Die Gewinner des Schülerwettbewerbs Junior.ING Bayern 2025/26 stehen fest. 155 von Schülerhand entworfene und gebaute Modelle von Stadiondächern beurteilte die Jury der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Am Wettbewerb beteiligt und ihr Ingenieurtalent erprobt haben Kinder aus allen Ecken Bayerns, aus allen Schulzweigen und allen Klassenstufen.
„Unser Wettbewerb zeigt eindrucksvoll, wie viele junge Ingenieurtalente es in Bayern gibt. Es ist toll, dass die Kinder so zahlreich die Möglichkeit nutzen, durch die Teilnahme an unserem Wettbewerb praktische Erfahrungen mit dem Bauen und Konstruieren zu machen“, sagte Werner Weigl, Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, im Rahmen der Preisverleihung.
Bei „Junior.ING“ handelt es sich um einen zweistufigen Schülerwettbewerb, welcher von den Ingenieurekammern der Bundesländer durchgeführt wird und von der Kultusministerkonferenz empfohlen ist. Ziel des Wettbewerbs ist es, Kinder und Jugendliche zu motivieren, ihr Ingenieurtalent praktisch zu erproben.
Der Wettbewerb ist in zwei Alterskategorien (bis 8. Klasse und ab 9. Klasse) gegliedert und fand in Bayern zum siebten Mal statt. Die Landessieger der beiden Altersgruppen fahren am 19. Juni 2026 zum Bundesentscheid nach Berlin und kämpfen dort darum, den Gesamtsieg nach Bayern zu holen.
Sonderpreis für das
beste Grundschulmodell
Dieses Jahr wurden in Bayern 103 Modelle in der Altersgruppe bis 8. Klasse eingereicht. In der Altersgruppe ab 9. Klasse wurden 52 Arenen gebaut. Im bayerischen Wettbewerb wurden außerdem Sonderpreise für das beste Grundschulmodell, das interessanteste Tragwerk und – neu – für das originellste Modell vergeben.
Platz eins in der Alterskategorie I (bis 8. Klasse) ging an die Jägerwirth Arena von Emma und Elina, Grund- und Mittelschule Fürstenzell, 4. Klasse. Das Modell der beiden Mädchen ist an ein Zirkuszelt angelehnt. Dieses überzeugte die Jury durch eine einheitliche, durchdachte Gestaltung und das sehr klare, strukturierte Speichenradtragwerk. „Ein Ingenieurverstand ist klar erkennbar“, so das Preisgericht.
Das geschlossene Dach schützt vor der Witterung; durch die Schürze an der Tribüne ist ein zusätzlicher Windschutz gegeben. Durch die Verwendung von Butterbrotpapier für das Dach ist dieses transluzent gestaltet und die Gäste der Jägerwirth Arena haben ausreichend Tageslicht.
Noch zu erwähnen ist, dass sich die Grundschülerinnen Emma und Elina gegen deutlich ältere Kinder durchgesetzt haben.
Der zweite Platz in der Alterskategorie I ging an die Yin Yang Arena von Jaron, Armin-Knab-Gymnasium Kitzingen, 6. Klasse. Jarons Arena hebt sich sowohl optisch als auch hinsichtlich der verwendeten Materialien deutlich von den anderen eingereichten Modellen ab. Das Modell ist sehr kreativ und besticht laut Jury durch seine Reduktion auf das Notwendige.
Die beiden gekreuzten Bögen des Dachtragwerks steifen sich gegenseitig aus. Die geneigte Dachscheibe aus gewebtem Material bietet Schutz vor Regen und Sonne. Die Jury lobte besonders die sparsame Materialverwendung, die sehr saubere Verarbeitung und die ansprechende Schwarz-weiß-Optik. Für das Preisgericht ein rundum stimmiges Modell.
Den dritten Platz in der Alterskategorie I konnte sich Lukas, Riemenschneider Gymnasium Würzburg, 8. Klasse, mit seinem Willow Park sichern.
Die Arena Willow Park ist das geschlossenste unter den eingereichten Modellen. Es bietet optimalen Schutz vor Wind, Regen sowie Schnee und ist dennoch durchsichtig und leicht gebaut. Das Sonnensegel ist seitlich verschiebbar und kann sich somit flexibel an die Wetterbedingungen anpassen. Die hüllenartige Bauweise wirkt einladend und schützend zugleich.
Lukas hat ein organisches Modell mit gebogenen Tragelementen entwickelt, so die Jury. Die Rundbögen dienen der Stabilisierung; weitere Elemente sind zur Formgebung, aber nicht zum Lastabtrag eingebaut. „Das Modell Willow Park ist sehr sauber gebaut, wenngleich durch die Materialwahl eine leichte Imperfektion nicht zu vermeiden war“, erklärte das Preisgericht. Insgesamt handle es sich um ein rundes Modell im doppelten Wortsinne, das gut durchdacht ist und in der Umsetzung die Jury klar überzeugt hat.
Das Modell „Kids Club Dome“ der Erstklässler Carlotta und Theresia, Grundschule an der Limesstraße München, mit dem sie den Sonderpreis Grundschule gewonnen haben, erinnert optisch an eine Strandmuschel und strahlt ein heimeliges Gefühl aus, wie die Jury feststellte. Die Stäbe ihres Dachtragwerks haben die Mädchen über einer Bratpfanne gebogen – die Krümmung der Stäbe gibt der Konstruktion die notwendige Stabilität. Das Dach ist hell und transparent eingedeckt; das Bogentragwerk wird auf der Außenseite durch Zierstäbe stabilisiert.
Neben der stimmigen Bauweise haben die beiden Erstklässlerinnen auch auf eine liebevolle Dekoration wert gelegt. Hervorzuheben sind laut Preisgericht die bunte Verzierung mit Klebepunkten, die den Weg in den Kids Club Dome weist, und die Diskokugel, die für beste Partyatmosphäre sorgt.
Mit dem Sonderpreis Originellstes Modell wurde das „Theatrum commune aureum Imperii“ von Burkhard, Franz, Lukas und Leopold, Wirsberg-Gymnasium Würzburg, 8. Klasse, ausgezeichnet.
Authentisch, sehr
kreativ und überzeugend
Das Modell der vier Jungs stach sowohl optisch wie auch in seiner Bauweise deutlich aus den eingereichten Modellen hervor, erklärte das Preisgericht. Das Theatrum commune aureum Imperii ist nach Ansicht der Jury authentisch, sehr kreativ und rundum überzeugend. Die Flügel des Dachtragwerks lassen sich einklappen, um einen Schutz vor Regen oder zu starker Sonneneinstrahlung zu erreichen.
Die Jury war sofort von der außergewöhnlichen Idee begeistert und entschied sich spontan, einen neuen Sonderpreis zu vergeben.
Der Neuntklässler Paul, Gymnasium Donauwörth, ging nicht nur als Sieger in der Alterkategorie II durchs Ziel, sondern erhielt auch den Sonderpreis der Hochschule München für das interessanteste Tragwerk. Seine „Arena Z“ überzeugte das Preisgericht durch sein interessantes Tragwerk, seine sehr saubere Verarbeitung und die Verwendung sehr leichter Baustoffe. „Die gefaltete Dachstruktur ist ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal und macht den besonderen Charakter des Modells aus.“ Für die Jury hat sich Paul erkennbar viele Gedanken zum Witterungsschutz gemacht und sehr gute Lösungen gefunden, um Wind, Regen, Schnee und Sonne von den Zuschauerrängen fernzuhalten.
Besonders die hölzernen Stützen seien hervorzuheben, die in ihrer Form einer Baumstruktur nachempfunden sind. Durch die unterschiedlichen Höhen des Daches ändert sich in jeder Ansicht die Anmutung des Modells, was nach Ansicht des Preisgerichts einen zusätzlichen Reiz ausmacht.
In der Jurybegründung der Hochschule München für den Sonderpreis für das interessanteste Tragwerk heißt es: „Die Arena Z stellt aus tragwerksplanerischer Sicht ein gefaltetes Raumfachwerk dar. Es werden dreieckige Flächen aufgespannt, die jeweils gegeneinander wie ein Origami gefaltet sind. Die Knicke und Kehlen zwischen den Flächen werden durch Fachwerkstäbe gebildet, die jeweils in Knotenpunkten als Hoch- und Tiefpunkte zusammenlaufen.
Mit diesem Konzept ist es Paul gelungen, ein hoch effizientes Tragwerk für die Dachkonstruktion der Arena Z zu gestalten. Der Lastabtrag erfolgt über die Dachhaut mit eingebundenen Trägern einaxial spannend zu den Kehlbalken. In der räumlichen Struktur des Tragwerks werden die Kräfte dann vorwiegend über Normalkräfte in das Fundament abgetragen. Die Aussteifung erfolgt durch die räumliche Fachwerkstruktur des Haupttragwerks und wird unterstützt durch die Scheibenwirkung der Dachflächen. Durch die gefaltete Struktur ergibt sich hierbei für das nach innen auskragende Dach des Stadions eine sehr große statische Höhe im Rahmeneck, wodurch die Kräfte in den Stäben des Tragwerks gering bleiben.
Insgesamt ein sehr gelungener Entwurf, der zudem neben seiner tragwerksplanerischen Exzellenz auch bei der Verarbeitung und optischen Gestaltung besticht.“
Für ihr Modell „Libella Arc“ (zweiter Platz in der Alterskategorie II) entschied sich Isabella, Hanns-Seidel-Gymnasium Hösbach, 12. Klasse, für eine minimalistische, puristische und schützende Tragstruktur. Um das Modell besonders klar zur Geltung zu bringen, wurde die Tribüne nur mit einer filigranen Drahtstruktur angedeutet.
Zellstoff für die Eindeckung des Daches
Besonders hervorzuheben ist die helle, transparente Eindeckung des Daches. Dafür verwendete Isabella Zellstoff (Papiertaschentücher) – ein Material, das bisher im Wettbewerb Junior.ING noch nicht zum Einsatz kam, so die Jury.
„Hat no koan Nama“ nennt Finn, Staatliche Realschule Berching, 10. Klasse, sein Modell, mit dem er Platz drei in der Alterkategorie II errang.
In der Jurybegründung heißt es: „Klar erkennbar und gut herausgearbeitet ist die Tragstruktur des Modells ‚Hat no koan Nama‘“. Die beiden gegenläufigen, geneigten Doppelbögen stabilisieren sich gegenseitig und bilden das tragwerkplanerische Grundgerüst der Arena. Drei weitere Bögen halten ein elegantes Dach aus Stoff. Die Dachkonstruktion hat die Anmutung eines Zirkuszelts. Während bei den meisten anderen Modellen das Dach von unten gestützt wird, hat Finn sein Stoffdach mit Fäden nach oben gezogen und mit den Holzbögen verbunden. Das Modell ist optimal vor allen Witterungseinflüssen geschützt, was auch Teil der Aufgabenstellung war.
Insgesamt handelt es sich um ein liebevoll, detailreich gestaltetes Modell, das sehr sauber gearbeitet wurde. Ein weiteres Highlight ist der deutlich abgegrenzte Backstagebereich.
(Friedrich H. Hettler)
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