriebsleiter am Obstinformationszentrum Fränkische Schweiz, eine Versuchsanlage für den traditionellen Steinobstanbau, kontrolliert einen Kirschbaum unter einer Agri-Photovoltaikanlage. Das Zentrum möchte untersuchen, wie Kirschen unter den Solarmodulen der Anlage gedeihen. Zugleich wird Strom für die Versuchsanlage und deren Lagerungsräume produziert. (Foto: dpa, Daniel Karmann)

05.07.2026

Wenn Drohnen beim Anbau von Kirschen helfen

Der Kirschanbau prägt die Fränkische Schweiz. Und ist für die Anbauer ein aufwendiges Geschäft mit vielen Unabwägbarkeiten. Hilft künftig Stromproduktion der Branche?

Die Kirschernte in der Fränkischen Schweiz läuft - doch zugleich geht auch der Blick in die Zukunft. Denn der Anbau der roten Früchte ist ein heikles Unterfangen: Eine Frostnacht im Frühjahr oder ein Hagelschauer im Juni können die komplette Ernte ruinieren. Dazu kommen Nachwuchssorgen bei den Betrieben, steigender Kostendruck und Konkurrenz aus dem Ausland. Wie die Zukunft des Kirschanbaus aussehen könnte, will man am Obstinformationszentrum des Landkreises Forchheim herausfinden. Und hat jüngst eine Agri-Photovoltaikanlage über den Kirschbäumen errichtet.

Aktuell reicht der Strom der Anlage, um den Energiebedarf der Anlage mit ihren Lehrräumen und Büros zu decken, wie Jonas Maußner sagte, der Chef des Obstinformationszentrums. Auffällig ist die Y-Form der Anlage: Regenwasser fließt in eine Rinne ab und von dort aus in den Wasserspeicher. Mit dem dort gesammelten Wasser werden dann die Bäume bewässert. 

Diese Vorteile bringen die Solarmodule 

Auf vier Metern Höhe sind die Photovoltaikplatten installiert, die Bäume darunter sollen bis zu 3,50 Meter hoch werden. Außerdem werde ein Hitzestau unter der Anlage vermieden, erläuterte Maußner weiter.

Mit der Versuchsanlage wird derzeit getestet, wie viel Prozent Lichtdurchlässigkeit optimal für das Gedeihen der Bäume und Früchte ist. Dazu laufen Messungen direkt an der Pflanze. Vorteile der Anlage: Starkregen oder gar Hagel trifft nicht auf Blätter und Früchte. Auch zu viel Sonnenstrahlung und damit Sonnenbrand auf den Kirschen wird verhindert. Und zugleich wird Strom produziert, ohne Anbauflächen zu versiegeln.

So klappt Bewässerung ohne Trinkwasser

Wegen immer längerer Trockenperioden ist die künstliche Bewässerung der Obstbaumbestände auch ein immer drängenderes Thema, sagte Maußner weiter.

Die moderne Bewässerung der Versuchsanlage bringe gesammeltes Regenwasser direkt zu den Bäumen - so sei es auch in der derzeitigen Trockenphase nicht nötig, auf Trinkwasser zurückzugreifen.

Freilich - ein normaler Betrieb, möglicherweise im Nebenerwerb, stutzt angesichts der Kosten für eine derartige Anlage. "Wir wollen hier zeigen, was technisch möglich ist", sagte Maußner. "Natürlich zeigen wir das Maximum." 

Jeder Betrieb könne sich auf der Versuchsanlage informieren. Dann müsse man sehen, welche Lösung individuell passe. Grundsätzlich, so betonte der Experte, sind Wasserspeicher und Bewässerung "riesige Themen" und damit wichtig für die Zukunft des Kirschanbaus in Franken.

Dass trotz aller Widrigkeiten und Probleme die Kirsche eine Zukunft habe, daran glaube er fest, versicherte Maußner: "Das gehört zu unserer Kulturlandschaft dazu." Der Anbau modernisiere sich zugleich, es gebe Züchtungen mit einem späteren Blühzeitpunkt, damit die Blüten nicht durch Spätfröste zerstört werden.

Wie Drohnen helfen könnten

Ein weiteres Zukunftsszenario ist der verstärkte Einsatz von Drohnen: Mit dem Überfliegen der Bäume könnten etwa Schädlinge früher festgestellt werden - und mögliche Mittel zur Bekämpfung nur punktgenau dort eingesetzt werden, wo sie gerade nötig sind. Auch Fruchtgrößen, Zustand der Blätter und viele weitere Details ließen sich durch Drohnen rasch erfassen. 

Die Fränkische Schweiz ist bekannt für den Anbau von Kirschen: Die Region im Städtedreieck Bayreuth-Nürnberg-Forchheim gilt als eines der größten zusammenhängenden Kirschanbaugebiete in Europa mit rund 250.000 Kirschbäumen auf 25 Quadratkilometern. Ein weiterer Anbauschwerpunkt in Bayern liegt in Unterfranken.
(Kathrin Zeilmann, dpa)

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