Wirtschaft

Reinhard Pfeiffer und Stefan Rummel sorgen dafür, dass die Messe München boomt. (Foto: Messe München)

13.03.2026

Münchner Messechefs: "Kunden lernen uns oft im Ausland kennen"

Reinhard Pfeiffer und Stefan Rummel, die Chefs der Messe München, sprechen über das China-Geschäft, US-Aktivitäten und die weitere Internationalisierung

Von der Messe München profitiert nicht nur die Landeshauptstadt. Ein durchschnittliches Münchner Messejahr sorgt für ein Wirtschaftsplus von 3 Milliarden Euro, ein Mega-Messejahr wie 2025 sogar für 5 Milliarden Euro.

BSZ: Herr Pfeiffer, Herr Rummel, wie wichtig ist die Messe München für die Menschen und die Unternehmen in Bayern und in Deutschland?
Reinhard Pfeiffer: Die Frage lässt sich aus mehreren Perspektiven beantworten. Unser erster Auftrag ist es, die heimische Wirtschaft zu fördern. Wir machen das, indem wir mit unseren Messen, eine Vielzahl davon sind die weltweit führenden ihrer Branche, Plattformen schaffen für Handel, Innovationen und Austausch. Wir besetzen dabei die zentralen Zukunftsthemen und die Mehrzahl unserer Messen findet auch in den wichtigsten Auslandsmärkten der deutschen Wirtschaft statt. Damit stärken wir auch Hunderte bayerische Unternehmen – vom Weltmarktführer bis zum Handwerksbetrieb im ländlichen Raum.
Stefan Rummel: … und Bayern als Tourismusland. Zu unseren Messen nach München kommen jährlich mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher, im vergangenen Mega-Messejahr waren es sogar 2,5 Millionen Gäste. Ein Großteil reist dabei aus dem Ausland an und löst Kaufkrafteffekte in Milliardenhöhe aus. Hotellerie, Gastronomie, Taxiunternehmen und Einzelhandel aus Stadt, Umlandgemeinden und der Region profitieren direkt. Und – wir sind am Standort München ein Arbeitgeber für mehr als 600 Mitarbeitende. Wir verstehen die Messe München also als wichtigen Teil des Ökosystems vor Ort.

BSZ: Welche Märkte können bayerische und deutsche Unternehmen über die Messe München erschließen?
Pfeiffer: Unsere Messen sind internationale Leitmessen für Industrien mit erklärungsbedürftigen, technischen und investitionsintensiven Lösungen. Unsere Schwerpunkte liegen in den Bereichen Investitionsgüter, neue Technologien und Mobilität, darunter fallen vor allem Branchen von Infrastruktur, Logistik, Bau, Maschinen- und Anlagenbau, Mobilität über Halbleiter, Elektrotechnik bis hin zu Life Science und Quantentechnologie.

Internationalisierung ist Wachstumsbeschleuniger

BSZ: Welche neuen Länder stehen für die weitere Internationalisierung der Messe München im Fokus?
Rummel: Die Internationalisierung ist für die Messe München ein Wachstumsbeschleuniger, sie diversifiziert Risiken und stärkt den Messestandort in München. Denn: Kunden lernen unsere Messen oft im Ausland kennen und kommen dann zur jeweiligen Weltleitmesse nach München. Unsere Internationalisierung begann vor mehr als 30 Jahren, mittlerweile hat die Messe München neun Auslandsgesellschaften und organisiert weltweit an über 21 Messestandorten Events und Veranstaltungen. Erst im Januar haben wir in den USA unsere Präsenz ausgebaut und mit der IFAT Saudi Arabia erstmals eine Messe in Saudi-Arabien durchgeführt und bayerischen Unternehmen die Präsenz im Königreich ermöglicht.

BSZ: Sie haben mit Tradeshow Logic in den USA eine neue Tochterunternehmung erworben. Macht es aktuell überhaupt Sinn, den US-amerikanischen Markt zu bearbeiten?
Pfeiffer: Natürlich beobachten wir die geopolitischen Entwicklungen und die wichtigsten Märkte sehr genau. Unsere Wachstumsstrategie ist gleichzeitig aber auch immer eine Diversifikationsstrategie. Die USA sind der weltweit größte Markt für Fachmessen. Viele in den USA ansässige Branchen zeigen eine starke Nachfrage nach hochwertigen Messen und Events. Dieses Potenzial haben wir bereits bei der analytica und transport logistic gesehen – zwei unserer Marken, die wir im US-Markt eingeführt haben. Darüber hinaus ist Nordamerika eine unserer Schlüsselregionen für globale Aussteller und Einkäufer, die auch an unseren Leitmessen in München teilnehmen. Die Stärkung unserer Präsenz in den USA eröffnet daher nicht nur neue Geschäftsmöglichkeiten vor Ort, sondern erhöht zugleich die internationale Relevanz unserer Münchner Veranstaltungen.

BSZ: Mit der IFAT sind Sie in den saudi-arabischen Markt eingetreten. Welche erfolgreichen Münchner Messekonzepte könnte man dort noch ausrollen?
Rummel: Saudi-Arabien zählt zu einem der dynamischsten Wachstumsmärkte im Nahen und Mittleren Osten. Nicht zuletzt durch das ehrgeizige Reformprogramm „Vision 2030“ bieten sich neue Investitions- und Exportchancen für die heimische Wirtschaft und insbesondere den Mittelstand. Die Premiere der IFAT Saudi Arabia hat mit 450 Ausstellern und 20.000 Fachbesuchern eindrucksvoll gezeigt, welches Interesse besteht. Mit der bauma werden wir im April 2027 nach Saudi-Arabien gehen und wir planen in diesem September, auch die transport logistic erstmals in Riad durchzuführen.

"Unser Geschäft in China ist eine Erfolgsgeschichte"

BSZ: 25 Jahre Messe München in China – ist das Geschäft dort schwieriger geworden?
Pfeiffer: Unser Geschäft in China ist eine Erfolgsgeschichte. Neben internationalen Besuchern bieten die Messen dort auch dem großen Binnenmarkt einen wichtigen Treffpunkt. Seit der Gründung unserer Tochtergesellschaft hat sich der Umsatz mit bis zu 128 Millionen Euro im Jahr 2024 zur wichtigsten Auslandseinheit des Unternehmens entwickelt. Wir rechnen auch weiterhin mit einem starken Wachstum, in diesem Jahr finden mit der bauma und productronica China zwei echte Publikumsmagnete statt.

BSZ: Wie wichtig ist das zweite bevölkerungsreichste Land der Erde, also Indien, für die Messe München?
Rummel In Indien ist die Messe München mittlerweile der zweitgrößte Messeveranstalter, Tendenz steigend. Dass wir in einem so kompetitiven Markt die Nummer zwei sind, ist ein Beleg für unsere Skalierungsfähigkeit. Beinahe alle unsere Veranstaltungsmarken finden hier statt und der Umsatz entwickelt sich sehr gut und viele unserer Aussteller finden dort neue Absatzmärkte. Eine Zahl: Seit 2019 haben sich deutsche Exporte nach Indien um rund 40 Prozent gesteigert. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien begrüßen wir daher sehr.

Einer der attraktivsten Messestandorte weltweit

BSZ: Die Messe München eilt von Rekord zu Rekord. Reicht denn das Messegelände in Riem noch aus?
Pfeiffer: München zählt zu den attraktivsten Messestandorten weltweit und das Gelände trägt dazu maßgeblich bei. Gleichzeitig sind seit Eröffnung 1998 fast 30 Jahre vergangen. Wir planen daher weitreichende Modernisierungen und Investitionen, die wir aus eigener Kraft stemmen wollen. Was die Kapazitäten anbelangt, stoßen auch wir bei einer Vollbelegung mitsamt Außenfläche wie beispielsweise einer bauma mit über 600.000 Besuchern an unsere Grenzen. Umso wichtiger ist, dass wir genügend Ausweichflächen für das Parken in der Nähe vorhalten – auch um verkehrliche Einschränkungen für unsere Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten.

BSZ: Wie sieht es mit der verkehrlichen Anbindung des Messegeländes in Riem aus? Ist diese verbesserungswürdig?
Rummel: Mit unserer Lage im Münchner Osten, die eine direkte Anbindung zur Autobahn und zur U-Bahn bietet, sind wir sehr zufrieden. Eine direkte ÖPNV-Anbindung zum Flughafen würde zur weiteren verkehrlichen Entlastung in Spitzenzeiten sowie zur Attraktivität für unsere Besucher und den gesamten Münchner Osten beitragen.

BSZ: Ministerpräsident Markus Söder will das Transportsystem Bögl (TSB), ein abgespeckter Transrapid, in seiner Heimatstadt Nürnberg etablieren. Wäre das auch für die Messe München sinnvoll, wenn damit eine Direktanbindung zum Flughafen geschaffen werden könnte?
Pfeiffer: Grundsätzlich stehen wir allen Ideen offen gegenüber, die eine direkte Verbindung zwischen Messe und Flughafen ermöglichen.

BSZ: Stichwort Umwegrendite: Wie stark profitiert die Metropolregion München beziehungsweise ganz Bayern von der Messe München?
Rummel: Ein durchschnittliches Messejahr sorgt für ein Wirtschaftsplus von 3 Milliarden Euro, ein Mega-Messejahr wie 2025 sogar für 5 Milliarden Euro. 80 Prozent davon entfallen auf München und Bayern. Wir sichern damit Tausende Arbeitsplätze in der Region. Derzeit lassen wir die genauen Kaufkrafteffekte erneut beziffern, die Ergebnisse erwarten wir noch in diesem Frühjahr. Wir gehen auch hier von einem weiteren Anstieg aus.
(Interview: Ralph Schweinfurth)

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