Bauen

Die ausgebaute Ostrach im Stadtgebiet Sonthofen, 2. Bauabschnitt. (Fotos WWA Kempten)

08.07.2020

Ökologisch und sicher

Hochwasserschutzmaßnahmen an der Ostrach, dem größten Wildbach im Allgäu

Nach mehr als acht Jahren Bauzeit ist der Hochwasserschutz an der Ostrach auf einer Länge von rund 4,3 Kilometern – von der Mündung in die Iller bis einschließlich dem Stadtteil Binswangen – gewährleistet. Der Hochwasserschutz ist nun nach den letzten Arbeiten voll funktionsfähig. Somit werden nun etwa 4500 Bewohner von Sonthofen und Burgberg wesentlich besser vor dem Hochwasser der Ostrach geschützt.

Die Hochwasserereignisse in den Jahren 1999 und 2005 haben die Hochwassergefahr an der Ostrach, dem größten Wildbach im Allgäu, deutlich aufgezeigt. Die Abflussspitzen beider Hochwasserereignisse führten um die 300 Kubikmeter pro Sekunde. Aufgrund der Wildbachcharakteristika steigt der Pegel der Ostrach bei Regenereignissen sprunghaft an und birgt aufgrund der großen Geschiebe- und Schwemmholzfracht zusätzliche Gefahren. Gerade im Bereich unmittelbar entlang der besiedelten Flächen der Stadt Sonthofen und der Gemeinde Burgberg sind Deiche aufgrund von Überströmungen gebrochen, welche erhebliche Überflutungen und Schäden verursachten.

Der Schutzstandard insbesondere der Flussdeiche entlang des Gewässers wies erhebliche Defizite auf. Die vorhanden Deichhöhen beziehungsweise die Freiborde waren über längere Strecken nicht ausreichend. Dazu kam, dass die Deichgeometrie sowie die Standsicherheit nicht den heutigen technischen Anforderungen entsprachen.

4,3 Kilometer
lange Ausbaustrecke

Aufgrund dieser Ausgangssituation hat das Wasserwirtschaftsamt Kempten ab dem Jahr 2005 die Planung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz für eine Ausbaustrecke von rund 4,3 Kilometern begonnen. Die Planungsleistungen bis einschließlich der Genehmigungsplanung wurden überwiegend durch das Wasserwirtschaftsamt Kempten in Eigenregie ausgeführt. Im Jahr 2010 ist für die Planung der wasserrechtliche Planfeststellungsbeschluss erteilt worden. Im Anschluss an die Planfeststellung wurden die restlichen Planungsaufträge an eine Ingenieurgemeinschaft, die sich für dieses Planungsprojekt aus mehreren Ingenieurbüros zusammengeschlossen hat, vergeben.

Der Bau des Mammutprojekts konnte dann im Jahr 2011 starten und wurde ohne größere Verzögerungen in mehreren Bauabschnitten Zug für Zug umgesetzt. Die einzelnen Bauabschnitte wurden jeweils in separaten europaweiten Vergabeverfahren ausgeschrieben und vergeben.

Ziel der Maßnahme war es, einen einheitlichen Hochwasserschutz nach Stand der Technik an allen Deichabschnitten und Kreuzungsbauwerken herzustellen. Neben dem technischen Hochwasserschutz wurde die Ostrach in der gesamten Baustrecke ökologisch durchgängig ausgebaut und aufgewertet.

Für die gewählte Lösung zum Ausbau des Gewässers und der Hochwasserschutzbauwerke sind entlang der Ostrach unterschiedliche Maßnahmen durchgeführt worden. Das Gewässerbett wurde, soweit es die bestehenden örtlichen Nutzungsverhältnisse zugelassen haben, auf einer Länge von rund 2,4 Kilometern aufgeweitet. Aufgrund der oftmals sehr dichten und nahen Bebauung zum Wildbach hin gab es hier nur einen sehr begrenzten Entwicklungskorridor. Zahlreiche Querbauwerke wurden abgesenkt und die Gewässersohle über weite Strecken von etwa 2,9 Kilometern eingetieft, um den notwendigen Abflussquerschnitt für den Bemessungsabfluss zu erreichen. Dort, wo es aufgrund der angrenzenden Bebauung möglich war, wurden Deiche rückverlegt.

Die gesamten vorhandenen Deichstrecken wurden saniert. Dazu wurde der bestehende Be-wuchs entfernt und die Deiche über einen großen Bereich mit Innendichtungen als Erosions-schutz ertüchtigt. Die Deiche wurden zugänglich und die Deichkronen sind nun mit befahrbaren Wegen zur Unterhaltung und Deichverteidigung ausgestattet. Zusätzlich wurden auf rund 1,4 Kilometern neue Deiche errichtet.

Dort, wo aus Platzgründen unter Beachtung des anschließenden Baubestands keine Deiche möglich waren, wurden Hochwasserschutzmauern errichtet beziehungsweise angepasst. Die Ufer sind zusätzlich mit Wasserbausteinen gesichert worden. An zwei Einleitungen von Mühlkanälen wurden zwei Schöpfwerke gebaut. Dadurch soll die Hochwasserrückstaugefahr vermindert werden. An der Ausleitung eines Mühlkanals wurde ein Verschlussbauwerk angebracht, welches bei einem Hochwasser den Zulauf zu dem Schöpfwerk reduziert.

Da an bestehenden Brückenbauwerken der Abflussquerschnitt unter Beachtung des erforderlichen Freibords nicht ausreichend war, musste eine Straßenbrücke abgerissen und durch eine Brücke mit einer rund einem Meter höheren Brückenunterkante und ohne Mittelpfeiler ersetzt werden. Hierzu musste die bestehende Straßenanbindung an die neue Höhenlage angepasst werden.

Eine Fußgängerbrücke an der Mündung zur Iller wurde unter Beachtung des Freibords versetzt. Bei zwei weiteren Brückenbauwerken wurde durch Sohleintiefung das Abflussvermögen unter den Bauwerken verbessert. Hierzu wurden aufwendige Unterfangungen der Fundamente notwendig. Aufgrund der Aufweitung und Eintiefung über weite Strecken von ein bis zwei Metern mussten etwa 20 Spartenquerungen an die neue Höhenlage angepasst werden.

Der Bemessungsabfluss eines 100-jährigen Hochwasserereignisses der Ostrach beträgt nun inklusive eines 15 prozentigen Klimaanpassungsfaktors, unter der Berücksichtigung weiterer Gewässereinleitungen, 338 m³/s.
Neben dem technischen, harten Ausbau zum Hochwasserschutz wurden sämtliche Querbauwerke durch ökologisch durchgängige Rampen ersetzt. Des Weiteren wurden durch den Einbau von Buhnen und Störsteinen die Strömungsverhältnisse an der Ostrach positiv beeinflusst. Zudem wurden neben dem Hochwasserschutz weitere Aspekte berücksichtigt, wie zum Beispiel die Schaffung von Zugänglichkeiten an den Wildbach.

Der damals geschätzte Kostenrahmen aus dem Jahr 2011 von rund 25 Millionen Euro konnte erfreulicherweise eingehalten werden. Neben dem Freistaat Bayern haben sich die Stadt Sonthofen, die Gemeinde Burgberg sowie der Landkreis Oberallgäu an den Ausbaukosten beteiligt. Zusätzlich wurde der erste Bauabschnitt von der Europäischen Union kofinanziert.

Bereits während der Planung wurde das Wasserwirtschaftsamt Kempten unter anderem durch den erforderlichen Grunderwerb entlang der Ostrach von der Stadt Sonthofen sowie von der Gemeinde Burgberg tatkräftig unterstützt. (Stefanie Kienle)

(Die Ostrach in Sonthofen beim Hochwasser 2005. Bau eines Schutzwehrs und einer Hochwasserschutzwand in Sonthofen - Fotos: WWA Kempten)

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