Bauen

Die notwendige Instandsetzung der Kirche wurde 2015 eingeleitet. (Foto: Bürgerspitalstiftung Bamberg, Lara Müller)

27.05.2026

Ein Wahrzeichen mit vielen Problemen

Die Klosteranlage Michaelsberg in Bamberg ist nach der Generalsanierung wiedereröffnet

Am Samstag, dem 25. April, wurde die ehemalige Abteikirche St. Michael in Bamberg nach fast 14 Jahren feierlich wiedereröffnet. Die Kirche zählt zu den historisch und kunsthistorisch bedeutendsten Monumenten Bambergs und ist Teil des Unesco-Welterbes der oberfränkischen Bischofsstadt. Sie diente als Gotteshaus des gleichnamigen Benediktinerklosters, das auf eine Gründung im Jahr 1015 zurückgeht. Im Zuge der Säkularisation wurde die Anlage zur Altenheimnutzung an die Bürgerspitalstiftung Bamberg übertragen, die unter städtischer Verwaltung steht. In der katholischen Kirche St. Michael können nun wieder Gottesdienste stattfinden.

Im Jahr 2012 stand St. Michael vor einer enormen Herausforderung: In der Nacht vom 6./7. November löste sich ein rund 2 Kilogramm schwerer Putzbrocken aus einem Fensterscheitel und stürzte zu Boden. Es war zugleich „Warnschuss“ und Auftakt von einer der größten Restaurierungskampagnen in der Geschichte des Bauwerks. Über zwei Jahre wurden die Ursachen für den Absturz ermittelt, wobei sich eine enorme Schadensvielfalt offenbarte – auseinanderdriftende Kirchenwände, Risse im Mauerwerk, marode Hölzer im Dach und absackende Gewölbe. Barocke „Bausünden“ beeinträchtigten das statische Gefüge ebenso wie die Gründung der Kirche auf einer instabilen Geologie.

Die notwendige Instandsetzung der Kirche wurde 2015 eingeleitet und erfolgte in sechs Bauabschnitten. Zuerst wurde St. Michael notgesichert: Ein „Korsett“ aus Stahl verlief entlang der Kirchenwände, um die instabile Gebäudehülle zusammenzuspannen und ihre statische Sicherung zu ermöglichen.

Von 2016 bis 2019 wurden die Gewölbe- und Wandbereiche stabilisiert, das Mauerwerk und die Fundamente ertüchtigt und sämtliche Dachkonstruktionen überarbeitet. Ein nachjustierbares Zusatztragwerk im Dach – unsichtbar aus dem Kirchenraum – unterstützt die bestehende Holzkonstruktion. Für die besonderen Leistungen der statischen Instandsetzung wurden die beteiligten Ingenieure im Jahr 2024 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold ausgezeichnet.

In zwei weiteren Bauabschnitten – ab 2019 – wurden die Fassaden der Kirche sowie der Innenraum mitsamt der künstlerischen Ausstattung restauriert. Die Kirche St. Michael stammt im Kern aus dem frühen 12. Jahrhundert und wurde nach einem Brand im Jahr 1610, bei dem insbesondere das Langhaus und die westlichen Türme zerstört wurden, wiederaufgebaut.

Ein Großteil der heutigen Kirchenausstattung stammt jedoch aus dem 18. Jahrhundert und prägt den Innenraum im Stile des Barocks und Rokoko. In sechs Jahren wurden die hochkarätige Ausstattung kunsttechnologisch untersucht, gereinigt, konserviert und Fehlstellen an Schnitzornamentik und Vergoldungen in aufwendiger Detailarbeit sowie alter Handwerkstechnik ergänzt. Vielfach kamen barocke Oberflächen unter jüngeren, störenden Überzügen wieder zum Vorschein.

Zu den besonderen Objekten der Ausstattung zählt die Orgel auf der Westempore. Ihr prachtvoller Prospekt, also die zum Kirchenraum gerichtete Schauseite, stammt aus dem 17. Jahrhundert. Dahinter verbirgt sich ein Orgelwerk der Firma Steinmeyer von 1889, das später von der Orgelbaufirma Weise modernisiert wurde. Insgesamt 41 Register und 2787 Pfeifen sorgen für einen einzigartigen Klangcharakter.

Für die Instandsetzung wurde die Orgel vollständig ausgebaut, gereinigt und restauriert. Moderne Neuzutaten – etwa eine computergestützte Steuerung der Register – erleichtern heute das Spiel, ohne den historischen Charakter zu verändern.

Die Raumschale mit ihren farbigen Putz- und Stuckelementen wurde von 2020 bis 2025 zusammen mit der als „Himmelsgarten“ bezeichneten Deckenmalerei restauriert. Die neu ausgeführte Sichtfassung beruht auf der barocken Farbigkeit der Kirche im 18. Jahrhundert, die an den Wänden vielfach nachgewiesen werden konnte.

Beim Wiederaufbau der Kirche im Jahr 1610 entstand ein einzigartiges Kunstwerk aus gemalten Pflanzendarstellungen an der Kirchendecke. Insgesamt 585 naturgetreue Pflanzenbilder verteilen sich über die Gewölbe; darunter befinden sind auch exotische Exemplare wie Ananas oder Tabak. Die Darstellungen wurden über die Jahrhunderte mehrfach restauriert und abschnittsweise mit anderen Pflanzen übermalt. Bei der jüngsten Restaurierung wurden sieben dieser Pflanzen wiederentdeckt und bewusst sichtbar belassen.

Mondglas, ein historisches Flachglas

Während der Restaurierung des Fenster- und Glasbestands von St. Michael offenbarte sich ein in Umfang und Qualität einzigartiger Bestand an barocken Mondscheiben aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Mondglas ist ein historisches Flachglas, das in einer heute verlorenen Handwerkstechnik hergestellt wurde.

Die barocken Scheiben von St. Michael zeigen eine auffällige Oberflächengestaltung und sind nach mehr als 300 Jahren noch bemerkenswert gut erhalten. Im Rahmen der Gesamtinstandsetzung wurde der gesamte Bestand ausgebaut, untersucht, sorgfältig gereinigt und restauriert. Nur wenige Scheiben mussten ausgetauscht werden. Zu diesem Zweck wurden in Kooperation mit der Glashütte Lamberts in Waldsassen spezielle Ersatzgläser entwickelt, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen.

Da zwei Fenster im Chor in den 1980er-Jahren in schlechter Qualität erneuert wurden, litt die sensible Ausstattung bereits sichtbar unter der Sonneneinstrahlung. Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojekts der DBU gelang es der Glashütte Lamberts, innovative Ultraviolett-/Infrarot-Schutzgläser zu entwickeln, die 2024 erstmals an St. Michael verbaut wurden.

Insgesamt wurden für die Instandsetzung von St. Michael rund 43 Millionen Euro aufgewendet. Ein Großteil davon konnte durch öffentliche Fördermittel gedeckt werden – rund 35 Millionen Euro. Der Differenzbetrag wurde durch eigene Mittel der Bürgerspitalstiftung und der Stadt Bamberg sowie durch private Spenden, die durch die Stiftung Welterbe Bamberg gesammelt wurden, finanziert.

Mit der Wiedereröffnung der ehemaligen Abteikirche befindet sich die Gesamtsanierung der Klosteranlagen noch mitten in einer großen Zuschussmaßnahme, die noch bis 2031 andauert und weitere Klostergebäude mitsamt den Außenanlagen einschließt. In der Kirche werden bis 2027 noch die Marien- und die Heilig-Grab-Kapelle, zehn Epitaphe im Langhaus sowie die große Freitreppe an der Westfassade restauriert.

Bis zur Fertigstellung dieser Arbeiten kann St. Michael von Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen jeweils von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden. (Madlen Gulitsch)
 

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