Bis zum Neubau des Kombibades hatte Memmingen zwei öffentliche Bäder, die jedoch einen erheblichen Sanierungsbedarf aufwiesen. Gegenstand des Realisierungswettbewerbs war die Planung eines modernen Bade- und Freizeitstandorts mit neuen Beckenanlagen, Hallenbad, Freiflächen sowie den dazugehörigen Erschließungs- und Aufenthaltsbereichen. Sämtliche bestehenden Gebäude und Schwimmbecken wurden zurückgebaut.
Besondere Bedeutung kam der sensiblen Einbindung des Neubaus in die bestehende Umgebung zu. Der vorhandene Baumbestand sowie die durch das Grundstück verlaufende Memminger Ach sollten möglichst erhalten und gestalterisch integriert werden. Gefordert wurde ein wirtschaftliches, nachhaltiges und energieeffizientes Gesamtkonzept mit hoher Aufenthaltsqualität. Neben funktionalen Anforderungen wie getrennten Zugängen für Hallen- und Freibadbetrieb, ausreichenden Stellplätzen und barrierefreier Erschließung sollten insbesondere energie- und wassersparende Maßnahmen berücksichtigt werden. Ziel des Wettbewerbs war die Entwicklung eines architektonisch, funktional und freiraumplanerisch überzeugenden Gesamtkonzepts für ein zukunftsfähiges Hallen- und Freibad.
Der Entwurf für das Schwimmwerk ist aus dem Architektenwettbewerb im Jahr 2008 entstanden. Als Sieger war damals das Büro Asböck Architekten mit Landschaftsarchitekt W. Wagenhäuser hervorgegangen. Die Architektur des Schwimmwerks zeichnet sich durch eine bewusste Reduktion auf wenige, hochwertige und langlebige Materialien aus.
Prägend für das Gebäude sind insbesondere die markanten Holztragwerke mit ihren dynamisch geformten Trägern und den charakteristischen V-Stützen, die Konstruktion und Architektur miteinander verbinden und dem Innenraum eine warme und zugleich moderne Atmosphäre verleihen. Großflächige Glasfassaden schaffen helle, offene Räume und stellen einen engen Bezug zwischen Innen- und Außenbereich her. Gleichzeitig ermöglichen sie vielfältige Sichtbeziehungen zu den Freibereichen und den angrenzenden Grünflächen.
Wärmepumpentechnik und Photovoltaik
Ergänzt wird die Materialwahl durch klare, robuste Oberflächen sowie eine reduzierte Farb- und Formensprache im Sinne der klassischen Moderne. Kontraste zwischen warmen und kühlen Materialien, offenen und geschützten Bereichen sowie Licht und Schatten prägen die räumliche Wirkung des Gebäudes und unterstützen die Orientierung innerhalb der Anlage.
Das sportorientierte Kombibad besteht aus einem Hallen- und Freibad. Die gesamte Wasserfläche des Kombibads beträgt 2233 Quadratmeter. Die Wasserfläche im Hallenbad beträgt 804 Quadratmeter und damit fast doppelt so viel wie die des früheren Hallenbads. Die Wasserfläche des Freibades beläuft sich auf 1429 Quadratmeter.
Im Hallenbad sind ein 25-Meter-Becken mit acht Bahnen, ein 3-Meter- und ein 1-Meter-Sprungbrett, ein Lehrschwimmbecken, ein Kursbecken mit Hubboden sowie ein Kleinkinderbecken untergebracht. Das Schwimmerbecken innen ist auf die Wettkampfkategorie B ausgelegt. Attraktionen wie Nackenduschen und Massagedüsen sind im Lehrschwimmbecken, eine Aquacross und die Vorrüstung einer Waterclimbing Anlage sind im Schwimmerbecken ausgeführt. Eine Dampfsauna und eine Ruhelounge sorgen dafür, dass neben dem Sport der Spaß und die Erholung nicht zu kurz kommen.
Im Bereich des Freibads entstand ein Becken mit sechs 50-Meter-Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken mit Rutsche, Strömungskanal, Boden- und Massagedüsen sowie ein Kleinkinderbecken mit verschiedenen Spritztieren. Im Freibadbereich erwarten den Besucher neben einem großzügigen Kioskbereich verschiedene Freizeitfelder auf denen Beach Volleyball, Boccia und Tischtennis gespielt werden können sowie ein großer Sandspielplatz aus naturnahen Materialien.
Das Passivhauskonzept des Projekts verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem der gesamte Energieverbrauch des Gebäudes betrachtet und optimiert wird. Durch die Investition in hochwertige Komponenten sowie moderne Regelungs- und Steuerungstechnik können die Energiekosten des Gebäudebetriebs langfristig deutlich reduziert werden. Gerade bei Hallenbädern mit ihrem hohen Energiebedarf wirkt sich dies dauerhaft positiv auf die Betriebskosten aus. Damit setzt das Schwimmwerk neue Maßstäbe für energieeffiziente Hallenbäder. Als Passivhaus-Hallenbad kombiniert es eine hochgedämmte, nahezu luftdichte Gebäudehülle mit modernster Technik und intelligenter Lüftungsführung. Dadurch können der Wärmebedarf um rund 70 Prozent und der Strombedarf um etwa 30 Prozent gegenüber konventionellen Hallenbädern reduziert werden.
Zum nachhaltigen Energiekonzept gehören eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, eine großflächige Photovoltaikanlage sowie mehrere Wärmerückgewinnungssysteme, die Energie aus Duschwasser und Filterspülwasser erneut nutzbar machen. Auch die kontrollierte Schichtlüftung trägt wesentlich zur Energieeinsparung und zu einem angenehmen Raumklima bei.
Mit seiner Passivhauszertifizierung, dem Einsatz nachhaltiger Materialien wie Holz und einem konsequenten Monitoring im Betrieb steht das Schwimmwerk beispielhaft für klimafreundliche, wirtschaftliche und zukunftsfähige öffentliche Infrastruktur. Es wurden nachhaltige Architektur und moderne Technik konsequent gemeinsam gedacht – immer mit dem Ziel, dauerhaft niedrige Betriebskosten zu erreichen und gleichzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen sicherzustellen.
Eine besondere Herausforderung für alle Planer und ausführenden Gewerke bestand darin, dass das Kombibad, wie bereits erwähnt, in Passivhausbauweise errichtet wurde. Sämtliche Anschlüsse und eingesetzten Bauteile mussten daher durch die Bauphysik hinsichtlich ihrer Passivhaustauglichkeit geprüft und freigegeben werden. Ferner musste im fortgeschrittenen Planungsprozess aufgrund der angespannten Lage auf dem Gasmarkt das ursprünglich vorgesehene Energiekonzept mit Biogas überarbeitet werden. Die Wärmeversorgung des Bades erfolgt nun über die Nutzung von Grundwasser mittels Wärmepumpentechnik. Auf diese Weise können rund 78 Prozent des Wärmebedarfs CO2-neutral und ohne den Einsatz fossiler Energieträger gedeckt werden. Ein wesentlicher Anteil des für den Betrieb benötigten Stroms wird zudem durch die großflächige Photovoltaikanlage auf den Dachflächen des Kombibads erzeugt.
Die Baukosten für das Schwimmwerk Memmingen liegen bei rund 47,7 Millionen Euro bei einer Förderung durch die Regierung von Schwaben in Höhe von 3,7 Millionen Euro sowie 500 000 Euro aus dem KfW-Programm.
Das schulaufsichtlich genehmigte Raumprogramm der Regierung von Schwaben umfasst das Raumprogramm einer Dreifachübungsstätte für Hallenbäder. Es dient in erster Linie dem Schul-, Vereins- und Breitensport und wird auf einen wirtschaftlichen sowie funktionalen Badebetrieb ausgelegt. Im Mittelpunkt stehen dabei ein wettkampftaugliches Schwimmbecken mit mehreren Bahnen, ergänzende Lehr- und Nichtschwimmerbereiche sowie den notwendigen Umkleidebereichen mit mindestens vier Sammelumkleiden, drei Sammelduschen, Einzelumkleiden, ein bis zwei barrierefreien Umkleiden sowie den dazugehörenden Technik -und Nebenräumen. (BSZ)
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