Politik

06.11.2026

Ist es sinnvoll, dass Apotheken impfen dürfen?

Apotheken dürfen inzwischen neben Grippe und Corona auch weitere Impfungen mit Nichtlebendimpfstoffen anbieten. Ist das ein sinnvoller zusätzlicher Zugang – oder gehören Impfungen grundsätzlich in die Arztpraxis?

JA

Von Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands

Impfungen gehören zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gegen ansteckende Krankheiten. Geimpfte schützen nicht nur sich selbst, sondern indirekt auch nicht geimpfte Personen in ihrem Umfeld. Und Impfungen sind sicher. Umgehend behandlungsbedürftige Impfreaktionen sind äußerst selten.

Seit gut fünf Jahren dürfen Apothekerinnen und Apotheker gegen Grippe und Corona impfen. Sie sind aufgrund ihres Studiums Fachleute für Impfstoffe und werden für die Impfungen eigens durch Ärzte geschult. Mit der in diesem Jahr beschlossenen Apothekenreform hat der Gesetzgeber die Impfmöglichkeiten um alle Nichtlebendimpfstoffe erweitert. In Ländern wie etwa Irland, Portugal oder Frankreich ist das seit Jahren bewährt. Apotheken ergänzen damit das bestehende Impfangebot und ermöglichen einen einfachen, wohnortnahen Zugang zu Impfungen. Es ist klarer Wille der Politik, die Impfquoten zu erhöhen. Wir tragen unseren Teil gerne dazu bei!

NEIN

Von Christian Pfeiffer, Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns

Als Hausarzt bin ich überzeugt, dass Impfungen grundsätzlich in die Arztpraxis gehören. Ich kenne meine Patientinnen und Patienten, ihre Vorerkrankungen und Medikamente. Deshalb kann ich beurteilen, welche Impfung sinnvoll ist und worauf besonders zu achten ist. Hinzu kommt: Solange eine zentrale Impfdokumentation fehlt, erfahre ich nicht automatisch, wer sich in der Apotheke impfen lässt. Das erschwert unseren Überblick, macht Impferinnerungen unzuverlässiger und sorgt für zusätzliche Arbeit. Und schließlich sehe ich keinen Beleg dafür, dass Apotheken die Impfquoten entscheidend erhöhen. Nach den bisherigen Erfahrungen verteilen sich vor allem diejenigen auf mehrere Angebote, die ohnehin impfbereit sind. Eine echte Entlastung für meine Kollegen und mich sowie unsere Praxisteams ist das nicht. Wo es zu wenige ärztliche Impfangebote gibt, können Apotheken gezielt helfen – aber nur in enger Abstimmung mit den Praxen vor Ort.

 

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