Beruf & Karriere

Kind oder Karriere? Warum nicht Kind und Karriere, sagt Marina Friess. Das geht zum Beispiel in einem Eltern-Kind-Büro. (Foto: dpa)

24.08.2018

"Frauen haben die Qualitäten der Zukunft"

Marina Friess, Gründerin des Internetportals Feminess, über Alphafrauen, Feminismus und typische Denkmuster bei Unternehmerinnen

Marina Friess hat als Businesscoach schon tausende Frauen auf ihrem beruflichen Weg begleitet. Sie rät Unternehmerinnen, nicht die besseren Männer werden zu wollen – sondern sich wieder an ihre sogenannten weiblichen Fähigkeiten zu erinnern: Kreativität, Einfühlungsvermögen und Intuition.

BSZ: Frau Friess, Sie sagen von sich selbst, Sie waren früher ein Pleitegeier.
Marina : Ja, das stimmt. Es war zirka drei Jahre nach Beginn meiner Selbstständigkeit. Ich konnte damals einfach nicht mit Geld umgehen und verstand das Einmaleins des erfolgreichen Geschäftsaufbaus nicht. Dadurch habe ich viele Fehler gemacht, zum Beispiel kein Geld für das Finanzamt auf die Seite zu legen und die Buchhaltung ganz chaotisch selbst zu machen.
    
BSZ: Wie haben Sie es dennoch zur erfolgreichen Geschäftsfrau gebracht?
Friess: Ich habe mich auf der einen Seite aktiv mit meinen eingeschränkten Überzeugungen zum Thema Geld und Erfolg beschäftigt und mir Trainer und Coaches an die Seite geholt, die mir Tipps und Strategien an die Hand gegeben haben, wie ich mein Business klar strukturieren und zielgerichtet aufbauen kann. Und natürlich habe ich ganz stark an meinem Selbstwert und an meinem Selbstbewusstsein gearbeitet, was meiner Meinung nach ein wichtiges Kriterium für ein erfolgreiches Business ist.

BSZ: Hat Ihnen das Scheitern also rückblickend geholfen?
Friess: Ja, sehr! Ich bin absolut davon überzeugt, dass ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin, wenn mir das nicht passiert wäre. All mein Wissen darüber, wie es funktioniert, aber auch, wie es nicht funktioniert, kann ich jetzt in meinen Coachings weitergeben.

BSZ: Was sind typische schädliche Denkmuster bei Frauen beziehungsweise Unternehmerinnen?
Friess: Oftmals haben Frauen ein großes Problem damit, sich selbst oder ihr Produkt beziehungsweise ihre Dienstleistung zu verkaufen. Aber ein Unternehmen lebt nicht von dem, was es produziert, sondern von dem, was es verkauft. Und das möglichst nicht unter Wert. Einen angemessenen Preis zu verlangen und diesen auch selbstbewusst zu verkaufen, ist die Grundlage für langfristigen Erfolg. Natürlich spielt da die Persönlichkeit eine große Rolle, aber die kann man ausbauen.

BSZ: Und bei Ihrem Feminess-Kongress helfen sich Unternehmerinnen zweimal pro Jahr, diese Denkmuster zu überwinden?
Friess: So ist es! Wir haben Themen zum strategischen Businessaufbau, aber auch Persönlichkeitsentwicklungsthemen. Beides gehört für mich einfach zusammen. Eines geht nicht ohne das andere. Und durch die Energie, die Frau an dem Tag bekommt, kann sie die Impulse auch sehr gut in ihr Business integrieren.

BSZ: Was sind typische Reaktionen von Männern, wenn Frauen nach einem solchen Kongress im Berufsleben als, wie Sie sagen, Alphafrau auftreten?
Friess: Das kann ich gar nicht sagen, und das spielt für mich auch keine Rolle. An dem Tag geht es nicht darum, dass Frauen maskuliner, sprich härter durchs Leben gehen. Sondern es geht darum, dass sie zu ihrer weiblichen Kraft zurückfinden und dadurch erfolgreicher werden. Viele Frauen tun sich schwer, ihr Business aufzubauen, weil ihr Handeln und ihr Denken durch Vorbilder sehr männlich geprägt ist. Das führt allerdings zwangsläufig dazu, dass wir uns ausgebrannt und unzufrieden fühlen. Frauen müssen nicht mit Männern konkurrieren und schon gar keine „besseren Männer“ werden. Das zeigen ich und die Referentinnen beim Kongress auf. An die Meinung vieler Männer, dass wir ein Treffen von Feministinnen veranstalten, habe ich mich schon gewöhnt. Ich bin da ganz entspannt, weil mit Sicherheit noch keiner von ihnen bei unserem Kongress war – außer er hat sich verkleidet (lacht).

BSZ: In ihren Workshops legen Sie Wert darauf, aller Lebensbereiche wie Finanzen, Gesundheit, Karriere und Partnerschaft miteinander zu vereinen. Wie kann das gelingen?
Friess: Um es in wenigen Worten zu sagen: Es bringt uns im Leben nichts, wenn wir viel Geld haben, aber alleine sind. Es bringt uns nichts, wenn wir eine glückliche Partnerschaft haben, aber krank sind. Es sollte auf jeden Lebensbereich geachtet werden, um wahrhaftig erfolgreich zu sein. Ein Tipp ist, einmal zu schauen, wie oft man in seiner Kommunikation das Wort „oder“ verwendet. Beruf oder Familie, Erfolg oder Partnerschaft, Geld oder Gesundheit. Wenn ich immer wieder in „oder“ denke, handle ich auch so. Viel schöner wäre da doch, das Oder mit einem Und zu tauschen. Beruf und Familie und so weiter.

BSZ: Erinnern Sie sich an eine Kundin besonders, der Sie erfolgreich helfen konnten?
Friess: Ja. Sie rief mich an, weil ein Bekannter mich empfohlen hat. Er sagte ihr: „Ruf mal die Marina an, sie kann dir sicher helfen. Sie hat auch Haare auf den Zähnen.“ Gut, dass war nicht so nett, trifft aber zu. Sie hatte einen sehr dominanten Geschäftspartner und wollte Hilfe dabei haben, wie sie gut mit ihm umgehen kann. Ich habe sie ein halbes Jahr lang begleitet. In dieser Zeit hat sie sich von ihrem Geschäftspartner getrennt und das Business alleine gemacht. Jetzt verdient sie in einem Monat so viel wie vorher in einem Jahr und ist sehr glücklich und erfüllt. Ihr fehlte schlichtweg das Selbstbewusstsein und die Strategie, diesen Schritt zu gehen.

BSZ: Sind Frauen die besseren Unternehmer?
Friess: Noch nicht, aber vielleicht bald (lacht). Nein, so pauschal kann man das natürlich nicht sagen. Die weiblichen Qualitäten sind meiner Meinung nach die Qualitäten, die es in Zukunft braucht, um marktfähig zu sein – was aber nicht heißt, dass dies Männer nicht auch haben können. Kreativität, Einfühlungsvermögen und Intuition werden in Zukunft mehr gefragt denn je, das sieht man bereits an der derzeitigen Entwicklung vieler Unternehmen, die mehr Wert darauf legen, mit Mitarbeitern auf Augenhöhe zu agieren anstatt hierarchisch. Wenn sich Frauen wieder an ihre ureigenen Fähigkeiten erinnern und diese auch leben, werden sie mit Leichtigkeit und Spaß ihr Unternehmen zum Erfolg führen. (Interview: David Lohmann)

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