Politik

24.09.2026

Soll es an größeren Bahnhöfen Zugangskontrollen geben?

In einigen anderen sind Zugangskontrollen zu den Bahnhöfen ganz normal. Angesichts zunehmender Gewalt gegenüber Bahnpersonal könnte sich auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) so etwas für größere Bahnhöfe in Deutschland vorstellen. Auch Stephan Stracke (CSU), Vizevorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, stünde der Idee offen gegenüber. Für Marco Kragulji, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, würden sich so aber keine Sicherheitsprobleme lösen

Die Zahl der Übergriffe auf Beschäftigte der Bahn ist im Jahr 2026 weiter gestiegen – im Schnitt kommt es zu rund fünf bis acht Vorfällen pro Tag. Könnten Zugangsbeschränkungen zu den Bahnhöfen eine Lösung sein?

JA

Stephan Stracke, Vizevorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag

Zugangsbeschränkungen an großen Bahnhöfen sind eine gute Idee. Sie können bereits ergriffene Maßnahmen wie die erhöhte Präsenz von DB-Sicherheitskräften oder Bodycams für Zugbegleiter sinnvoll ergänzen. Die positiven Effekte liegen auf der Hand: Die Zahl der Menschen an Bahnsteigen und in Zügen würde sich auf diejenigen mit gültigem Fahrschein reduzieren. Dadurch könnten potenzielle Täter nicht ohne erhöhten Aufwand in Züge gelangen und Mitfahrenden Schaden zufügen. Diese Gewissheit würde wiederum das Sicherheitsgefühl der Menschen bei der Nutzung von Zügen verbessern.

Natürlich wird die Umsetzung einer solchen Maßnahmen mit Aufwand und Einschnitten einhergehen – die üblichen Bedenkenträger ließen mit Beiträgen nicht lange auf sich warten. Ihnen kann ich nur raten, einen Blick auf andere Länder in Europa oder Asien zu werfen. Dort funktioniert es gut, nur mit einem gültigen Ticket ans Gleis zu kommen. Für mich ist jedenfalls klar: Um die Menschen in Bahnhöfen und Zügen besser zu schützen, müssen wir so viel wie möglich tun. Dazu gehören auch Zugangsbeschränkungen.

NEIN

Marco Kragulji, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn

Zugangskontrollen an Bahnhöfen lösen keine Sicherheitsprobleme, sondern schaffen neue Probleme für die Fahrgäste. Das zeigt auch der Blick nach Großbritannien: Trotz des dort üblichen Systems mit Zugangskontrollen kam es im November 2025 zu einem Messerangriff in einem Zug. Wer Menschen im Zug oder auf dem Bahnsteig angreifen will, lässt sich von einer Bahnsteigsperre nicht aufhalten – ein Ticket kann jeder kaufen.

Stattdessen braucht es mehr ansprechbares Personal von Bundespolizei und DB-Sicherheit sowie gezielte technische Lösungen. Bahnsteigsperren passen zudem schlecht zum deutschen Bahnsystem: ICE, Regionalzüge und S-Bahnen nutzen vielfach dieselben Bahnsteige. Gerade bei knappen Anschlüssen und kurzfristigen Gleiswechseln würden Sperren zusätzliche Wartezeiten verursachen. Bahnhöfe müssen offen und gut zugänglich bleiben. Die Fahrkarte sollte weiterhin im Zug kontrolliert werden. 
 

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