Wissenschaft

Münchner Kanalisation: Das Abwasser verrät einiges über die Bevölkerung. (Foto: dpa/Tobias Hase)

21.12.2021

Omikron-Variante im Münchner Abwasser schon länger nachweisbar

Ob Kosmetik, Hormone oder Koks: Was durch unsere Abwasserrohre rauscht, erzählt mehr über uns, als so manchem lieb ist. Für Forscher jedoch ist das in der Pandemie ein enormer Vorteil. Sie sind dem Coronavirus dadurch ziemlich dicht auf den Fersen

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist schon seit zwei Wochen im Münchner Abwasser nachweisbar - und damit wohl verbreiteter als bislang gedacht. Bei der Untersuchung des Abwassers sei die Variante ab dem 7. Dezember nachgewiesen worden, teilte das Münchner Uni-Klinikum am Dienstag als Ergebnis des regelmäßigen Monitorings mit, das seit April 2020 erst ein- und inzwischen zweimal wöchentlich Proben aus der Münchner Kanalisation analysiert.

"Wir konnten in mehreren Proben seit dem 7. Dezember im Münchner Abwasser Genomsequenzen von Omikron nachweisen", erläuterte Projektleiter Andreas Wieser vom Tropeninstitut am LMU Klinikum München. "Dies spricht dafür, dass diese Variante schon in der Kalenderwoche 49 den Übersprung in die Münchner Bevölkerung geschafft hat." Die Verbreitung der Variante war damit wohl damals schon größer als bislang angenommen.

"Omikron kommt leider auch bei uns an. Wir müssen nun trotz leicht sinkender Inzidenzwerte in Bayern weiterhin vorsichtig und umsichtig sein, denn noch wissen wir nicht viel über die Gefahr der neuen Variante", kommentierte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU). "Fakt ist: Die Booster-Impfung, Abstand halten, Maske tragen und die Vermeidung unnötiger Kontakte helfen dabei, Omikron zu bremsen."

Spuren der Omikron-Variante in fünf von sechs Proben

Bei den jüngsten Ergebnissen, die am Montag vorlagen, waren Abwasserproben aus vier Standorten in München und aus einer Kläranlage bis zum 10. Dezember analysiert worden. Die Forschenden stellten Spuren der Omikron-Variante in fünf von sechs Proben fest. Die Sequenzen von Stämmen der Delta-Variante waren aber weiterhin dominierend. In den zuvor analysierten Proben bis zum 3. Dezember gab es noch keine Hinweise auf Omikron.

Das bereits zu Beginn der Pandemie begonnene Abwasser-Monitoring in München ist eine der ersten und längsten Untersuchungen zur Nachverfolgung der Viruslast im Abwasser weltweit. Hintergrund: Zwischen dem Anstieg der Neuinfektionen und den offiziellen Meldezahlen vergehen oft etliche Tage, so dass sich die Dynamik der Pandemie und die Ausbreitung neuer Varianten schneller und effektiver über die Abwasseranalysen erkennen lassen.
(dpa)

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