Beruf & Karriere

Bei Digitalisierungsprojekten bleibt für einsame Helden kaum Hoffnung auf beruflichen Erfolg. (Foto: dpa/Steffen)

25.01.2019

Smarte Cities brauchen kluge Köpfe

Die Digitalisierung der Kommunen soll Lebensqualität und Nachhaltigkeit fördern – qualifizierte Beschäftigte sind dafür die wichtigste Voraussetzung

Im Rahmen zahlreicher Pilotprojekte wird erprobt, was künftig die Versorgung und Infrastruktur von Städten und Gemeinden weitreichend verändern soll. Die Szenarien „Digitaler Städte“ betreffen Energie und Mobilität genauso wie Gesundheit und Wohnen. Ohne neue Arbeitsformen und Schlüsselqualifikationen wird vieles Zukunftsmusik bleiben.

Einen Eindruck von der Vielfalt der digitalen Transformation im öffentlichen Sektor konnten Besucher der „Smart Country Convention“ vom 20. bis 22. November 2018 in Berlin gewinnen. Der Digitalverband Bitkom, der das neue Veranstaltungsformat zusammen mit der Messe Berlin durchführt, möchte damit einen Austauschrahmen für Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft schaffen – allein die Zahl von rund 500 Rednern in den drei Tagen spricht für einen gewissen Zulauf. Bereits 2016 haben die Bitkom-Verantwortlichen und der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) den Wettbewerb Digitale Stadt initiiert, den die Stadt Darmstadt in 2017 für sich entscheiden konnte. Als „digitaler Leuchtturm“ für Deutschland soll Darmstadt nun Modell stehen für die Entwicklung funktionierender Smart-City-Lösungen. Auf der Agenda steht beispielsweise die Vernetzung bereits vorhandener und neu zu schaffender technologischer Systeme, um Insellösungen zu vermeiden. Wenn in der Wettbewerbsausschreibung von Bitkom und DStGB die Digitalisierung seinerzeit als „Revolution für öffentliche Verwaltungen“ benannt wurde, zielte dies vor allem auf die Restrukturierung von Prozessen, die damit schneller, transparenter und effizienter gestaltet werden sollen. In der Praxis zeigt sich, dass Themen wie Organisation und Zusammenarbeit nicht weniger wichtig und vielleicht sogar erfolgsentscheidender sind, als die Lösung technischer Aufgabenstellung.

Ob in Darmstadt oder in München, Berlin und Frankfurt am Main, wo derzeit ebenfalls große Smart-City-Initiativen laufen – die enge Verzahnung von Anforderungen und Kompetenzen spielt eine zentrale Rolle für die Planung und Umsetzung zukunftsfähiger Projekte. Dies beginnt bei der Einführung intelligenter Straßenlaternen und reicht bis zum vernetzten, nachhaltigen Wohnen der Zukunft, wie es in Berlin mit dem Projekt „Future Living“ prototypisch gestaltet werden soll. Wenn sich zudem die Erwartungen der Bürger an die Städte verändern, wenn Lebensqualität, Nachhaltigkeit und die Erfüllung demografischer Anforderungen an Bedeutung gewinnen, müssen die Mitarbeitenden in den Verwaltungen über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus denken und handeln. Das heißt auch, dass die Digitalisierung Aufgaben und Berufsbilder verändern und für eine zunehmende Dynamik in den Tätigkeitsprofilen sorgen wird.

„Dunkelverarbeitung“ erleichtert Behördenarbeit

Als Beispiel sei die sogenannte „Dunkelverarbeitung“ von Vorgängen genannt, die in der Versicherungswirtschaft bereits praktiziert wird. Leicht standardisierbare Aufgaben, wie die Massenverarbeitung einfacher Bescheide, werden hier komplett automatisiert und bleiben für die Anwender „im Dunkeln“, deshalb wohl der etwas seltsam anmutende Begriff. Wenn man in den Verwaltungen von einer relativ hohen Zahl ähnlicher repetitiver Aufgaben ausgehen kann, sind entsprechende Potenziale für die Automatisierung durchaus denkbar. Nachdem es den Verwaltungen zunehmend schwerfällt, Personal zu gewinnen und zu halten, könnten solche Lösungen durchaus im Sinne aller Beteiligten sein, zumal die nach wie vor erforderlichen Sachbearbeitenden sich dann mit weiterführenden Aufgaben beschäftigen können. Damit solche Entwicklungen praktisch umsetzbar werden, braucht es – neben den systemtechnischen Kompetenzen – die Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich darauf einzulassen. Dies fängt bereits bei der Festlegung der notwendigen Standards an, die partizipativ durch die Fachkräfte erfolgen und nicht einfach top-down übergestülpt werden sollte.

Mit den Chancen der Digitalisierung intelligent umzugehen und deren Risiken weder zu negieren noch zu verteufeln, ist eine der größten Herausforderungen für Führung und Mitarbeitende und wird dies längere Zeit bleiben. Angesichts der Komplexität der unterschiedlichen Anwendungsbereiche, die sich innerhalb von Digitalisierungsprojekten durch Vernetzungen schnell multipliziert, bleibt für einsame Helden kaum Hoffnung auf Erfolg. Offenheit für Kooperationen gehört künftig ebenso zum Standardrepertoire, wie der konstruktive Umgang mit Veränderungen in der Struktur und den eigenen Verantwortlichkeiten. Gerade im Rahmen agiler Projekte, die für die Entwicklung von Smart-City-Lösungen unabdingbar sind, sollte der Umgang mit bestehenden Hierarchien besonders beachtet werden. Ein professionelles Vorgehen hilft, die Beteiligten mitzunehmen und Frontenbildung zu vermeiden. Nebenbei werden auch dringend benötigte und gut ausgebildete junge Fach- und Führungskräfte zu einem kulturellen Wandel beitragen – sofern man in den Verwaltungen klug genug ist, dies zuzulassen und bewährte Tugenden mit „smarten“ Eigenschaften zu bereichern. (Frank Beck)

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