Bauen

Der Ausbauabschnitt liegt südöstlich von Schwabach und hat eine Gesamtlänge von rund 6,2 Kilometern. (Foto: Ad Photography/Tom Bauer)

23.10.2020

Grenzüberschreitend reisen wird leichter

Fertigstellung der Bundesautobahn A 6 bei Schwabach

Mit der Öffnung Osteuropas hat die Bedeutung der A 6 für den grenzüberschreitenden Verkehr erheblich zugenommen. Die Fernstraße stellt innerhalb des transeuropäischen Verkehrsnetzes ein wichtiges Teilstück der West-Ost-Magistrale E 50 (Verbindung Paris - Nürnberg - Prag) dar. Innerhalb der Bundesrepublik verbindet die A 6 die Wirtschaftsräume Saarbrücken, Mannheim/Ludwigshafen und Nürnberg mit indirektem Anschluss der Zentren Stuttgart und Karlsruhe miteinander.

Neben dem starken überregionalen Verkehr wird zusätzlich erheblicher regionaler Verkehr im Raum Schwabach über die an der Anschlussstelle Schwabach-Süd und der Anschlussstelle Roth angebundene Bundesstraße B 2 und über die B 466 an der Anschlussstelle Schwabach-West der A 6 zugeleitet. Quelle und Ziel dieses Verkehrs ist überwiegend der Ballungsraum Nürnberg/Fürth/Erlangen mit der Anbindung an die Bundesautobahnen A 9, A 3 sowie der A 73.

Der bestehende Streckenverlauf der A 6 im Ausbauabschnitt geht bereichsweise auf Vorkriegsplanungen zurück und weist einige trassierungstechnische Schwachstellen beziehungsweise Unstetigkeiten auf. Unfallzahlen und Stauhäufigkeiten lagen hier deutlich über dem Durchschnitt der bayerischen Autobahnen. Der vorhandene vierstreifige Querschnitt war aufgrund der hohen Verkehrsbelastung von über 60 000 Kfz/24h an der Grenze der Leistungsfähigkeit.

Zur Erhaltung und Stärkung der Infrastruktur der Metropolregion Nürnberg und ihrer angrenzenden Wirtschaftsräume war der durchgehende sechsstreifige Ausbau der A 6 dringend erforderlich geworden.

Ständig Stau

Mit der Planung für den sechsstreifigen Ausbau im vorliegenden Abschnitt wurde im Jahr 2006 begonnen. Der Ausbauabschnitt wurde im derzeit geltenden Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen im „Vordringlichen Bedarf“ eingestuft, ebenso der östlich angrenzende Abschnitt von der Anschlussstelle Roth bis zum Autobahnkreuz Nürnberg-Ost. Im weiteren Verlauf westlich des Ausbaubeginns bis zur Landesgrenze Baden-Württemberg ist die A 6 als „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ im Bedarfsplan enthalten.

Der Ausbauabschnitt liegt südöstlich von Schwabach und erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 6,2 Kilometern von der Anschlussstelle Schwabach-West bis östlich der Anschlussstelle Roth.

Einen gewissen, überregionalen Bekanntheitsgrad erlangte die Baumaßnahme aus dem Rundfunk. Aufgrund der starken Verkehrsbelastung mit sehr hohen Schwerverkehrsanteil war die Baustelle, insbesondere in den ersten Jahren 2016 und 2017, Dauergast in den Staumeldungen bayerischer Radiosender.

Begonnen wurde das Bauvorhaben 2016 mit einer Vormaßnahme, im Zuge derer die Fahrbahn und die Unterführungen in Richtung Heilbronn verbreitert wurden, sodass während der eigentlichen Ausbaumaßnahme im darauffolgenden Jahr genügend Platz für zwei provisorische Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung stand. Zusätzlich wurden die Anschlussstellen Roth und Schwabach-Süd provisorisch umgebaut sowie zwei Überführungsbauwerke erneuert. Die Überführung der Penzendorfer Straße wurde wegen ihres schlechten Zustands bereits 2013 erneuert.

Weiterhin galt es, eine Vielzahl an bestehenden Leitungen zu verlegen und einen neuen Stauraumkanal sowie eine neue Trinkwasserleitung zur Rennmühle zu bauen. Auch die Durchführung von Kampfmittel- und Bodendenkmaluntersuchungen waren für die Vorbereitung des Autobahnausbaus erforderlich. Der eigentliche Ausbau des Schwabacher Abschnitts begann im Frühjahr 2017. Während der Verkehr auf der verbreiterten Richtungsfahrbahn Heilbronn lief, wurden die Fahrbahn sowie die zugehörigen Bauwerke in Richtung Nürnberg ausgebaut.

Im Jahr 2018 folgte der Ausbau auf der Gegenfahrbahn in Richtung Heilbronn und der Bau aller auf den nördlichen Hälften zugehörigen Bauwerke. Die beiden noch fehlenden südlichen Brückenhälften über die Bahnlinie Nürnberg-Treuchtlingen und die B 466 wurden 2019 errichtet. Nach deren Fertigstellung konnte die Aufbringung der offenporigen Asphaltschicht auf dem längeren, westlichen Teilabschnitt umgesetzt werden.

Umfangreicher Lärmschutz

Vom Ausbau betroffen waren ebenso die drei Anschlussstellen Schwabach-West, Schwabach-Süd und Roth. Bei der Anschlussstelle Schwabach-West wurde lediglich die Einfädelungsrampe in Fahrtrichtung Nürnberg an den Ausbau der A 6 angepasst. Die Anschlussstellen Schwabach-Süd und Roth wurden entsprechend den künftigen verkehrlichen Anforderungen umgebaut und leistungsfähiger gestaltet. Ferner sind zum Schutz des Grundwassers und der Fließgewässer sowie des Wasserschutzgebiets bei Uigenau mehrere Absetz- und Regenrückhaltebecken gebaut wurden.

Aufgrund der beidseitigen, autobahnnahen Wohn- und Mischgebietsbebauung waren umfangreiche Lärmschutzanlagen erforderlich. Gemeinsam mit dem Ausbau der jeweiligen Richtungsfahrbahnen wurden die für Schwabach erforderlichen, sehr umfangreichen Lärmschutzmaßnahmen hergestellt.

Zum Schutz der Stadt Schwabach wurden beidseits der A 6 zwischen fünf bis 13 Meter hohe Wälle, Steilwälle, Wände und Kombinationen dieser Elemente errichtet und zusätzlich ein Lärmschutzbelag aus offenporigem Asphalt eingebaut, welche nach fünfjähriger Bauzeit die letzten Gewerke darstellten, bevor am 23. Oktober 2020 die feierliche Verkehrsfreigabe erfolgte. Die Kosten aller Lärmschutzmaßnahmen betragen ungefähr ein Drittel der gesamten Baukosten in Höhe von rund 161 Millionen Euro.

Kostenträger der Baumaßnahme ist die Bundesrepublik Deutschland (Bundesstraßenverwaltung). An den Kosten für die Änderung der Anschlussstelle Schwabach-Süd sind die Bundesrepublik Deutschland (B 2) sowie der Freistaat Bayern (St 2409) beteiligt. Schwabach trägt einen Anteil der Kosten für die Änderung der Kreuzung A 6/St 2239. Die Kostentragung für die Anpassung von Anlagen der öffentlichen Versorgung ist zwischen den Versorgungsunternehmen und dem Bund nach Maßgabe der geltenden Rahmen- und Gestattungsverträge geregelt.

Dank des professionellen Einsatzes aller Beteiligten sowie einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadt Schwabach konnte die Baumaßnahme erfolgreich abgeschlossen und der Blick nach Westen gerichtet werden. Die weiteren Abschnitte in Richtung Heilbronn werden derzeit intensiv geplant und vorbereitet und sollen in den nächsten Jahren auch baulich umgesetzt werden. Langfristiges Ziel ist ein durchgehend sechsstreifiger Ausbau der A 6 von Nürnberg bis Baden-Württemberg. (Paul Heber)

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