Bauen

Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. (Foto: Tobias Hase)

27.07.2026

„Ein Werkzeug, das aufzeigt, wo es Verbesserungspotenzial gibt“

Kammer-Kolumne: „Klimaneutrales Ingenieurbüro: Verantwortung in unsicheren Zeiten“

Der Einsatz Klima- und Ressourcenschutz ist der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau schon lange ein wichtiges Anliegen. Als Ingenieurinnen und Ingenieure wissen wir, wie wir Gebäude möglichst ressourcenschonend errichten oder instand setzen und auch so gestalten können, dass der Gebäudebetrieb möglichst emissionsarm sichergestellt werden kann – völlig unabhängig davon, wie sich die gesetzlichen Anforderungen darstellen.

Verschiedene Statistiken zeigen, dass sich das Interesse in der Bevölkerung diesbezüglich in den letzten Jahren verändert hat. Während das Thema Klimaschutz noch im Jahr 2019 eine massive Medienaufmerksamkeit zeigte, wurde es dann durch andere Krisen etwas in den Hintergrund gedrängt. Zwar bleibt das Thema für einen Großteil der deutschen Bevölkerung sehr wichtig, gleichzeitig ist aber auch eine gewisse „Klimamüdigkeit“ zu spüren.

Keine Marketingfloskel

In Zeiten geopolitischer Erschütterungen behält das Thema Energie- und damit auch Klimasicherheit allerdings seine enorme Bedeutung. Der anhaltende Krieg in der Ukraine hat Europa die fragile Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schmerzhaft vor Augen geführt. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt im Nahen Osten, insbesondere die Spannungen um den Iran, und bedroht die Stabilität globaler Öl- und Gasströme.

Preisschwankungen, Versorgungsengpässe und die Notwendigkeit strategischer Unabhängigkeit machen deutlich: Wer heute CO2-Emissionen senkt, stärkt nicht nur das Klima, sondern auch die Resilienz was die eigene Energieversorgung betrifft. Klimaneutralität ist damit schon lange keine bloße Marketingfloskel mehr, sondern eine zentrale unternehmerische und gesellschaftliche Aufgabe.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das klimaschonende Bauen zu bewerben, sondern will auch ihre Mitglieder dahingehend sensibilisieren, wie in den Unternehmen Emissionen reduziert werden können.

Ein klimaneutrales Ingenieurbüro beginnt im Kleinen, im Alltag des Bürolebens. Die meisten Emissionen eines typischen Dienstleistungsunternehmens entstehen nicht durch spektakuläre Prozesse, sondern durch banale Routinen: Pendeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Heizen und Kühlen der Räume, Stromverbrauch von Rechnern und Servern, Dienstreisen sowie die Beschaffung von Material und Verbrauchsgütern.

Online-Tool

Studien zeigen, dass der Gebäudebetrieb und die Mobilität zusammen oft über zwei Drittel der direkten und indirekten Emissionen ausmachen. Hier anzusetzen, ist machbar, wirtschaftlich sinnvoll und kann einen enormen Beitrag zum Klimaschutz darstellen.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau gibt ihren Mitgliedern ab September die Möglichkeit, über ein Online-Tool das eigene Unternehmen hinsichtlich der CO2-Emissionen zu bewerten und in diesem Zuge herauszufinden, wo die wichtigsten Stellschrauben zur Verbesserung liegen. Es geht dabei nicht um eine Benchmark oder um einen „erhobenen Zeigefinger“.

Die regionale Lage der Ingenieurunternehmen sowie auch deren Tätigkeitsfelder sind signifikante Einflussgrößen, die sich letztendlich auf die CO2-Emissionen pro Mitarbeiter und Jahr auswirken. Es sollen und dürfen sich keine negativen Bewertungen ergeben, wenn ein Büro beispielsweise im ländlichen Raum mit ungünstigen ÖPNV-Anbindungen tätig ist und gleichzeitig womöglich aufgrund des Tätigkeitsfelds lange Wegstrecken mit Firmenfahrzeugen zurückgelegt werden müssen.

Das Tool gibt die Möglichkeit, die gegenwärtigen Emissionen zu analysieren und dabei aufzuzeigen, wo es Verbesserungspotential gibt. Vergleichbar sind dann gegebenenfalls die Entwicklungen eines Unternehmens, wenn Verbesserungen umgesetzt werden und eine erneute Analyse, die entsprechenden Ergebnisse liefern.

Energiekosten reduzieren

Neben der Möglichkeit der Bilanzierung des Unternehmens stellt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auch weiterführende Informationen, beispielsweise zur Mitarbeitersensibilisierung zur Verfügung. Auch das sind wichtige Instrumente, das eigene Ingenieurbüro in den Bereich der Klimaneutralität zu lenken und damit nicht nur einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sondern letztendlich die eigenen Energiekosten in den gegenwärtig sehr turbulenten Zeiten so weit wie möglich zu reduzieren. 
 

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