Bauen

Stephanie Sierig ist die Initiatorin des BayIka-Frauennetzwerks. (Foto: Tobias Hase)

25.02.2026

Raum für Inspiration und Unterstützung

Bayerische Ingenieurekammer-Bau gründet neues Netzwerk für Ingenieurinnen

"Wollen wir heute ins Schwimmbad fahren?“, fragt Emil seine Mama. Und die ist hellauf begeistert, denn ihre Schwester ist Bauingenieurin und hat die neue Schwimmhalle geplant. Eine gute Gelegenheit, sich gemeinsam das Bauwerk einmal näher anzuschauen und anschließend Tante Julia im Ingenieurbüro einen Besuch abzustatten.

Was weiter geschieht, ist einem kleinen, exklusiven und nachhaltig im Carlsen Verlag produzierten Kinderbuch zu entnehmen, das Christiane Bartelsen geschrieben und Dorothea Tust illustriert hat. Diese Heftchen aus der Reihe der Pixi-Bücher liegen verteilt auf Tischen, an denen rund 70 Ingenieurinnen Platz genommen haben, die an der Abendveranstaltung zur Gründung des neuen Frauennetzwerks der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau teilgenommen haben.

Ein Tool für Sichtbarkeit und Vernetzung 

Am Ende der Geschichte, so viel sei hier verraten, steht für Emil fest: „Julia ist doch eine tolle Bauingenieurin. Und Emil weiß auch, was er später werden will: Bauingenieur.“
Womit wir auch schon beim Thema sind, das auf den Nägeln der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau (BayIka) brennt und lautet: Die Vorbildfunktion und Sichtbarkeit von Ingenieurinnen in Bayern fördern.

„Zukunft gemeinsam gestalten“ – diesen Slogan hat sich die Ingenieurekammer-Bau, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in München, auf ihre Fahnen, respektive auf ihren neuen Flyer geschrieben. Als Interessenvertretung der Ingenieurinnen und Ingenieure aus Bauwesen und Bauwirtschaft, Freien Berufen und öffentlichen Dienst im Freistaat vertritt sie gegenüber Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit die Interessen ihrer heute rund 7700 Mitglieder (davon sind rund 10 Prozent weiblich).

Das jüngst aus der Taufe gehobene Frauennetzwerk Ingenieurinnen folgt dem 2018 gegründeten Netzwerk für junge Ingenieure, darunter sind auch Frauen, die beiden Netzwerken angehören. Das neue Frauennetzwerk vereint die in der Ingenieurekammer-Bau organisierten Frauen und richtet sich an alle, die es werden wollen. Wer Berufsstand und Kammerarbeit mitgestalten, Wissen weitergeben und Nachwuchs fördern oder an Fachvorträgen und regelmäßigen Netzwerktreffen teilnehmen will, ist im Frauennetzwerk Ingenieurinnen willkommen.

„Durch die Entwicklung eines eigenen Logos und Einrichtung eines Netzwerkverteilers samt eigener E-Mail-Adresse habe man ein wichtiges Tool für Sichtbarkeit und Vernetzung geschaffen“, sagt Stephanie Sierig, Vorsitzende des Ausschusses „Leben, Arbeit, Karriere“ bei der Kammer, die ihr Hintergrundwissen mit den Zuhörern teilt.

Dem Kick-off-Event zur Gründung des Netzwerks ingenieurinnen@bayika.de war im vergangenen Jahr bereits ein erstes Treffen in der Katholischen Akademie zur Vorstellung des Netzwerks vorangegangen. Des Weiteren folgten ein Tag zum näheren Kennenlernen sowie regionale Treffen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Bauingenieurin: gestern, heute, morgen“, in der Frauen aus der Baubranche zu Wort kommen.

Die Idee zum Frauennetzwerk ist im Ausschuss Leben, Arbeit, Karriere der Ingenieurekammer-Bau mit Unterstützung des Arbeitskreises „Gleichstellung“ entstanden, erklärt Sierig. Gemeinsames Ziel ist es, Frauen nachhaltig in den Bauberufen sichtbar zu machen. Dabei stehen der fachliche wie der persönliche Austausch im Vordergrund. Sierig appelliert an die Frauen, sich auch an Wettbewerben zu beteiligen, wie beispielsweise dem von der Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen und Ziviltechnikern initiierten „another viewture award“, der die Leistungen von Frauen in Architektur und Ingenieurwesen sichtbar macht und ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung und Innovation setzt.

Ein Zeichen für Vielfalt, Gleichberechtigung und die Förderung von Talenten, will auch der Vorstand der Bayerischen Ingeneiurekammer-Bau mit seinem neuen Netzwerk setzen. Ralf Wulf, Vorstandsmitglied der Kammer und Vorstandsbeauftragter für den Ausschuss Leben, Arbeit, Karriere, wies in seinem Grußwort auf die zukunftsweisende Bedeutung dieser Gründung hin: „Der Tag markiert einen zukunftsweisenden Schritt für die Kammer. Wir sind der Meinung, dass Expertise und Perspektive von Frauen bei den Herausforderungen, die wir aktuell zu stemmen haben, wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung, erforderlich sind.“

Wulf benennt auch die Ziele des Netzwerks: „Die Plattform soll einen Raum schaffen für Inspiration, Unterstützung, gemeinsam die Zukunft zu gestalten – vielleicht aus einem etwas anderen Blickwinkel.“

Mit Blick auf die anstehende Wahl der Vorstandmitglieder im kommenden Herbst, hofft er auf weibliche Mitglieder im derzeit ausschließlich aus neun Männern bestehenden Vorstand und motiviert die „Gründungsmütter“ des Frauennetzwerks, über eine eigene Kandidatur nachzudenken.

Dass mehr Frauen in Führungsebenen zu besseren Lösungen führen, weiß die Juristin Sonja Schmutzer von den Münchner Stadtwerken, wo sie den Bereich Politik und Verbände leitet. In ihrem Gastvortrag teilte sie ihre Erfahrungen des SWM-Frauennetzwerks, das vor zehn Jahren gegründet wurde und derzeit rund 1000 Mitglieder zählt.

Erhöhte Karriere- und Beförderungschancen

„Diversität steigert die Attraktivität des Arbeitgebers“, so die Fachfrau. Wie Studien nachgewiesen haben, erhöhen Netzwerke die Karriere- und Beförderungschancen. „Je diverser die Teams, desto besser sind die Lösungen“, sagte sie. Deshalb sei es wichtig, in Frauen zu investieren. Und sie führte noch ein weiteres Argument an: Die Bekämpfung des Fachkräftemangels. Gute Gründe also, dem neuen Frauennetzwerk der Ingenieurekammer-Bau beizutreten und die Leistungen hoch qualifizierter Frauen gegenseitig sichtbar zu machen.

Die am Gründungsabend in einem Brainstorming zusammengekommenen Ideen und Wünsche für ein lebendiges Netzwerk vom Fachvortrag bis zum Stammtisch sind ein gelungener Auftakt für ein Mitreden und Mitgestalten von Ingenieurinnen in der von Frauen unterrepräsentierten Bauwirtschaft. (Angelika Irgens-Defregger)
 

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