Bauen

Der historische Bau von Südwesten aus gesehen. (Foto: Christian Kopf)

03.04.2020

Denkmalgeschützter Hochschulstandort

Die Klosterburg Kastl – ein dritter Standort für den Fachbereich Polizei der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern

Der Freistaat sichert zukunftsgerichtet die Erhaltung eines geschichtlich und kulturell bedeutenden Baudenkmals, die der Klosterburg Kastl. Nach termingerechter Schlüsselübergabe des ersten Bauabschnitts beziehen Studierende der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern, Fachbereich Polizei, historisch-moderne Räume.

Folgt man dem Weg der Bundesstraße 299 von Amberg nach Neumarkt in der Oberpfalz, so gelangt man auf halber Strecke in die Marktgemeinde Kastl im Lauterachtal. Von nahezu jedem Punkt des Ortgebiets aus kann man auf das hoch aufragende und geschichtlich bedeutsame Wahrzeichen der 2500-Seelen-Gemeinde blicken: Die Klosterburg Kastl.

Seit 2006 konnte sie keiner dauerhaften Nutzung mehr zugeführt werden, am 5. Februar 2020 aber begann sich das ehemalige Benediktinerkloster wieder mit neuem Leben zu füllen. Nach nur zwei Jahren Bauzeit überreichte das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach den symbolischen Schlüssel für den ersten Bauabschnitt an den Hausherrn, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU), der diesen an den neuen Nutzer, die Hochschule für den Öffentlichen Dienst in Bayern (HföD) – Fachbereich Polizei, weitergab.

Platz für 60 Studierende

Nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts bewohnen jetzt 60 Studierende des Fachbereichs Polizei das nun fertiggestellte Unterkunftsgebäude. Voraussichtlich im Sommer 2023 wird die Gesamtanlage des dann dritten Standorts des Fachbereichs Polizei der HföD in Bayern als moderner Studienort in Betrieb gehen.

Wo seit dem 10. Jahrhundert eine Burg stand, stiftete im Jahr 1103 an gleicher Stelle Graf Berengar von Sulzbach die erste Benediktinerabtei des Nordgaus. Die Anlage spielte im Reich bald eine große Rolle, mit der Reformation wurde das Kloster 1556 aber wieder aufgelöst. Im Zuge der Rekatholisierung erhielt zunächst der Jesuitenorden, später der Malteserorden die Klosterburg. Infolge der Säkularisation gingen die Gebäude 1808 in das Eigentum des Königreichs Bayern über. Nach verschiedensten staatlichen Nutzungen – unter anderem als Landgericht oder Rentamt – und nach den Weltkriegen als Notunterkunft für Heimatvertriebene, fand 1956 nach der Revolution in Ungarn in der Klosterburg das Ungarische Gymnasium ein neues Zuhause. 2006 wurde der Schulbetrieb eingestellt, seitdem wartet der umfangreiche Gebäudekomplex auf einen Neubeginn.

Zu der Anlage auf dem Klosterberg gehören neben der Pfarrkirche St. Peter die drei Klosterflügel des Hauptgebäudes, welche zusammen mit den Apsiden der Kirche einen Hof mit ehemaligem Kreuzgang bilden und über den mittelalterlichen Grundmauern der Burg errichtet wurden. Im westlichen Teil der Anlage befindet sich das nun in Betrieb gegangene Unterkunftsgebäude, das als frühgotischer, eingeschossiger Kastenbau errichtet und Mitte der 1960er-Jahre aufgestockt wurde. Nach Nordosten schließt der Gebäudekomplex mit einem Lehrsaalgebäude aus den 1980er-Jahren ab.

Die jahrtausendlange Geschichte und die unzähligen Bestimmungen der altehrwürdigen Anlage zeigen, wie groß die Verpflichtung des Freistaats Bayern ist, den Erhalt und das Fortleben dieses historischen Schatzes zu sichern, um so gleichsam auch seiner baukulturellen Vorbildfunktion nachzukommen.

Wie aber macht man eine denkmalgeschützte Gesamtanlage zukunftsfähig und schafft gleichzeitig einen Mehrwert für die Region? Das Bayerische Denkmalschutzgesetz gibt hier die Hinweise: Neben einer „sachgemäßen Instandhaltung, Instandsetzung und dem Schutz vor Gefährdung“ sichert das Fortleben eines Baudenkmals insbesondere die Implementierung „einer der ursprünglichen gleichen oder gleichwertigen Nutzung“.

Daher war es ein Glücksfall, dass der damalige Finanzminister Markus Söder (CSU) im Herbst 2016 verkündete, dass für den Fachbereich Polizei der HföD ein neuer Standort auf der Klosterburg geschaffen werden soll. Denn damit war eine Nutzung gefunden, die den vorhergehenden sehr ähnlich ist: Schon Mönche arbeiteten und studierten hier im Kapitelsaal, speisten zusammen im Refektorium, wohnten innerhalb der Klostermauern. Studierende werden ihnen dies in Zukunft auf sehr ähnliche Weise, dann in modern und denkmalgerecht sanierten Gebäuden, gleichtun.

Sensibler Planungsprozess

Doch von der ersten Idee bis zur Nutzungsaufnahme eröffnete sich für die Staatsbauverwaltung ein anspruchsvoller, zeitintensiver und sensibler Planungs- und Bauprozess. Nicht nur im nun bezogenen Unterkunftsgebäude war mit schlechter Bausubstanz aus den 1960er-Jahren, der Umbauzeit durch das Ungarische Gymnasium, umzugehen. Insbesondere die Bestandsdecken waren von minderer Betongüte und nicht mehr statisch und brandschutztechnisch wirksam, weswegen eine umfassende Betondeckensanierung erforderlich wurde.

Bewältigt wurde auch ein umfangreiches Schadstoffaufkommen im Zuge der Abbruch- und Rohbauarbeiten, insbesondere im Hauptgebäude. Substanzen wie Asbest, künstliche Mineralfasern, bitumenhaltige Installationsrohre oder auch Hausschwammbefall an den Sparrenfüßen des Dachstuhls sind nur einige Beispiele. Der abgesackte Dachstuhl des Hauptgebäudes wurde nicht nur in seinen schadhaften Holzbalken saniert, sondern musste aufgrund der erheblichen statischen Mängel zimmermannsmäßig um bis zu 20 Zentimeter in seine alte Lage angehoben werden. Die Schadstoffsanierung der Holzkonstruktion erfolgte mit einem Trockeneisstrahlverfahren.

Nicht zuletzt stieß man bei der Absenkung eines bestehenden Bodenniveaus zur Schaffung der Barrierefreiheit zwischen den Gebäuden auf umfangreiche archäologische Funde aus der Zeit der Burgenanlage.
Nachdem in der ersten Bauphase alle statischen und materiellen Schwachstellen sowie alle Schadstoffe beseitigt und sämtliche archäologischen Funde gesichert waren, konnte man in schnellen Schritten mit allen Gewerken des Innenausbaus und der Installation den Abschluss des ersten Bauabschnitts, die Fertigstellung des Unterkunftsgebäudes, anstreben.

Dabei wurde und wird deutlich, wie wichtig das tägliche Engagement der Planer, Bauleiter und Handwerker, Vertreter von Nutzern und Fachbehörden ist, um den täglichen Herausforderungen beim Bauen im historischen Kontext gerecht zu werden.

Der neu etablierte Studienort schafft vielleicht sogar mehr, als so manch anderes Hochbauprojekt: Durch die Reaktivierung der Klosterburg erhält die für die Region bedeutsame, kulturelle Stätte ab 2023 endgültig eine lebendige Zukunft mit einem jungen Nutzerklientel und einer hohen Ausbildungsqualität für die Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern. (Eva Maria Schiederer)

(Der Gemeinschatsraum im Untergeschoss und der Eingang sowie das Treppenhaus im Erdgeschoss - Fotos: Thomas Geiger)

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