Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte im Herbst 2014 wurde die ehemalige US-Wohnsiedlung Askren Manor (jetzt Bellevue) zu einem Konversionsschwerpunkt in der Stadt Schweinfurt. Von Beginn an war klar, dass die ursprüngliche Funktion als Wohnquartier erhalten werden sollte.
Über einen offenen städtebaulichen Wettbewerb wurde bereits vor dem endgültigen Abzug der Streitkräfte nach Lösungen für ein lebendiges und zukunftsfähiges Stadtquartier gesucht, das der Nachfrage unterschiedlicher Zielgruppen gerecht wird. Im Ergebnis konnten große Teile der verkehrlichen und technischen Erschließung sowie Teile des Gebäudebestands in die Neuordnung des Quartiers integriert, wo erforderlich sinnvoll modifiziert und damit ein spannender Dialog aus Alt und Neu gefunden werden.
Das städtebauliche Konzept schafft mit einer aufgespannten Parkanlage eine neue Mitte im Stadtviertel mit differenzierten Erlebnis- und Aufenthaltsqualitäten und verbindet die vielfältigen Wohnformen, die gewerbliche Bauflächen und den Bildungsstandort miteinander.
So konnte beispielsweise auch das bisher größte Neubauprojekt der Stadt- und Wohnbau Schweinfurt GmbH (SWG) einen zentralen Standort am Quartierseingang von Osten finden und damit wesentlich zu einer positiven Adressbildung des Stadtteils Bellevue beitragen. In vier Bauabschnitten entstanden acht Häuser mit insgesamt 121 Wohnungen. Davon sind 29 freifinanzierte Mietwohnungen und 74 öffentlich geförderte Mietwohnungen, 18 Eigentumswohnungen und eine Gewerbeeinheit.
Durch die Entstehung des neuen Stadtteils Bellevue musste und durfte mit steigenden Schülerzahlen für die in Schweinfurt bereits bestehende Körnerschule gerechnet werden. So begründete der Schulentwicklungsplan den Neubau der Körnerschule. Der Schweinfurter Stadtrat beschloss in einer Sondersitzung im November 2016, im neuen Stadtteil Bellevue die Neuerrichtung einer 3-zügigen Grundschule zusammen mit einer Kindertagesstätte, einer 2-Feld-Sporthalle sowie den dazugehörenden Freianlagen.
Der erste Preis des darauffolgenden Architekturwettbewerbs ging an sdks Architekten zusammen mit landschaftsarchitekten und ökologie, beide aus Darmstadt.
Das Ensemble überzeugt mit seiner städtebaulichen Anordnung und macht in einem kompakten Bauvolumen die unterschiedlichen Nutzungen am Bildungsstandort aus Schule, Kindertagesstätte und Sporthalle ablesbar. Über einen gefassten Vorplatz erreicht man vom öffentlichen Straßenraum die Eingänge zur Schule und zur Kindertagesstätte. Die Schule empfängt ihre Besucher in einem offenen Foyer, das gleichzeitig die Möglichkeit des Aufenthalts bietet und die zentrale Verteilfunktion der Erschließung übernimmt.
Die gesamte innere Erschließung ist geprägt von spannungsreichen Durchblicken, sorgfältig ausgearbeiteten Innen- und Außenraum-bezügen sowie durch den geschickten Einsatz von Tageslicht. So bieten die drei Innenhöfe nicht nur Orientierung im Gebäude, sondern auch unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten und ausreichend Tageslicht im Gebäudeinneren.
Im gesamten Gebäude sorgen ein abgestimmtes Farbkonzept, detailliert geplante Einbaumöbel und reduzierte Brüstungshöhen der Fenster für ein kindgerechtes und kommunikatives Miteinander.
Große bodentiefe Fensterflächen
Der Hortbereich bildet die Schnittstelle zur eingeschossigen Kindertagesstätte im Süden, die mit großen bodentiefen Fensterflächen ebenfalls einen guten Freiraumbezug bietet und über getrennte Freiräume für Kindergarten und Krippenbereich verfügt.
Alle Dachflächen sind begrünt und werden mit PV-Anlagen ausgestattet, die Wärmeversorgung erfolgt über das städtische Fernwärmenetz.
Die neu entstandene Paul-Maar-Grundschule ist ausgelegt für vier Jahrgangsstufen (Klasse 1 bis 4) und bietet durch offene Lernlandschaften mit Klassenräumen, Gruppenräumen, Marktplatz und Innenhof die Möglichkeit, neue pädagogische Konzepte umzusetzen. Mit Beginn des Schuljahres 2025/26 gehen aktuell 151 Schülerinnen und Schüler in sieben Klassen hier zur Schule – insgesamt ist die neue Schule dreizügig ausgelegt, das heißt, es können bis zu drei Klassen pro Jahrgangsstufe (insgesamt maximal zwölf Klassen) eingerichtet werden. Der Höchststand der Schülerzahlen wird nach den regionalisierten Schülerprognosen des Kultusministeriums voraussichtlich im Jahr 2031 erreicht.
Die Paul-Maar-Schule ist nun Hauptstelle der Körnerschule, die aufgrund der steigenden Grundschülerzahlen in Schweinfurt ebenfalls noch besteht.
Die an die Schule angeschlossene Kindertagesstätte bietet 24 Plätze in der Krippe (aufgeteilt auf zwei Gruppen), 52 Plätze im Kindergarten (ebenfalls aufgeteilt auf zwei Gruppen) und 25 Plätze im Hort. Träger ist die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Schweinfurt, die bereits zahlreiche Kindertagesstätten in Schweinfurt betreibt.
Das Bauvorhaben hat durch diese enge Anbindung einer Kita an eine Schule Modellcharakter. Es ist ein fließender Übergang der Kinder aus der Kindertagesstätte in die Grundschule und damit in den Hort möglich.
Abgerundet wird der hier neu entstandene „Bildungs-Campus“ durch eine moderne Sporthalle, die als Doppelsporthalle mit verbreitertem Spielfeld nicht nur für den Schulsport, sondern auch für den Vereins- und Wettkampfsport genutzt werden kann.
Die Gesamtkosten des Bauprojekts liegen bei rund 35,13 Millionen Euro, insgesamt erhielt die Stadt Schweinfurt hierfür Fördergelder in Höhe von etwa 27,58 Millionen Euro.
Die Paul-Maar-Grundschule mit Kita, Hort und Turnhalle ist ein modernes, zukunftsgewandtes Bauprojekt. Doch es ist mehr als Beton, Glas und Technik – es ist ein Versprechen: Das Versprechen, dass gute Bildung allen Chancen eröffnet, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Schweinfurt setzt hier auf Nachhaltigkeit – energetische Effizienz, ressourcenschonenden Betrieb und eine Lernkultur, die Verantwortung für die Zukunft stärkt. > BSZ
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