Die Stiftung Kulturerbe Bayern hat vor Kurzem das Büro Brückner & Brückner Architekten mit der Planung des zweiten Bauabschnitts für die Instandsetzung und Wiederbelebung von Schloss Erkersreuth (Selb) betraut. Das Büro mit Standorten in Tirschenreuth und Würzburg bringt besondere Erfahrung im Umgang mit historischer Bausubstanz, komplexen Umbauaufgaben und sensiblen Denkmälern mit. Gleichzeitig stehen Brückner & Brückner Architekten aber auch beispielhaft für eine Architekturhaltung, die Bestand nicht lediglich saniert, sondern aus seiner Geschichte heraus weiterentwickelt. Der zweite Bauabschnitt des Projekts Schloss Erkersreuth umfasst als zentrale Bausteine die denkmalgerechte Instandsetzung der Innenräume sowie die Erneuerung der technischen Gewerke. Im Erdgeschoss des Schlosses soll künftig eine kleine Gastronomie oder auch ein Café entstehen.
Derzeit läuft die statisch-konstruktive Sanierung des Daches sowie der Holzbalkendecken des Schlosses.
1748 erbaut
Johann Christian August von Lindenfels, ein Gefolgsmann des Markgrafen von Bayreuth, ließ das Schloss Erkersreuth 1748 in der Nähe der oberfränkischen Stadt Selb erbauen. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieser Ort untrennbar mit einem der aufregendsten Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte verbunden.
1879 legte Geheimrat Philipp Rosenthal (1855 bis 1937) im Schloss mit einer Porzellanmalerei den Grundstein für seine weltbekannte Marke. Sein Sohn Philip gestaltete das Schloss ab 1950 nach seinen Vorstellungen um und verband – so sein Motto – „das echt Neue mit dem echt Alten“. Jeder Raum überrascht mit ungewöhnlichen Eindrücken und Perspektiven: Moderne Porzellankunst von internationalen Künstlern jener Zeit trifft auf fränkischen Barock – eine Mischung, die fasziniert und weltweit einzigartig ist.
Nach der Emigration seiner Familie nach England kehrte Philip Rosenthal 1947 nach Selb zurück. 1950 trat er in die von seinem Vater gegründete Porzellanmanufaktur ein. Gleichzeitig machte er Schloss Erkersreuth zum Begegnungsort von Politik, Wirtschaft und Kunst.
Als Erlebnisort für alle soll das denkmalgeschützte Schlossensemble Erkersreuth künftig Gäste für Veranstaltungen, Tagungen, private und öffentliche Events empfangen. Ebenso soll hier ein Raum für Kultur und Erholung entstehen – für die Menschen aus der Region genauso wie für (Kultur- und Natur-)Touristen.
Mit der Vergabe an das renommierte Architekturbüro rückt die künftige Nutzung des gesamten Schlossareals in den Mittelpunkt. Neben der Innensanierung des Schlosses und der technischen Erneuerung geht es bei dieser Phase in der Planung und Umsetzung um zentrale Fragen der Weiterentwicklung: Wie lässt sich historische Substanz sichern? Wie können neue Nutzungen denkmalgerecht integriert werden? Und wie wird aus dem Schloss ein Ort, der künftig wieder öffentlich erlebt und genutzt werden kann?
„Mit dem Start der Dachsanierung haben wir einen wichtigen Schritt zur Sicherung des Schlosses getan. Mit der Vergabe der Planungsleistungen für den zweiten Bauabschnitt richten wir den Blick auf die künftige Nutzung des gesamten Ensembles“, erklärt Nikolaus Walther, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Kulturerbe Bayern.
Der zweite Bauabschnitt umfasst mehrere zentrale Bausteine. Im Schloss selbst ist, wie bereits eingangs erwähnt, die Innensanierung, inklusive der Erneuerung der technischen Gewerke, vorgesehen. Das Erdgeschoss soll künftig eine kleine Gastronomie oder auch ein Café aufnehmen. Darüber hinaus sollen weitere Gebäudeteile des Ensembles entwickelt werden. Das Brunnenhaus wird instand gesetzt und statisch ertüchtigt. Das Verwaltergebäude soll ohne größere Umbaumaßnahmen umfassend saniert werden.
Atelierflächen
Für die Tenne ist im Erdgeschoss ein Rückbau mit anschließendem Neubau beziehungsweise Teilneubau vorgesehen, um dort beispielsweise Seminar- und Veranstaltungsräume zu schaffen. Das Obergeschoss soll als großer, offener Raum für Veranstaltungen und Atelierflächen erhalten beziehungsweise neu gedacht werden.
Bei einem solchen Vorhaben greifen Architektur, Tragwerk, Nutzung und Denkmalpflege unmittelbar ineinander. Statische Eingriffe müssen mit vorhandenen Raumfassungen, Stuck, Putzflächen und historischen Konstruktionen abgestimmt werden. Ebenso erfordern diese Sanierungsmaßnahmen eine enge Betreuung auf der Baustelle und eine präzise Abstimmung aller Fachplanungen. Aus diesem Grund wurden Objektplanung und Tragwerksplanung in einer Ausschreibung zusammengeführt und Brückner & Brückner Architekten gemeinsam mit Sailer Stepan Tragwerkteam beauftragt.
„Die Sanierung eines historischen Ensembles ist keine rein technische Aufgabe“, erklärt Günter Horn, verantwortlicher Partner und Projektleiter bei Brückner & Brückner Architekten. „Jede Entscheidung muss aus dem Bestand heraus entwickelt werden.“
Brückner & Brückner Architekten zählen zu den profilierten Architekturbüros in Bayern, wenn es um das Weiterbauen an besonderen Orten geht. Das Büro verbindet Erfahrung im Bauen im Bestand mit einem klaren Gespür für Material, Atmosphäre, Nutzung und öffentliche Wirkung.
Zu den bekannten Referenzen zählen unter anderem das Diözesanmuseum in Freising, der Kulturspeicher Würzburg und der Erinnerungsort Olympia-Attentat 1972 in München. Sie sind in allen Regierungsbezirken Bayerns und darüber hinaus mit prägenden Projekten vertreten, darunter das Neue Kurhaus Bad Alexandersbad, Kirche und sozial-caritatives Zentrum St. Anton in Schweinfurt, die Sanierung des Neuen Fuggerschlosses in Babenhausen oder die Christuskirche in Neumarkt in der Oberpfalz sowie die Kletterhalle in Tirschenreuth.
Geschichte bewahren
„Das Projekt Schloss Erkersreuth fasziniert durch seine starke historische Substanz und seine besondere Bedeutung für die Region – geprägt durch die visionäre Kraft des Unternehmers Philip Rosenthal. Es ist eine anspruchsvolle denkmalpflegerische Aufgabe und wir freuen uns darauf, diesen Ort wieder öffentlich erlebbar zu machen. Kulturerbe Bayern hat bereits mit seinen bisherigen Projekten gezeigt, wie Denkmalschutz heute weitergedacht werden kann: als Sicherung historischer Substanz, aber auch als Öffnung, Vermittlung und Einladung. Diese Haltung passt gut zu unserem Verständnis von Architektur. Es geht darum, die Eigenart eines Ortes zu verstehen und daraus Räume zu entwickeln, die Geschichte bewahren und zugleich neue Nutzung ermöglichen“, betont Peter Brückner von Brückner & Brückner Architekten.
(FHH/BSZ)
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