Der Markt Holzkirchen hat an der Baumgartenstraße den Ersatzneubau der Mittelschule realisiert und inzwischen erfolgreich in Betrieb genommen. Mit dem Einzug ist aus einer lange vorbereiteten Planungsaufgabe ein neuer, spürbar zeitgemäßer Lernort geworden, der den Schulcampus mit Grundschule und Sporthalle schlüssig ergänzt.
Auslöser des Neubauprojekts war die Feststellung, dass der bestehende Schulbau aus den späten 1950er-Jahren den heutigen Anforderungen an Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit nicht mehr genügte und eine wirtschaftlich und funktional sinnvolle Ertüchtigung nicht mehr möglich war.
Grundlage der Umsetzung war ein Architektenwettbewerb aus dem Herbst 2020, der am 25. März 2021 abgeschlossen wurde. Der Entwurf von karlundp Gesellschaft von Architekten mbH in Arbeitsgemeinschaft mit Schegk Landschaftsarchitekten wurde einstimmig als Sieger ausgewählt und bildet, in seiner Grundstruktur, das heute realisierte Gebäude.
Städtebaulich versteht sich der Neubau als Bindeglied zwischen der kleinteiligen Wohnbebauung im Osten und Süden sowie den größeren öffentlichen Nutzungen von Grundschule und Sporthalle. Die Kubatur greift die Setzung der nördlich gelegenen Grundschule auf und ordnet sich in ihrer Höhenentwicklung dem Maßstab des Umfelds unter, sodass ein klar gefasster Campus entstanden ist, der Orientierung gibt und gleichzeitig Freiräume schafft.
Die Mensa als kommunikativer Treff
Im südlichen Grundstücksteil blieb eine Reservefläche für künftige Entwicklungen erhalten.
Das Haus wird als Ensemble aus drei miteinander verschränkten, annähernd quadratischen Baukörpern umgesetzt, die über ein gemeinsames Zentrum, das „Herz der Schule“, räumlich und funktional zusammengeführt werden. Diese Mitte ist mehr als nur ein Verteiler, sie ist ein Ort der Begegnung.
Die Mensa liegt als kommunikativer Treffpunkt im Erdgeschoss und wird auch von der benachbarten Grundschule mitgenutzt. Darüber sind die Lernbereiche in übereinanderliegenden Lernwohnungen organisiert, als jahrgangsbezogene Cluster mit offenen, flexibel nutzbaren Flächen, die die moderne pädagogische Arbeit sichtbar unterstützen.
Verwaltung, Lehrerbereiche und Fachräume sowie die Offene Ganztagsschule sind in den weiteren Gebäudeteilen klar zugeordnet, wodurch kurze Wege, eindeutige Adressen und eine verlässliche Orientierung im Schulalltag erreicht werden.
Konstruktiv wurde eine Holzhybridbauweise realisiert, die Schallschutz und Speichermasse der massiven Stahlbetonbauteile mit den Vorteilen des Holzbaus verbindet. Vorfertigung, materialgerechte Details und eine robuste, wartungsarme Ausführung standen im Vordergrund, damit das Gebäude nicht nur heute überzeugt, sondern auch langfristig stabil und unkompliziert nutzbar bleibt.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf Energie und Nachhaltigkeit. Der Neubau wurde im Standard KfW Effizienzhaus 40 umgesetzt und an das Fernwärmenetz der Holzkirchner Geothermie angeschlossen. Damit wird nicht nur ein hoher energetischer Anspruch erfüllt, sondern auch ein lokaler, zukunftsorientierter Versorgungsweg genutzt.
Die technische Konzeption kombiniert eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für eine dauerhaft gute Raumluftqualität mit einem wirksamen sommerlichen Wärmeschutz über außenliegende Sonnenschutzscreens. Zugleich bleiben öffnenbare Fenster als selbstverständlicher Bestandteil eines robusten, nutzerfreundlichen Gebäudekonzepts erhalten, weil Komfort und Alltagstauglichkeit im Schulbetrieb entscheidend sind.
Das architektonische Erscheinungsbild wird durch eine klare, horizontale Gliederung geprägt, die den Gestaltungsgedanken des Wettbewerbs konsequent weiterführt. Die vorgehängte, hinterlüftete Holzfassade ist in vorvergrauten, warmen Holztönen ausgeführt und arbeitet mit differenzierten Hell-Dunkel-Absetzungen, unter anderem durch eine dunklere Vorvergrauung in den Bereichen zwischen den Fensterbändern.
Notwendige Brandriegel wurden nicht kaschiert, sondern als präzise gesetzte Gestaltungselemente integriert und farblich so abgestimmt, dass sie mit der Holzfassade im Brüstungsbereich eine ruhige Einheit bilden. Fenster und Sonnenschutz sind in zurückhaltenden, abgestimmten Farbtönen ausgeführt, beispielsweise mit einer dunklen Aluminium Deckschale in DB 703, die Brandsperren sind in RAL 7048 Perlmausgrau integriert.
Bewusst gesetzte Farbakzente übernehmen im Schulalltag eine orientierende und identitätsstiftende Rolle. Im Bereich des Haupteingangs leiten farbige, pulverbeschichtete Aluminiumlamellen die Schülerinnen und Schüler zur Adresse des Hauses und wirken zugleich als verbindendes Element zwischen Mittel und Grundschule. Auch auf der Pausenhofseite markieren vertikale Lamellen wichtige Zugänge, etwa zur Schülerterrasse, ohne die ruhige Grundordnung der Fassade zu überlagern. So wird das Gebäude im täglichen Erleben nicht nur funktional lesbar, sondern auch als eigener Ort wahrnehmbar.
Im Innenraum wird die robuste Materialität durch eine klare, warme Grundstimmung getragen. Helle Holzoberflächen werden mit grauen Bodenflächen in den Erschließungszonen kombiniert, während in Sonderbereichen Linoleum in definierten Konzeptfarben eingesetzt wird. Diese Konzeptfarben sind geschossweise differenziert und unterstützen die Zuordnung der Jahrgangscluster, Möbeleinbauten und Nischen sind mit farbigen HPL-Beschichtungen akzentuiert. Daraus entsteht eine angenehme Mischung aus Ruhe und Lebendigkeit, die Orientierung gibt, Identität stiftet und den Anspruch einer Schule als Lebensraum ernst nimmt.
Der Projektablauf war von einer langen, sorgfältigen Vorbereitung und einer eng abgestimmten Umsetzung geprägt. Nach dem Entwurfsbeschluss des Marktgemeinderats am 23. Juni 2022 erfolgten Abbruch und Interimsbetrieb, der Spatenstich wurde am 4. Mai 2023 gesetzt. Bereits am 5. Dezember konnte nach sieben Monaten Rohbauzeit Richtfest gefeiert werden.
Mit Fertigstellung und erfolgtem Umzug ist aus der Wettbewerbsidee ein belastbares, einladendes Schulhaus geworden, das Pädagogik, Funktionalität und Nachhaltigkeit räumlich zusammenführt. Aus planerischer Sicht war dies ein Gemeinschaftswerk von Bauherrschaft, Nutzerinnen und Nutzern, Fachplanern und ausführenden Unternehmen, getragen von dem gemeinsamen Ziel, in Holzkirchen einen Lernort zu schaffen, der das gemeinsame Lernen stärkt, im Betrieb überzeugt und für die nächsten Generationen Bestand haben kann. (Ludwig Karl)
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