Wenn Bauleistungen immer nur in Teillosen vergeben werden, wird es schwierig, schneller zu bauen. Das zeigte sich ganz deutlich diesen Montag bei der Veranstaltung „Serielles und modulares Bauen“ im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München. Die Kooperationsveranstaltung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) mit dem Bayerischen Bauindustrieverband (BBIV) moderierte BSZ-Chefredakteur Ralph Schweinfurth.
Zwar eröffnet Paragraf 97 Abs. 4 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) die Möglichkeit einer Gesamtvergabe, also die Zusammenfassung aller Lose. Doch das ist nur zulässig, wenn wirtschaftliche oder technische Gründe dies zwingend fordern, beziehungsweise wenn besondere zeitliche Erfordernisse vorliegen. Mit der Vorschrift, in Teillosen zu vergben, will der Gesetzgeber den Mittelstand schützen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollen so die Chance erhalten, sich auf Teile von großen Aufträgen zu bewerben.
Angesichts der enormen Bauaufgaben in Bayern und Deutschland hat vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die Vorteile seriellen und modularen Bauens unterstrichen: „Nicht nur zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum ist der Einsatz von industriellen Verfahren sinnvoll und effizient.“ Auch im Straßenbau oder beim Bau von Schienenwegen, Brücken und Kasernen lasse sich mit einer standardisierten Bauweise schneller, kostengünstiger und ressourcenschonender bauen, sanieren und instand halten.
Schnelle und effiziente Prozesse nötig
„Sowohl beim Wohnen als auch beim staatlichen Bauen und der Verkehrsinfrastruktur sind wir wie selten zuvor auf schnelle und effiziente Prozesse angewiesen“, sagte Bayerns Bauminister Christian Bernreiter (CSU). Serielle und modulare Bauweisen könnten hier einen wertvollen Beitrag leisten. Gemeinsam mit der bayerischen Baubranche gehe man diesen Weg. Serielle und modulare Bauweisen verkürzen dem Minister zufolge Bauzeiten, senken Kosten und nutzen Ressourcen nachhaltiger.
In Summe werde so auch die heimische Bauwirtschaft wettbewerbsfähiger und schaffe gleichzeitig die Grundlage für innovative Produkte und zukunftsfähige Prozesse. „Als Freistaat haben wir hier eine Doppelrolle: Als Gesetzgeber schaffen wir verlässliche Rahmenbedingungen – als Auftraggeber und Bauherr setzen wir sie gemeinsam mit unseren Partnern in der Bauwirtschaft in die Praxis um“, so Bernreiter.
BBIV-Hauptgeschäftsführer Thomas Schmid erklärte, dass der überwiegende Teil der von der heutigen Bauwirtschaft erstellten Gebäude nach wie vor Unikate sind. Sie seien individuell entworfen und gebaut von Hand wie vor 50 Jahren, was der aktuellen Situation von Wohnungsmarkt und Verkehrsinfrastruktur nicht mehr gerecht werde. „Mit modularen und seriellen Bausystemen stellt die Bauindustrie eine umfassende Toolbox zur Verfügung, mit der Kosten und Bauzeit sowohl im Wohnungs- als auch im Verkehrswegebau wirksam reduziert werden können, und das mit einer deutlichen Verbesserung der Ausführungsqualität“, so Schmid.
Bis zu 75 Prozent schneller Bauen
„Wir können mit industriellen Verfahren bis zu 75 Prozent schneller Bauen“, verdeutlichte Markus Richthammer, Vorstand Industrie bei der Firmengruppe Max Bögl. Das international tätige Bauunternehmen mit Sitz in Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz erwirtschaftet mit weltweit 40 Standorten einen Jahresumsatz von über 3 Milliarden Euro. Bögl produziere viele Bauteile in seinen Werken vor und endmontiere diese auf den jeweiligen Baustellen. Jüngstes Beispiel sei eine modulare Brücke.
„Wenn wir eine kleinere Brücke über einen Bach ersetzen müssen, wie jetzt kürzlich an der Autobahn A 8 bei Rohrdorf, dauert das gewöhnlich ein halbes Jahr. Durch den Einsatz der neuen Modulbrücke konnten wir nach drei Wochen die Fahrbahn wieder freigeben“, erläuterte Michael Kordon, Direktor der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes, die Vorteile der bauindustriellen Innovation aus Sengenthal.
Um allerdings die Potenziale seriellen und modularen Bauens auch wirklich breit nutzen zu können, fordert die vbw Anpassungen der Rahmenbedingungen für Bauprojekte insgesamt. „Wir brauchen mehr Mut, Tempo und Pragmatismus beim Bauen. Auf der Bundesebene muss jetzt endlich der Gebäudetyp E kommen. Dieser verzichtet auf nicht unbedingt notwendige Standards, ohne dass Qualität und Sicherheit der Gebäude beeinträchtigt werden. Erleichterungen im Vergaberecht sowie die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sind weitere wichtige Schritte. Vor allem aber müssen staatliche Vorgaben immer auch die Wirtschaftlichkeit mit im Blick haben und grundsätzlich technologieoffen ausgerichtet sein“, erklärte vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt.
Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass angesichts des hohen Baubedarfs und des daraus resultierenden enormen Marktvolumens auch mittlere und kleine Bauunternehmen von neuen Verfahren profitieren werden. „Allein schon für die Gewährleistung brauchen wir das Baugewerbe“, verdeutlichte Bögl-Industrievorstand Markus Richthammer.
(rs)
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