Ausgangspunkt der jüngsten Innenrestaurierung der Pfarrkirche St. Emmeram zu Kleinhelfendorf war die außerordentlich starke Verschmutzung des Innenraums, wesentlich befördert durch das ungünstige Raumklima. Eine nachhaltige Stabilisierung und Optimierung durch bauphysikalisch wirksame Maßnahmen (Temperierung, kontrollierte Lüftung), die einhergingen mit der notwendigen Ertüchtigung der technischen Infrastruktur, war hier dringend geboten. Darüber hinaus bedurfte es einer Verbesserung der räumlichen Kapazitäten, allen voran die Einrichtung einer Ministrantensakristei und einer Schatzkammer.
Herausfordernd stellte sich der Umgang mit dem ästhetischen Erscheinungsbild des hochwertigen Innenraums dar. Die einheitliche, frühbarocke Raumgestalt von Architektur, Raumschale und Ausstattung legte zunächst eine Wiederherstellung der bauzeitlichen Fassung des 17. Jahrhunderts nahe. Bei der Renovierung von 1907 war fälschlich die polychrome Zweitfassung von 1783 als Erstfassung identifiziert und rekonstruiert worden.
Nur gereinigt
Bereits bei der letzten Innenrenovierung 1961 hatte das Landesamt für Denkmalpflege für eine entsprechende Neufassung nach Befund mit ausdrücklichem Verzicht auf die für das 17. jahrhundert untypische Polychromie plädiert. Dennoch wurde die Raumschale, ähnlich wie die Altarausstattung, seinerzeit nur gereinigt und partiell überarbeitet, sodass die Fassungsredaktion von 1907 unverändert bestehen blieb.
Eine Rekonstruktion der Erstfassung des 17. Jahrhunderts wäre aber zwangsläufig mit einer überaus aufwendigen Freilegung und Überarbeitung des Stuckdekors verbunden gewesen, um die ursprüngliche und für das Erscheinungsbild wesentliche, plastische Schärfe und Prägnanz wiederzugewinnen. Da auch die farbliche Fassung der Altarausstattung von 1907 sich zwar an der Erstfassung des 17. Jahrhunderts orientierte, aber in beträchtlichem Maße neu interpretierte (zum Beispiel die Maserierung), hätte eine Neufassung des Stucks konsequenterweise auch eine Neufassung der Ausstattung nach sich ziehen müssen, wofür aber aus konservatorischen Gründen keinerlei Notwendigkeit bestand.
Vor diem Hintergrund sowie mit Blick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurde – letztlich wie 1961 – bei Raumschale und Ausstattung ein weitgehend konservierender Ansatz im Sinne einer erweiterten Pflegemaßnahme verfolgt.
Die hohe Qualität des Interieurs sowie die pastorale Bedeutung als Pfarrkirche verlangten jedoch umso mehr nach einer grundlegenden Neuordnung der liturgischen Handlungszonen sowie einer adäquaten, künstlerischen Gestaltung der zugehörigen liturgischen Ausstattungsstücke, welche bislang nur sehr unzureichend gegeben war.
Maßnahmen zur baulichen Instandsetzung:
Unter anderem erfolgte die Erneuerung der Treppe zur oberen Sakristei und die Abfangung des Gewölbeschubs. Ertüchtigung der Emporen, der Sakristeidecke und des Turmaufstiegs. Erneuerung der Haustechnik (Elektroinstallation, Beleuchtung, Lautsprecheranlage, Blitzschutz). Einbau einer Bauteiltemperierung im Erdgeschoss und Erneuerung der elektrischen Sitzbankheizung. Einbau einer geregelten Lüftungsanlage sowie einer Alarmsicherung. Restaurierung und teilweise Neuverlegung des Bodenbelags sowie Erneuerung der Unterbauten von Laien- und Chorgestühl.
Restaurierung der Raumschale:
Unter anderem Entsalzung und Entfeuchtung der Sockelzone sowie Erneuerung des Sockelputzes. Schließung und Verpressung von Rissen, Festigung gelockerter Stuckelemente und Hinterfüllung hohl liegender Putze. Oberflächenreinigung (trocken und feucht) sowie Glättung rauher Wandflächen mittels Schleifvlies.
Restaurierung der Altarausstattung:
Oberflächenreinigung (trocken und feucht), Holzfestigung und bildhauerische Ergänzungen sowie Konsolidierung der Befestigungen und Montierungen. Entfernung elektrische Installationen, Festigung loser und gelockerter Fassungspartien sowie Kittung von Fehlstellen und Retusche. Behutsamer Glanzausgleich an den Fassungen und Auftrag mit Dammarfirnis sowie Abnahme verbräunter Firnisschichten an den Gemälden.
Verbesserte Lüftung
Restaurierung der holzsichtigen Ausstattung:
Unter anderem Entfernung der neuzeitlichen Wandvertäfelung von 1961 und Ersatz durch neue wandseitige Gestühlswangen zur verbesserten Hinterlüftung. Ertüchtigung der Konstruktion und Standsicherheit – Erneuerung durchgefaulter Konstruktionshölzer. Festigung und Leimung von gelösten Bauteilen, Ornamenten und Profilen sowie Aufwertung der eichenen Oberflächen durch Auftrag von Halböl mit Kolophoniumlack. Darüber hinaus Ergänzung fehlender Bau- und Zierelemente.
Die Pfarrkirche St. Emmeram ist dank ihrer außerordentlichen künstlerischen Qualität eines der bedeutendsten Zeugnisse frühbarocker Raumkunst in Altbayern. (Alexander Heisig)
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