Bauen

Das neue Museum mit dem südlichen Haupteingang und dem Domfenster. (Foto: Stefan Hanke, Sinzing)

07.06.2019

Hybridbau aus Stahlbeton und Stahl

Neubau für das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg

Knapp vier Jahre nach Baubeginn auf dem Regensburger Donaumarkt wurde das neue Museum Haus der Bayerischen Geschichte am 4. Juni 2019 feierlich eröffnet. Mehr als 88 Millionen Euro investierte der Freistaat Bayern in das neue Museum und die Bavariathek unter Leitung des Staatlichen Bauamts Regensburg. 

Die alte Dom- und junge Universitätsstadt Regensburg mit reichem historischem Erbe hatte sich 2011 in einem bayernweiten Bewerbungsverfahren mit dem attraktiven Standort direkt am Donauufer durchgesetzt. Die Nähe zum Dom und die Lage am Rande der Regensburger Altstadt, seit 2006 auch UNESCO-Weltkulturerbe, forderte von den mehr als 250 Teilnehmern im weltweiten offenen Architektenwettbewerb eine differenzierte Antwort auf den städtebaulichen Kontext rund um den Donaumarkt.

Überzeugt hatten hier 2013 die Architekten Wörner Traxler Richter aus Frankfurt am Main mit ihrem Konzept: Zwei Baukörper, Museum und Bavariathek, arrondieren die bestehende Bebauung, führen die benachbarte Trunzer- und Klostermeyergasse fort bis zur von der Stadt Regensburg neugestalteten Promenade und schaffen einen neuen Stadtplatz direkt an der breiten Freitreppe zur Donau. Mit ihren mehrfach gefalteten Dächern fügen sich die beiden Baukörper Museum und Bavariathek in die lebhafte Silhouette der Regensburger Altstadt ein.

Insgesamt fast 3000 Quadratmeter Keramikfassade bekleiden das neue Museumsgebäude in Hybridbauweise aus Stahlbeton und Stahl. Die vertikal strukturierte Außenhaut des Museums antwortet dabei in ihrer Farbigkeit auf den gelb-grauen Naturstein der neugestalteten Freiflächen.

In seiner inneren Struktur nimmt das Museumsgebäude Bezug auf das historische Stadtgefüge und zeichnet den ehemaligen Hunnenplatz als Foyer und die historische Eschergasse nach. Eine rund 700 Quadratmeter große Stahl-Glas-Konstruktion überspannt in 17 Meter Höhe Foyer und Gasse als neue Verbindungen zwischen Altstadt und Donau. Der große Schauraum mit 360-Grad-Panorama, der große teilbare Donausaal für Sonderausstellungen und Veranstaltungen, Museumsladen und Wirtshaus sind weitere Anlaufpunkte im Erdgeschoss, von dem aus eine Rolltreppe die Besucher in die große Dauerausstellungsfläche direkt unter dem gefalteten Dach führt.

Bis zu elf Meter Raumhöhe

Knapp 2500 Quadratmeter mit bis zu elf Metern Raumhöhe bieten viel Platz für die Dauerausstellung, die die Geschichte Bayerns vom 19. Jahrhundert bis heute erzählt. Unter dem Leitfaden „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn so besonders macht“ versammeln die Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte über 1000 historische Exponate, darunter auch viele persönliche Erinnerungsstücke, die Bayern als Leihgaben zur Verfügung gestellt haben, präsentiert mit moderner Ausstellungsarchitektur und Medientechnik nach Entwürfen der Ausstellungsgestalter HG Merz und Jangled Nerves aus Berlin und Stuttgart.

Zwei Brücken über die Eschergasse und ein Fenster zum großen Foyer bieten für die Besucher auch innerhalb des Ausstellungsrundgangs spannende Raumeindrücke und Aussichten. Am Ende gibt das markante 80 Quadratmeter große Domfenster einen imposanten Blick auf die Altstadt und die Domtürme frei und ist zugleich mit den sich im Fenster spiegelnden Turmpaaren von Dom und Niedermünster Blickfang für Passanten aus der Altstadt.

Ausgestattet werden die Räume des Museums nach modernsten technischen Standards. So wurde das Museumsgebäude nach Passivhauskriterien errichtet – außergewöhnlich und richtungsweisend für ein solches Haus. Eine hochwärmegedämmte luftdichte Gebäudehülle, hocheffiziente Technik für Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung und Klimatisierung und ein hoher Anteil an regenerativer Energie ermöglichen den nachhaltigen Betrieb des Gebäudes. Die Museumsnutzung stellt dabei sehr hohe Anforderungen an das Raumklima mit konstanter Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent und Raumtemperaturen von zwischen 18 und 20 Grad Celsius im Winter und 23 bis 25 Grad Celsius im Sommer. Die gesamte Energie für Heizung und Kühlung der beiden Neubauten wird von der Stadt Regensburg in einem innovativen Konzept gewonnen: So nutzen Wärmepumpen das städtische Abwasser mit konstantem Temperaturniveau als Energiequelle – im Sommer für Kühlung, im Winter für Wärmeversorgung.

360° Panoramakino

Während das Museum nun für Besucher geöffnet ist, laufen die Arbeiten zum Wiederaufbau im Nachbargebäude Bavariathek weiter auf Hochtouren. Dort hatte ein Brandereignis im Juli 2017 kurz vor Fertigstellung des Innenausbaus schwere Schäden verursacht – von außen kaum sichtbar hinter der bereits fertiggestellten handwerklich strukturierten Putzfassade mit den hellen Metallfaschen.

Nach der Anfang 2020 geplanten Eröffnung heißt es dann in der Bavariathek: Virtuelle Werkbank statt Klassenzimmer. Rund um ein zweigeschossiges Atrium bieten flexible Projekt- und Studioräume mit modernster Medientechnik, Bibliothek und Bildarchiv interessierten Gruppen vielfältige Möglichkeiten für interaktives und digitales Lernen. Auch die Museumsverwaltung mit Wissenschaftlern und Museumspädagogen wird in der Bavariathek direkt oberhalb des neuen Stadtplatzes einziehen.

Mehr als 120 Arbeiter waren täglich auf der Baustelle am Donaumarkt im Einsatz, um den Entwurf der Architekten zu realisieren. Ein Team von knapp 30 Ingenieurbüros und Fachplanern unter Leitung des Staatlichen Bauamts Regensburg arbeitete neben den Architekten an der Planung und Umsetzung. Über 50 verschiedene Baufirmen, davon viele aus Bayern und der Region, waren am Bau des Großprojekts mit mehr als 7000 Quadratmetern Nutzfläche, davon 5550 Quadratmeter innerhalb des Museums und 1450 in der Bavaria-thek, beteiligt. Die beengte Baustellensituation inmitten der historischen Altstadt – zweitweise eine der größten Baustellen in Regensburg – war dabei eine besondere logistische Herausforderung.

Ein besonderes Highlight des Museums ist das Panoramakino. Die Ausführung des 360° Panoramakinos wurde dem Südtiroler Unternehmen barth Innenausbau zugewiesen. Hier wird dem Besucher eine Perspektive der Vergangenheit gezeigt, wobei ein moderierender Protagonist, der Moderator, Kabarettist und Schauspieler Christoph Süß, durch die Zeiten wandelt und über die Vor- und Frühgeschichte der Bayern berichtet.

Der Projektionsraum entsteht durch einen von der Decke abgehängten Zylinderstumpf mit einem beachtlichen Außendurchmesser von zwölf Metern und einem Innendurchmesser von zehn Metern sowie einer Montagehöhe von bis zu acht Metern. Der aus einer umseitig beplankten Stahlkonstruktion bestehende Zylinderbau dient als „Hülle“ der Projektionsfläche.

Die Firma barth hat die gesamte Konstruktion auf Maß ausgeführt. Große Bedeutung bei der Ausführung der Rotunde wurde den Materialanforderungen zugemessen: schwerentflammbare, emissionsfreie Materialien sowie schadstoffarme Lackierungen für die Beschichtung und nicht zuletzt die Erfüllung der statischen Erfordernisse. (FHH)

(Vorne der Dom, oben rechts das neue Museum - Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz; das 360° Panoramakino - Foto: Stefan Hanke, Sinzing)

 

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