Das Münchner Stadtmuseum ist ein kultur- und zeitgeschichtliches Museum der bayerischen Landeshauptstadt. Es wurde am 29. Juli 1888 vom damaligen Stadtarchivar Ernst von Destouches begründet. Es versteht sich als das materielle Gedächtnis der Stadt München. Seine vielfältigen Sammlungen bezeugen das historische sowie gegenwärtige Selbstverständnis der Stadt München. In den Sonder- und Dauerausstellungen werden hauptsächlich Objekte aus den eigenen Sammlungen gezeigt.
Das Museum am St.-Jakobs-Platz befindet sich auf einem geräumigen Areal im ehemaligen Zeughaus Münchens, im Marstall und in drei weiteren anliegenden Bauabschnitten. Das Zeughaus entstand 1500, erbaut von Lukas Rottaler und ist ein Bau der späten Gotik. Der ebenfalls spätmittelalterliche Marstall wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Im 20. Jahrhundert wurde das Münchner Stadtmuseum um drei weitere Bauabschnitte erweitert: den Grässeltrakt (1926 bis 1928 von Hans Grässel), den Leitenstorfertrakt (1930 bis 1931 von Hermann Leitenstorfer), den Gsaengertrakt (1959 bis 1964 von Gustav Gsaenger) und den Hofmanntrakt (1977 bis 1978 vom Architekturbüro Martin Hofmann, Tilman Erdle und Peter Wagner).
Wiedereröffnung 2031
Mit der Zeit stellte sich heraus, dass die Museumsbauten sanierungsbedürftig sind. 1999 wurde erstmals eine „dringend notwendige“ Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums festgestellt. Im Juli 2019 beschloss der Münchner Stadtrat die Generalsanierung der Gebäude. Neben der Sanierung erhält das Museum einen neuen Eingang und einen Erweiterungsbau im Innenhof.
„Für die Zeit des Umbaus und der Neukonzeption bis hin zur geplanten Wiedereröffnung 2031“, so Stadtmuseumsdirektor Markus Speidel, „stehen neben baulichen große logistische Aufgaben vor uns, denn mehr als vier Millionen Objekte müssen in externen Depots wie zum Beispiel in Freimann transportiert und aufbewahrt werden.“
Speidel betont, dass der Umbau notwendig ist, denn „die historische Substanz muss erhalten werden, Klimatisierung, Brandschutz, Sicherheitstechnik und Barrierefreiheit sind in die alten Gebäude zu integrieren“. Im Zuge der Neukonzeption soll nicht nur die Geschichte Münchens, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Fragen im Vordergrund stehen, erklärt der Museumsdirektor. Dabei werden die Sammlungen als Grundlage genutzt, um München aus unterschiedlichen Perspektiven für ein breites Publikum erfahrbar machen.
Seit 2016 plant und konzipiert das Bau- und Kommunalreferat die umfassende Neugestaltung, wobei die Thematisierung der Inhalte und die formale, architektonische Gestaltung entsprechend zum Ausdruck kommen soll. 2015 wurde das Architekturbüro Auer Weber beauftragt, die inhaltlichen Vorstellungen für das Münchner Stadtmuseum in eine Sanierungs- und Bauplanung zu übersetzen. Das betrifft den neuen Haupteingang am Rindermarkt und die Öffnung des Museums zur Stadt durch eine öffentliche Passage. Eine Überdachung des nördlichen Innenhofs mit einem großflächigen Glasdach wird ebenfalls vom Büro Auer Weber ausgeführt, die zudem den architektonischen Mittelpunkt des Museums mit einem Kubus (Würfel) gestalten, der frei im Innenhof platziert und über Brücken mit den Ausstellungsebenen verbunden ist.
Für die Ausstellungsgestaltung ist das Atelier Brückner verantwortlich, das die bisher getrennten Sammlungen stärker miteinander verbinden wird. Themen wie Stadtgeschichte, Migration, Protest, Fotografie, Musik, Mode und Alltagskultur werden künftig sammlungsübergreifend erzählt.
Lag der Schwerpunkt des Museums bisher am St.-Jakobs-Platz, so wird nun der neue Haupteingang zum Rindermarkt, nach Norden und damit zur Innenstadt ausgerichtet sein. Verwendet werden moderne Materialien wie das Glas für das Dach über dem Innenhof. Der neue Kubus erhält eine metallische Hülle mit LED-Elementen, die auf der Fassade Ausstellungen und Veranstaltungen lichttechnisch illuminieren.
Neuer Haupteingang
Geplant für das Museum ist weniger ein klassischer Ausstellungsort, als vielmehr ein öffentlicher Stadtraum mit digitalen und interaktiven Stationen, also mehr flexible Ausstellungen statt Dauerausstellungen.
Die Generalsanierung kostet nach Angaben des Museums rund 270 Millionen Euro.
Das Museum soll ein Ort der Begegnung werden und eine Plattform für gesellschaftlichen Dialog bieten, so Direktor Speidel. Für Dauerausstellungen stehen nach dem Umbau rund 4500 Quadratmeter zur Verfügung. Die Ausstellungsflächen umfassen nach Abschluss der Arbeiten insgesamt 7000 Quadratmeter.
Auch die künstliche Intelligenz wird ein wichtiger Bestandteil des neuen Konzepts sein. „Wir können sie einsetzen bei der Inventarisierung oder sie geht mit den Besuchern durch die Ausstellung informiert und erklärt“, sagt Speidel.
Noch ist kein offizieller Termin für den „Hochbau 2029“ gesetzt, aber die wesentlichen Rohbau- und Ausbauarbeiten sollen bis 2028/29 abgeschlossen sein – so die Planung. Der bestätigte Endtermin für die Wiedereröffnung bleibt bei 2031, so Speidel, der sich darauf freut und erklärt: „Das Haus, das den Menschen am Herzen liegt, ist eine Teil von München, und ich werde die Besucher bei der Eröffnung auffordern mit den Worten: Nehmtses Euch.“ (Eva-Maria Mayring)
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