Bauen

Die neue Grundschule an der Grandlstraße wurde vom Architekturbüro Auer Weber, München, geplant. (Foto: Aldo Amoretti)

10.01.2018

Horizontale Bänder aus pigmentiertem Sichtbeton

Neubau einer Grundschule mit Dreifachsporthalle an der Grandlstraße in München

Zur Bewältigung der Bauaufgabe – Umbau und Erweiterung der Real- und Grundschule an der Grandlstraße 5 in München – werden enorme Anforderungen an die Baustellenlogistik gestellt, da die Baustelle parallel zum laufenden Schulbetrieb organisiert werden muss. Neben umfangreichen Abbruch- und Teilabbrucharbeiten der Bestandsgebäude, ist der Baustellenbetrieb, aufgrund der äußerst beengten Grundstücksverhältnisse und des zu bewältigenden Bauvolumens, nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Vereinzelt sind Verbaumaßnahmen erforderlich. Die Realisierung der Baumaßnahme erfolgt in zwei Bauabschnitten. Fertiggestellt ist bisher die Grundschule.
Die Real- und Grundschule an der Grandlstraße ist geprägt durch ein heterogenes Gefüge aus Bauteilen mit mehr oder weniger bauhistorischem Wert und unterschiedlichen Entstehungszeiten. Die einzelnen Schultypen sind derzeit nicht mehr eindeutig ablesbar.

Ziel war und ist die Konservierung der wertvollen Substanz und die sinnvolle Ergänzung der bestehenden Strukturen, die Schaffung von klaren Identitäten und Adressen der einzelnen Schulformen, die Verbesserung der räumlichen und funktionalen Zusammenhänge innerhalb der künftigen Schulhäuser und der Erhalt der derzeitigen Außenraumqualitäten.
Infolge des Wandels des schulpädagogischen Konzepts und den damit verbundenen Konsequenzen für das Raumprogramm, ergeben sich neue, besondere Organisationsformen für die Unterrichtsbereiche („Lernhäuser“). Darüber hinaus erfordert die Umstellung der Schulen von Halbtags- auf Ganztagsunterricht höhere räumliche Qualität (Aufenthaltsqualität) mit entsprechend erweitertem Flächenbedarf. Ferner müssen räumliche Voraussetzungen für die Mittagsversorgung geschaffen werden.

Aufgrund des jetzt deutlich höheren Flächenbedarfs, gegenüber den ursprünglich definierten Vorgaben des Raumprogramms aus dem VOF-Verfahren, konnte die planerische Umsetzung auf dem beengten Grundstück nur durch Abbruch aller Bestandsgebäude mit Ausnahme des Realschul-Bestandsgebäudes von 1911 gelöst werden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Höhenentwicklung der Neubauten in Relation zum Bestandsgebäude und der kleinteiligen, zweigeschossigen Wohnbauten der benachbarten Grundstücke.

Die wesentlichen Entwurfsgedanken lassen sich wie folgt zusammenfassen:
– die Verbindung der Realschule, Grundschule und Sporthalle über eine gemeinsam genutzte Pausenhalle.
– Identität und Adressbildung durch die, der Grandlstraße zugewandten Baukörper der Real- und der Grundschule.
– Die Höhenstaffelung des neuen Ensembles, geprägt durch die höheren Bauteile an der Grandlstraße im Westen und die niedrigeren Bauteile zur Sportanlage im Osten.
– Eine eindeutige Zuordnung der Schulhöfe zu den jeweiligen Schulformen und Schulhäusern und
– die Staffelung der Höfe und deren günstige Lage, die das Umfeld vor unnötiger Lärmbelästigung schützen.

Die Pausenhallen werden gebildet durch ein eingeschossiges, in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Bauwerk. Dieses bildet das verbindende Foyer von Realschule, Mittagsversorgung, Grundschule und Sporthalle aus. Es ist flexibel unterteilbar und ermöglicht sowohl gemeinsame, als auch für jede Schule individuell organisierte Schulveranstaltungen (Versammlungsstätte). Die Mehrzweckräume der Schulen sind mit mobilen Bühnen an die Pausenhalle/n angegliedert. Je nach Nutzerwunsch ist die Halle im Schulbetrieb nach Schulformen unterteilt oder gemeinsam genutzt. Neben den Zugängen in die beiden Schulen lagern sich im Wechsel alternierende Höfe und Außenräume mit unterschiedlichen Funktionen an.

Großzügige Außenräume

Der im Süden der Realschule angegliederte Neubau der Grundschule, der über das gemeinsame Foyer erschlossen ist, bildet wie die Realschule eine eigene Einheit. Der zweigeschossige Klassentrakt der Grundschule – mit umlaufenden Fluchtbalkonen – überlagert in Ost-West-Richtung das Foyer sowie die nach Osten zurückversetzte Schulverwaltung, die in direkter Blickbeziehung zum Werkhof der im Untergeschoss gelegenen WTG-Räume steht.
Eine große Freitreppe erschließt die zentrale Galerie der Grundschule und bietet viel Platz und Licht für das interne Schulleben. Die Räume der Mittagsbetreuung sind im Südwesten des Sporthallenkomplexes, mit direkter Anbindung an den Schulgarten und die im Süden gelegenen Grünflächen, untergebracht.

Den südlichen Abschluss der Foyerspange bildet das Eingangsfoyer der Sporthalle, das sowohl von den Schulen, als auch von den Sportlern unabhängig erschlossen werden kann. Dieses verbindet die Sporthalle mit ihren Nebenräumen, die um ein Geschoss unter das Pausenhofniveau abgesenkt sind. Die Einsenkung des Sportkomplexes entspricht dem Ziel, die Großzügigkeit der Außenräume zu erhalten. So tritt lediglich das Abbild der Sporthalle in der Höhe der Pausenhalle in Erscheinung. Technik- und Lagerräume verbinden im Untergeschoss in Nord-Süd-Richtung die beiden Schulkomplexe.
Markantes Wesensmerkmal sind die alle Gebäudeteile umlaufenden eingefärbten Betonbänder, die im Falle der Grundschule als auskragende „Fluchtbalkone“, an den Dachrändern der Pausenhallen sowie der Sporthalle als Vordächer und in der Realschule als Gesimse ausgebildet sind. Die Fassaden sind generell in P+R-Konstruktionen konzipiert, die im Erdgeschoss und in allen öffentlichen Bereichen – je nach statischer Anforderung – in Stahl oder Aluminium, in den Obergeschossen in Holz ausgeführt werden.

Hochformatige, schlanke Lüftungsflügel, als geschlossene Paneele mit außenseitiger farbiger Beschichtung und innenseitigen Holzflächen, lockern in freier Anordnung die Fassaden in den Obergeschossen auf. Der Sonnenschutz wird mit Ausnahme der Pausenhallen und des Speisesaals mit außenliegenden, textilen Sonnenschutzrollos in neutraler Farbgebung hergestellt. Pausenhallen und Speisesaal sind hingegen mit hochwertiger Sonnenschutzverglasung in Kombination mit innenliegendem, schienengeführtem, textilem Blendschutz, der elektromotorisch angetrieben wird, ausgestattet.

Nach dem Umbau und der Sanierung des Schul-Ensembles sind alle Niveaus barrierefrei zu erreichen.  (BSZ)

(Die Grundschule hat eine Bruttogrundfläche von gut 6800 Quadratmetern; Kletterwand und Sporthalle - Fotos: Aldo Amoretti)

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