Wissenschaft

Frisch gebackenes Brot gehört wohl zu den Gerüchen, die die meisten Menschen als angenehm empfinden. Das weiß auch Tobias Exner, Bäckermeister und Brot-Sommelier. Doch in Zeiten industrieller Supermarkt-Backware droht dieses Kulturgut verloren zu gehen. (Foto: dpa/Sören Stache)

11.01.2021

Auf der Suche nach verlorenen Düften

Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wollen mit Künstlicher Intelligenz historische Gerüche erkunden und speichern

Frisch gebackenes Brot – also vom Bäcker, nicht aus dem Supermarkt – gehört wohl zu den Gerüchen, die die meisten Menschen als angenehm empfinden. Das weiß auch Tobias Exner, Bäckermeister, Brot-Sommelier und Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in der Stadt Beelitz in Brandenburg (Foto). Doch das Gespür für frisches Brot – und damit für dessen unverwechselbaren Duft – droht in Zeiten von immer mehr industriell gefertigter und konsumierter Nahrung verloren zu gehen. Dabei sind Gerüche und Geschmack doch ein Teil des kulturellen Erbes.

Dieses kulturelle Erbe im wahrsten Sinn des Wortes einzufangen ist das Ziel eines neuen internationalen Forschungsprojekts. Dabei wollen die Wissenschaftler*innen, unter anderem von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), erstmalig künstliche Intelligenz (KI) einsetzen, um die Bedeutung von Düften und Gerüchen zu untersuchen und herauszufinden, wie diese unsere Gesellschaften und Traditionen geprägt haben.

Langfristig geplant ist ein Online-Archiv


„Wir wollen dem Computer beibringen, einen Geruch zu sehen“, erläutert Peter Bell, Professor für digitale Geisteswissenschaften an der FAU. Hierfür sollen historische Literatur und Gemälde unter Verwendung modernster KI-Techniken auf Hinweise mit Blick auf Gerüche wie krankheitsbekämpfende Parfüms, Tabak oder den Gestank der Industrialisierung untersucht werden.

Die Forschenden möchten hierbei maschinelles Lernen und Computervision einsetzen, um Software in der Analyse von duftenden Objekten und Geruchsinformationen in historischen Bildern zu schulen. Das Programm soll eine „Nase“ entwickeln, die in der Lage ist, Düfte und olfaktorische Erfahrungen auch in digitalen Texten über vier Jahrhunderte und sieben Sprachen nachzuvollziehen.

Man werde in die Sammlungen des digitalen Kulturerbes eintauchen, um die wichtigsten Düfte Europas und die Geschichten dahinter zu entdecken und sie uns heute wieder vor Augen zu führen. Langfristig geplant ist auch, ein online zugängliches Archiv der Gerüche zu erstellen sowie eine Reihe von historischen Düften wieder zum Leben zu erwecken. (André Paul)

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