Mit dem Neubau des Gymnasiums Röhrmoos setzt der Landkreis Dachau neue Maßstäbe für moderne Bildungsinfrastruktur – und geht dabei erstmals den Weg einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) im Schulbau. Nach nur 28 Monaten Bauzeit konnte das Projekt bereits im Juli 2025 feierlich eingeweiht werden. 285 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 8 sowie 27 Lehrkräfte sind zum Schuljahr 2025/2026 in das neue Gebäude eingezogen. In den kommenden Jahren wächst die Schule kontinuierlich um jeweils einen Jahrgang; bis 2031 der erste Abiturjahrgang verabschiedet wird. Dann wird die vierzügige Schule ihre endgültige Größe mit rund 900 Schülerinnen und Schülern erreicht haben.
Der Landkreis Dachau gehörte in den vergangenen Jahren zu den am stärksten wachsenden Landkreisen in der Metropolregion München. Die Kapazität der drei bestehenden Gymnasien reicht nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Mit der Rückkehr zum G9 und dem damit verbundenen zusätzlichen Jahrgang ab 2025/2026 verschärft sich die Situation nochmals. Der Kreistag stimmte daher frühzeitig für den ungewöhnlichen Vorschlag der Verwaltung: Den Bau von gleich zwei neue Gymnasien.
In Karlsfeld entstand in Trägerschaft des Landkreises Dachau und mit Beteiligung der Landeshauptstadt München ein fünfzügiges Gymnasium für rund 1200 Schülerinnen und Schüler. Für das zweite Großprojekt in Röhrmoos suchte der Landkreis gezielt nach einem alternativen Umsetzungsmodell, um die parallele Realisierung zu stemmen: die Umsetzung im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft.
Eine Öffentlich-Private-Partnerschaft ist eine langfristige Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft. Dabei übernimmt ein privater Partner wesentliche Aufgaben wie Planung, Bau, Finanzierung, Betrieb und Instandhaltung eines Gebäudes, während die öffentliche Hand Eigentümer bleibt und die gemeinwohlorientierten Ziele wahrt.
Im Falle des Gymnasiums Röhrmoos wurde die Firma Goldbeck mit der Gesamtumsetzung beauftragt. Das Unternehmen verantwortete nicht nur die Planung und den Bau, sondern auch die Zwischenfinanzierung sowie den Betrieb und die Instandhaltung für die kommenden 25 Jahre.
Kostensicherheit
Für den Landkreis bedeutet dieses Modell eine deutliche Entlastung: Es garantiert Kostensicherheit, sorgt für eine schnelle und termingerechte Umsetzung und verknüpft Bauqualität direkt mit dem späteren Betrieb. „Das ÖPP-Verfahren ermöglicht uns, die Risiken fair zwischen Landkreis und dem Unternehmen zu verteilen und gleichzeitig die Qualität über den gesamten Lebenszyklus der Schule abzusichern“, betont Landrat Stefan Löwl.
Dass der Landkreis Dachau diesen innovativen Weg wählte, war kein Sprung ins kalte Wasser. Bereits beim Bau einer Katastrophenschutzhalle sammelte die Kreisverwaltung gute Erfahrungen mit einem vergleichbaren ÖPP-Modell. Die Einhaltung von Terminen und Kosten sowie die hohe Qualität der Bauausführung überzeugten. Diese Erfahrungen gaben den Ausschlag, das Modell nun auch bei einem großen Schulbauprojekt einzusetzen.
Das Gymnasium Röhrmoos wurde im Stil des Münchner Lernhauskonzepts vom Architekturbüro Auer Weber Assoziierte GmbH entworfen und von Goldbeck termingerecht realisiert. Auf rund 7800 Quadratmetern Nutzfläche vereint das Gebäude einen sprachlichen sowie einen naturwissenschaftlich-technologischen Zweig.
Es gliedert sich in fünf großzügige Lernhäuser, eine zentrale Aula, moderne Fachräume, eine Mensa mit Außensitzbereich sowie Sport- und Freiflächen. Dazu gehören ein Beachvolleyballfeld sowie eine bereits bestehende Dreifachsporthalle, die dem örtlichen Verein gehört.
Das Lernhauskonzept fördert sowohl individuelles Arbeiten als auch gemeinschaftliches Lernen und schafft flexible Strukturen für eine inklusive Schulentwicklung. „Das neue Gymnasium Röhrmoos ist ein Ort des Lernens und der Gemeinschaft sowie ein bedeutender Baustein für die Bildungsregion Landkreis Dachau“, betonte Kultusministerin Anna Stolz (FW) bei der Einweihung.
Großen Wert legte der Landkreis auf eine nachhaltige Bauweise. Zum Einsatz kamen Holz und Recycling-Baustoffe, ergänzt durch eine großflächige Photovoltaikanlage. Die landschaftsarchitektonische Gestaltung übernahm das Dachauer Büro Luska Freiraum GmbH, das auf eine naturnahe Einbindung und attraktive Aufenthaltsflächen setzte.
Zur Eröffnung nutzen 285 Schülerinnen und Schüler in zwölf Klassen mit 27 Lehrkräften um Schulleiter Peter Sander das Gebäude. Insgesamt stehen 42 Klassenzimmer, zwölf Fachräume sowie eine offene Ganztagsschule unter Trägerschaft der AWO zur Verfügung. Langfristig wird das Gymnasium, wie bereits kurz erwähnt, Lernort für rund 900 Schülerinnen und Schülern. Zentral im östlichen Landkreis und mit guter ÖPNV Anbindung gelegen, ist die Schule optimal aus den umliegenden Gemeinden erreichbar.
Kultusministerin Stolz sprach von einem „architektonischen und pädagogischen Vorzeigeprojekt für Bayern“. Tatsächlich zeigt Röhrmoos, dass durch eine kluge Kombination aus innovativer Architektur, pädagogischem Konzept, nachhaltiger Bauweise und einem zukunftsorientierten ÖPP-Modell Bildungsinfrastruktur entstehen kann, die schnell, wirtschaftlich und langfristig tragfähig ist. (Sina Török)
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