Wissenschaft

Düstere Prognose: Bis zur Mitte des Jahrhunderts soll sich die Zahl der Dementen in der EU auf dann 14 Millionen Menschen nahezu verdoppeln. (Foto: LMU)

31.01.2024

EU-Projekt zur Alzheimer-Früherkennung

An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Münchner entwickelt man eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die Personen mit erhöhtem Demenzrisiko identifizieren soll, bevor sich erste Symptome zeigen.

Im Jahr 2023 leben mehr als 7 Millionen Menschen mit Demenz in der Europäischen Union. Bis 2050 wird sich diese Zahl auf 14 Millionen verdoppeln, was eine enorme Belastung für die Gesundheitssysteme darstellt. Demenz betrifft alle Lebensbereiche der Erkrankten und ihrer Angehörigen. Nur durch eine Erkennung von Risikofaktoren und ersten Anzeichen des kognitiven Abbaus lässt sich eine Verschlechterung verhindern. "Durch neuartige Medikamente wird Alzheimer als häufigste Demenzursache demnächst behandelbar sein, wenn auch nicht heilbar, aber nur bei früher Diagnosestellung“, sagt der Professor Robert Perneczky von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, der das Projekt leitet.

Das Projekt Predictom entwickelt mit Unterstützung der EU Innovative Health Initiative (IHI) eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die Personen mit erhöhtem Demenzrisiko identifizieren soll, bevor sich erste Symptome zeigen. „Das Erkennen früher Anzeichen von Demenz ist der Schlüssel zur Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Leider wird ein Großteil der gefährdeten Personen nicht rechtzeitig identifiziert. Unsere Plattform zielt darauf ab, dies zu ändern, indem sie eine frühzeitige Entdeckung, ein rechtzeitiges Eingreifen und eine vorbeugende Behandlung ermöglicht“, erklärt Perneczky.

 

Untersuchungen teilweise bequem von daheim aus



Mehr als 4000 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Belgien und Spanien werden an Predictom teilnehmen. Die LMU-Psychiatrie wird einen entscheidenden Beitrag leisten zur Durchführung der klinischen Studie im Projekt. Es wird eine eigene prospektive Kohorte aufgebaut werden, mit innovativen Untersuchungen. Dazu gehören auch MRT-Aufnahmen am Institut für Neuroradiologie des LMU Klinikums.

Ein weiterer Aspekt ist, dass ein Großteil der Untersuchungen von den Patient*innen selbst bequem von zu Hause aus durchgeführt werden kann. Das Projekt zielt darauf ab, die Belastung der Gesundheitsdienste und die damit verbundenen Kosten durch die Initiierung des Prozesses zu Hause zu reduzieren. Biomarker, einschließlich Speichel, Stuhl, digitale Marker und Blut, werden bei den Teilnehmern zu Hause oder in Hausarztpraxen gesammelt. Dieses Vorgehen vereinfacht einen Prozess, der traditionell in Krankenhäusern oder spezialisierten medizinischen Zentren durchgeführt wird.

"Das Projekt wird voraussichtlich zu erheblichen Kosten- und Zeiteinsparungen im Gesundheitssystem führen", versichert Robert Perneczky. Die Kombination von KI-gestützten Demenzrisikovorhersagen kann nicht nur für die wirksame Behandlung von Demenz auf nationaler und europäischer Ebene von Vorteil sein, sondern auch dazu beitragen, Screening und Diagnose zugänglicher und auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten zuzuschneiden. (BSZ)

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