Bauen

Die Wohnung fit fürs Alter machen: Rechtzeitig umbauen, um später zu Hause auch noch mit dem Rollstuhl klarzukommen, raten Experten. (Foto: Tobias Seifert)

26.06.2026

„Alterstauglichkeit“ der Wohnungen

Das Top-Kriterium fürs Wohnen im Alter: gut begehbare Duschen

Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: Von den gut 846.400 Wohnungen in München sind nur rund 56.600 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. „Damit bieten nur rund 7 Prozent aller Wohnungen in München den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther. Er ist Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.

Im Fokus der Untersuchung: die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. „Gerade die ist auch für München wichtig: Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 184.300 Menschen in Rente – die Baby-Boomer nämlich“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen in München zu sorgen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Metzger.

Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben“, sagt Metzger.

Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“

Doch das Problem fängt häufig schon ganz vorne an – beim Eingang: „26 Prozent aller Hausflure in München sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 250.700 Wohnungen“, erklärt Matthias Günther. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.

Entscheidend wird es, so das Pestel-Institut, dann aber in den Wohnungen – vor allem in der Küche und im Bad: „Immerhin haben zwar 69 Prozent der Wohnungen in München eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 263.700 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, so Günther. Bei den Bädern in München seien 388.100 und damit 46 Prozent zu klein.

Der wichtigste Punkt beim Badezimmer sei allerdings nicht unbedingt dessen Größe, sondern eine begehbare, also bodengleiche Dusche: „Die gibt es aktuell nur in rund 181.500 Wohnungen in München“, so der Wissenschaftler. Damit erfüllten lediglich 21 Prozent der Wohnungen „das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“, betont Günther.

Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen.“

Grundsätzlich habe München einen „enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“, so der Leiter des Pestel-Instituts. Genau hier sieht auch die Präsidentin des Deutschen Baustoff-Fachhandels ein Problem: „In den nächsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den München in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm. Neubau kann da zwar helfen. Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen.“

Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Daher sei jetzt eine „Senioren-Umbau-Offensive“ dringend notwendig. „Das bedeutet: volle Kraft für den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer in München brauchen dafür allerdings Rückenwind aus Berlin: ‚Boomer-Zuschüsse‘, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen“, so Katharina Metzger.

Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut fordern dazu, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten übernehmen – und zwar als Zuschuss. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Institutsleiter Günther.

Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel erteilt dem „bestehenden Mix aus Fördertöpfen“ für den altersgerechten Umbau eine klare Absage: „Die staatliche Förderbank KfW, die Krankenkassen, die Pflegeversicherung – durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande“, kritisiert Verbandspräsidentin Metzger. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen endlich zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und dafür einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitstellen. (BSZ)

 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, sagt über die Deutschen: "Unser Mindset hat sich nicht weiterentwickelt – es ist in einer Art Biedermeier-Modus stehen geblieben."

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Passwort vergessen?

Geben Sie Ihren Benutzernamen oder Ihre E-Mail ein um Ihr Passwort zurückzusetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: vertrieb(at)bsz.de

Zurück zum Anmeldeformular 

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.