Bauen

Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. (Foto: Tobias Hase)

14.01.2020

„Wir können Bau“

Kammer-Kolumne: Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, über das verantwortungsvolle Planen und Ausführen von Bauprojekten

Am 30. April 2019 gab es einen Beschluss des bayerischen Ministerrats, der alle Planerinnen und Planer aufhorchen ließ. Unter der Überschrift „Maßnahmen für effizientes Baucontrolling bei der Staatsbauverwaltung / Stabsstelle begleitet Großbauprojekte“ war zu lesen: „So sollen beispielsweise vermehrt Generalplaner (GP) und Generalunternehmer (GU) eingesetzt und die juristische Unterstützung der Bauämter verstärkt werden. Kostensteigerungen, die aufgrund der derzeitigen Konjunktur teilweise nicht vermeidbar sind, sollen so früh wie möglich erkannt werden, um rechtzeitig Steuerungsmaßnahmen ergreifen zu können. Gleichzeitig sollen in Zukunft erwartete Baupreissteigerungen und Risikokosten bereits bei der Projektgenehmigung berücksichtigt werden. Großbauprojekte (ab 20 Mio. Euro) begleitet die Stabsstelle Controlling im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.“

Dieser Beschluss beschreibt einerseits das erklärte Ziel aller am Bau Beteiligten: effizient planen und bauen, Mehrkosten vermeiden. Es muss aber andererseits hinterfragt werden, ob durch die vermehrte Beauftragung von Generalplanern, Generalunternehmern und Generalübernehmern dieses Ziel erreicht werden kann und welche Auswirkungen der Beschluss auf die kleinteilige Bürostruktur der Planerinnen und Planer hat, die wesentliche Garanten für qualifizierte Arbeitsplätze auch in ländlichen Regionen sind.

Was sind die wesentlichen Kritikpunkte der Ingenieurinnen und Ingenieure am Ministerratsbeschluss?
1. Der Beschluss wirkt als Förderprogramm für Großbüros; die kleinen Büros verlieren.
2. Das Primat der Trennung von Planung und Ausführung wird missachtet. Darunter leiden Innovation und Baukultur.
3. Die geringe 20 Millionen-Euro-Grenze ist nicht nachvollziehbar, 100 Millionen Euro wären als Grenze vermittelbar.

Die Staatsbauverwaltung verweist darauf, dass man mit der Beauftragung von GP, GU und GÜ bei vielen Projekten sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Reicht das als Begründung aus? Ich meine nein. Warum? Man muss transparent analysieren, warum einerseits Projekte „schiefgelaufen“ sind (nicht nach Plan) und warum andererseits Projekte „gut“ gelaufen sind (nach Plan). Diese Analysen fehlen.

Ein Quell
des Übels

Im Rahmen meiner Publikation Der Fluch der ersten Zahl weise ich nach, dass die meisten Projekte deshalb nicht nach Plan verliefen, weil Projekte mit politisch motivierten, nicht verifizierten Zahlen bezüglich Kosten und Realisierungszeiten in den Medien angekündigt und gestartet wurden. Darüber hinaus ist die Vergabe an den Billigsten ein weiterer Quell des Übels. Den Zuschlag müsste vielmehr das wirtschaftlich günstigste Angebot erhalten. Agiert man also von Beginn eines Projekts an mit realistischen Zahlen und Terminen und vergibt außerdem an Auftragnehmer, die für Qualität stehen, dann können wir uns viele juristische Auseinandersetzungen sparen.

Gemeinsames Positionspapier

Ich will verhindern, dass die Planerinnen und Planer und die ausführenden Unternehmen die Fehler der Auftraggeber in der Öffentlichkeit ausbaden sollen. Deshalb habe ich die Kollegen vom bayerischen Bauindustrieverband angesprochen, auch wenn deren Positionen oft nicht mit denen der Planerinnen und Planer einhergehen. Wir haben in teilweise strittigem Dialog ein gemeinsames Positionspapier zum Beschluss des Ministerrats verfasst, in dem nicht einheitliche Positionen nebeneinander stehen. Das steht für Ehrlichkeit. Das Papier haben wir gemeinsam dem Bauministerium übergeben.

Wir wollen die Staatsbauverwaltung in ihrem Bestreben unterstützen, effizientes Baucontrolling zu betreiben und Projekte qualitativ hochwertig zu realisieren. Dafür braucht es eine Risikoabschätzung auf Basis einer professionellen Risikoanalyse. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die bayerische Bauindustrie werden sich zukünftig gemeinsam zu Wort melden, wenn sie der Meinung sind, dass Projekte mit unrealistischen Vorgaben auf den Weg gebracht werden oder etwas „schiefläuft“. Denn: Wir können Bau.

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