Der Erweiterungsbau des Gymnasiums Kirchseeon zeigt, dass nachhaltiger Schul-bau gleichzeitig schnell, günstig und wirtschaftlich sein kann. Entscheidend war da-bei neben dem Baustoff Holz das Zusammenspiel aus frühzeitiger Optimierung des Raumprogramms, funktionaler Leistungsbeschreibung, integraler Projektorganisation und industrieller Vorfertigung.
Der dreigeschossige Erweiterungsbau wurde innerhalb eines Jahres in Massivholzbauweise errichtet und pünktlich zum Schuljahresbeginn 2026/27 in Betrieb genommen. Auf rund 4125 Quadratmeter Bruttogrundfläche entstanden unter anderem 25 allgemeine Unterrichtsräume. Herzstück sind aber zehn sogenannte Marktplätze: großzügige Differenzierungsflächen vor den Unterrichtsräumen, die für Gruppenarbeiten, individuelles Lernen und offene Unterrichtsformen genutzt werden können und die Klassenräume funktional erweitern.
Möglich machte dies eine besondere brandschutztechnische Lösung mit zwei getrennten Rettungswegen und Verbindungstüren zwischen den Unterrichtsräumen. Mit der Erweiterung wächst das Gymnasium von vier auf sechs Züge und bietet nun Platz für rund 1400 Schülerinnen und Schüler.
Ein erstes Raumprogramm sah noch mehr als 5000 Quadratmeter Bruttogrundfläche und Projektkosten bis zu 28,4 Millionen Euro vor. Durch eine vorgeschaltete Leistungsphase null mit LernLandSchaft aus Röckingen wurden sämtliche funktionalen und pädagogischen Anforderungen gemeinsam mit Schule, Bauherr und Planern überprüft. Dabei ging es vor allem um die bessere Nutzung von Neubau und Bestand. Im Ergebnis konnte die Bruttogrundfläche um mehr als 1100 Quadratmeter reduziert werden. Allgemeine Unterrichtsräume wurden im Neubau konzentriert, Fachräume bleiben im Bestand und wurden erweitert. Die Baukosten für die gesamte Maßnahme reduzierten sich auf 15 Millionen Euro.
Auch bei der Vergabe ging der Landkreis neue Wege. Statt einer klassischen gewerkeweisen Vergabe wurde eine systemoffene funktionale Leistungsbeschreibung erstellt und die Bauleistung an einen Totalunternehmer vergeben. Dadurch konnten Planung, Fertigung und Montage frühzeitig aufeinander abgestimmt und Schnittstellen reduziert werden. Gleichzeitig blieben die Anforderungen an Qualität, Funktion und Gestaltung klar definiert.
Ein Schwerpunkt des Projekts ist die Nachhaltigkeit. Die Anforderungen der bayerischen Holzbauförderung wurden bereits in die Vergabe einbezogen. Das Gebäude wurde vollständig aus Brettsperrholz errichtet. Die verwendeten Holzelemente stammen aus nachhaltig bewirtschafteten, PEFC-zertifizierten Wäldern. Rund 1035 Tonnen Kohlendioxid werden dadurch langfristig im Gebäude gebunden.
Die Gebäudekonstruktion wurde auch konsequent auf Wirtschaftlichkeit ausgelegt. Ein kompakter Baukörper mit übereinanderliegenden Grundrissen erleichterte die industrielle Vorfertigung. Auf ein Untergeschoss wurde verzichtet; die technische Infrastruktur ist stattdessen in den Regelgeschossen und im Dachgeschoss untergebracht. Die Wärmeversorgung erfolgt über die Hackschnitzelheizung des Bestandsgebäudes. Ergänzt wird sie durch eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Außen liegender Sonnenschutz und Nachtauskühlung machen eine aktive Kühlung entbehrlich. Eine Photovoltaikanlage mit rund 100 kWp ist in Planung.
Die komplette Holztragkonstruktion wurde digital geplant. Sämtliche Wand-, Decken- und Dachelemente wurden anschließend CNC-gesteuert in Bobingen montagefertig hergestellt. Insgesamt wurden 28 Lkw-Ladungen exakt nach der Reihenfolge ihrer späteren Montage disponiert. Die Bauteile konnten unmittelbar vom Auflieger eingebaut werden; Zwischenlagerflächen auf der Baustelle waren praktisch nicht erforderlich.
Gerade beim Bauen neben dem laufenden Schulbetrieb konnten dadurch Lärm- und Staubbelastungen sowie die Bauzeit deutlich reduziert werden.
Bauherr ist der Landkreis Ebersberg. Die Generalplanung übernahm das Büro Beslmüller Kiesewetter Studio_Plus Architekten aus München. Die Bauausfüh-rung erfolgte auf Basis der funktionalen Leistungsbeschreibung durch den Totalunternehmer Kleusberg GmbH & Co. KG. Die Holzbauplanung sowie die Werk- und Detailplanung der Konstruktion wurden von ABA Holz van Kempen GmbH übernommen. Die Brettsperrholzelemente stammen von KLH Massivholz.
Nachhaltiger und wirtschaftlicher Schulbau ist vor allem eine Frage guter Planung. Die Kombination aus früher Optimierung des Raumprogramms, funktionaler Leistungsbeschreibung, industrieller Vorfertigung und kompakter Holzbauweise sorgt für Termin- sowie Kostensicherheit und schafft zugleich moderne Lernräume. Viele der entwickelten Lösungen lassen sich auch auf andere kommunale Bildungsbauten übertragen. Kurz gesagt: Nicht Holz allein spart Geld – auch gute Planung spart Geld. (Laura Tendel)
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