Bauen

Die Höhenfreimachung der Kreuzung in Hepberg wurde im April offiziell für den Verkehr freigegeben. (Fotos: Staatliches Bauamt Ingolstadt)

02.09.2020

Fünfarmiger Kreisverkehr lässt Verkehr freier fließen

Höhenfreimachung der Staatsstraße 2335 bei Hepberg

Knapp 29 000 Fahrzeuge, die sich täglich durch ein Nadelöhr drängen. Umgeben von etwa 8000 Einwohnern in Hepberg und Lenting, die lärm- und verkehrsgeplagt die Blechlawinen durch die Orte ziehen sehen. Die Weberkreuzung stellt einen der höchstbelasteten Kreuzungspunkte im Großraum Ingolstadt dar. Das überdurchschnittlich hohe Verkehrsaufkommen der beiden sich bislang höhengleich kreuzenden Staatsstraßen brachte regelmäßig den Verkehr zum Erliegen. Die Ampel hatte die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit längst überschritten.

Das Staatliche Bauamt Ingolstadt hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den gordischen Knoten mit einer Höhenfreimachung der Kreuzung zu lösen. Ermöglicht wurde dies durch ein Absenken der in Ost-/Westrichtung verlaufenden Staatsstraße (St) 2335 zwischen der Bundesautobahn A 9 und dem Audi-Werk auf einer Länge von 650 Metern. Quer hierzu entstand ein neues Bauwerk auf dem alten Geländeniveau, um die nun obenliegende Staatsstraße 2229 zu überführen. Zwei Anschlussäste verbinden die beiden Staatsstraßen. Ein neuer, fünfarmiger Kreisverkehr verknüpft nunmehr auf der Nordseite die Zu- und Abfahrten mit den gemeindlichen Straßen. Die verkehrssichere Auffahrt und Abfahrt auf der Südseite erfolgt über eine Linksabbiegespur.

Straßenplanung und Brückenplanung waren Eigenplanung des Staatlichen Bauamts Ingolstadt. Die Notwendigkeit, unter Verkehr zu bauen und die beengten Platzverhältnisse aufgrund der angrenzenden Wohnbebauung stellten hohe planerische und bautechnische Ansprüche. Mit einem feierlichen Spatenstich begannen die Bauarbeiten Anfang Juni 2018.

Aufgrund der Absenkung der St 2335 war es zunächst notwendig, die vorhandenen querenden Leitungen zu verlegen. Hierfür wurden unter anderem Kanäle bis zu einem Eiprofil 900/1350 sowie im Rohrvortrieb Telekommunikationsleitungen und Leitungen zur Gas- und Stromversorgung tiefergelegt beziehungsweise großräumig umverlegt.

Getrommelter Dolomit

Eine provisorisch parallel zum Baufeld errichtete Kreuzung stellte sicher, dass der Verkehr auch während der Bauzeit abgewickelt werden konnte. Nur wenige Verkehrsbeziehungen mussten eingeschränkt werden. Zusätzlich hierzu ließ das Bauamt eine bundeseigene Privatstraße und einen Feldweg zu einer Behelfsortsumfahrung westlich von Hepberg ausbauen. Die täglich rund 21 000 Kfz in Ost-/Westrichtung und 8000 Kfz in Nord-/Südrichtung konnten somit während der gesamten Bauzeit mit nur geringfügigen Einschränkungen fließen. Die einst provisorisch angedachte Ortsumfahrung konnte zwischenzeitlich durch die Bemühungen der Gemeinde auch zum weiteren Verbleib als kommunale Ortsumfahrung gesichert werden.

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen dann mit der Absenkung der Staatsstraße und der Errichtung des Überführungsbauwerks. Hierfür wurden etwa 70 000 Kubikmeter Erdaushub von der Baustelle abtransportiert. Auf einen bauzeitlichen Verbau mit Trägerbohlen konnte aufgrund der günstigen Bodenverhältnisse verzichtet werden. Allerdings erforderte die beidseitig nahe anliegende Bebauung westlich des Kreuzungsbauwerks eine Stützkonstruktion zur dauerhaften Böschungssicherung. Hierfür hat das Staatliche Bauamt Ingolstadt ein zwei- beziehungsweise dreireihiges Fertigteil-Stützbauwerk mit Natursteinverblendung errichten lassen. Die Firma Glatthaar-Technology aus Schramberg im Schwarzwald lieferte für diesen Einsatzbereich die ideale Lösung und stellte sich kurzfristig auf die neuartige Bauweise über mehrere Etagen ein.

150 Fertigteile mit einer Bauteilhöhe von bis zu 3,70 Metern und einer Gesamtlänge von 870 Metern stützen den Höhenunterschied zwischen zwei und sieben Metern ab. Zwei Werke der Firma fertigten sie dabei parallel an. Trotz der beträchtlichen Bauwerkshöhe konnte durch das gewählte System auf eine Rückverankerung verzichtet werden. Für die betongebundene Verblendung der Fertigteile sollte ein regional vorkommendes Gestein zum Einsatz kommen. Die Wahl fiel auf getrommelten Dolomit, da er im Vergleich zum Kalkstein im direkten Sprühnebelbereich eine deutlich höhere Tausalzbeständigkeit aufweist.

Der hohe Vorfertigungsgrad machte es möglich, im Vergleich zu einer Ortbetonlösung die Bauzeit deutlich zu verkürzen. Im Bauablauf konnte flexibel auf den jeweiligen Bauzustand und den Fortschritt des Erdbaus reagiert werden. Die Anzahl der aufzustellenden Fertigteile konnte an den jeweiligen Aufstelltagen variiert und Spitzenleistungen von bis zu 84 Metern pro Tag erzielt werden. Taktgebend war demnach nicht das Ingenieurbauwerk, sondern der Fortschritt der Hauptstrecke und die jeweilige Verkehrsführung.

Das Brückenbauwerk in Stahlverbundbauweise überspannt mit einer lichten Weite von fast 32 Metern die St 2335. Für eine optisch ansprechende Gestaltung wählte das Bauamt für das Geländer eine seitlich angedübelte Sonderkonstruktion. Farblich ist es auf die Stahlträger und die Absturzsicherung der Stützkonstruktion abgestimmt. Die einzelnen Felder des Geländers werden durch Stäbe geteilt und wirken optisch als Strebenfachwerk. Die Widerlager münden schräg in die Böschungskegel ein und wirken als Tor zu den anschließenden Stützbauwerken.

Harmonischer Farbklang

Im Ortseingangsbereich von Hepberg entstand ein neuer, wie bereits kurz erwähnt, fünfarmiger Kreisverkehr. Für eine attraktive Gestaltung der Kreisverkehrsinsel haben die Landschaftsplaner des Staatlichen Bauamts Ingolstadt etwa 8000 Stauden und Geophyten pflanzen lassen. Die Pflanzung bietet einen harmonischen Farbklang aus bunten Blüten mit silbrigem Laub und überzeugt mit vielfältigen Blattformen sowie Wuchshöhen. Auch im Winter bleibt sie mit ihren filigranen Halmen erlebniswirksam.

Für die Asphaltierung der Strecke war eine kurzfristige Vollsperrung des Audi-Zubringers notwendig. Zur optimalen Ausnutzung der Sperrzeit konnte eine groß angelegte Gemeinschaftsmaßnahme mit der Autobahndirektion Südbayern realisiert werden. Im Zuge der Maßnahme wurde ein weiterer Kilometer der sanierungsbedürftigen Staatsstraße erneuert sowie ein Teilbereich der Anschlussstelle Lenting und der A 9.
In den vergangenen knapp zwei Jahren wurden im Streckenbau, den Behelfsumfahrungen und den zahlreichen provisorischen Übergängen rund 16 500 Tonnen Asphalt eingebaut.

Für die Anbindung an den Bestand im Kreuzungsbereich der Autobahnanschlussstelle Lenting musste ein Teilbereich der Kreuzung und der bestehenden Lärmschutzwände angepasst und neu errichtet werden. Auf einer Länge von rund 50 Metern entstand eine neue Lärmschutzwand aus Lärchenholz mit einer Höhe von 3,0 Metern über der Gradiente.

Nach fast zweijährigen Umbauarbeiten war es am 17. April 2020, drei Monate früher als ursprünglich geplant, soweit: Verkehrsfreigabe für eines der größten und sehnlichst erwarteten Straßenbauprojekte in der Region Ingolstadt. Auf die wehende Bayernfahne und fröhlich zum Band schreitende Politprominenz musste aufgrund der Corona-Pandemie verzichtet werden. Diesen Platz nahmen die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Ingolstadt ein, die nach den letzten Kontrollen der Strecke den Sperrbock zur Seite trugen, um den letzten Teilabschnitt der Gesamtmaßnahme für den Verkehr freizugeben. (Elena Merk)

(Knapp zwei Jahre dauerten die Umbauarbeiten - Fotos: Staatliches Bauamt Ingolstadt)

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