Beruf & Karriere

Die 30er werden oft auch als die „Rushhour“ des Lebens bezeichnet – weil alles gleichzeitig passiert. (Foto: dpa/Alexey Kudenko)

15.05.2020

Was Top-Talente mit 35 im Job erreicht haben sollten

Führung, Netzwerk, Stress, Überzeugung und Feedback: Die fünf wichtigsten Karriereziele für junge Menschen

Niemand kann sagen, wie die Job-Welt in zehn Jahren aussehen wird. Aber eines ist laut Experten sicher: Sie wird noch deutlich agiler und flexibler sein, als sie heute bereits ist. Darum sollten Karrieren nicht mehr als eine lineare Leiter betrachtet werden, in der es entsprechende Sprossen zu erklimmen gilt. Vielmehr ist es sinnvoll, in inhaltlich fundierten Zielen zu denken. Nicht in Hierarchiestufen. Die relevante Frage ist: Was sollte ich bis wann in meinem Leben beruflich erreicht haben?“ Die Unternehmensberatungsfirma Korn Ferry gibt hier eine Einschätzung, was mit Mitte dreißig vorhanden sein sollte, um das Potenzial für eine große Karriere zu haben.

Entscheiden, ob man Führen will oder nicht:
Ob jemand Führungspotenzial hat, lässt sich häufig schon früh bei Menschen feststellen. Wer Klassensprecher wird, einen Verein leitet, in der Hochschule Initiative übernimmt – der könnte auch eine Führungskraft der Zukunft sein. Carsten Schaefer von Korn Ferry sagt: „Aber dennoch weiß niemand, wie sich Führung im Kontext eines Unternehmens anfühlt, der das nicht schon einmal gemacht hat. Wie es ist, ein Team zu managen. Wie man damit umgeht, Interessen zwischen Management und Mitarbeiterschaft zu moderieren. Darum rate ich denjenigen, die sich für eine Führungsposition interessieren: Probieren Sie es frühzeitig aus. Melden Sie sich: Zunächst für die Koordination einer Aufgabe, dann vielleicht eines Teams, dann vielleicht schon mehr.“ Wer feststellt, dass ein solcher Job erfüllend ist, sollte sich weiterentwickeln und das Führungshandwerk weiter lernen. Wer aber für sich feststellt, dass er oder sie viel lieber komplexe Aufgaben im Alleingang löst, gern berät oder sich als Teil eines Teams deutlich wohler fühlt als an dessen Spitze – der sollte dies mit 35 Jahren wissen und entsprechend seine weiteren Schritte planen.

Ein robustes Netzwerk aufgebaut haben:
„Viele Menschen denken, sie hätten kein Netzwerk. Das ist Unsinn“, sagt Carsten Schaefer. „Jeder Nachbar, jeder Mensch in unmittelbarer Umgebung kann schnell Teil des eigenen Netzwerks werden. Ich empfehle jungen Menschen heute: Fangen Sie mit dem Knüpfen von Kontakten in alle Richtungen so früh wie möglich an. Beschränken Sie sich auch an der Universität nicht nur auf Kommilitonen. Was ist mit Ihren Professorinnen und Professoren, Ihren Chefs im Praktikum, den Kolleginnen und Kollegen in den oberen Hierarchieebenen, die Sie in Ihren ersten Berufsjahren kennenlernen. Seien Sie offen, hören Sie zu, denken Sie darüber nach: Wie können Sie anderen Menschen helfen?“ An der richtigen Stelle gilt es, selbst um Hilfe zu fragen. Vielfach wird diese nicht verneint, sondern gerne gewährt. „Entscheidend ist, dass Ihr Netzwerk mit 35 Jahren nicht ein- sondern mehrdimensional ist“, sagt Korn Ferry-Experte Schaefer. „In Ihrem Unternehmen, außerhalb. In Ihrer Branche, außerhalb. Auf Ihrer Hierarchieebene, außerhalb.“

Den eigenen ‚Elevator Pitch‘ draufhaben:
Mit 35 Jahren sollte man ein Gefühl dafür bekommen haben, was einen ausmacht. Was einen interessiert. Was man kann, was nicht. Was man gelernt hat, was noch folgen muss. „Kurzum: Sie müssen Ihren beruflichen Standpunkt bestimmen, fachlich wie überfachlich“, sagt Carsten Schaefer. Diese Positionsbestimmung hilft dabei, den eigenen ‚Elevator Pitch‘ zu festigen: Also die Fähigkeit zu erwerben, sich innerhalb einer Aufzugfahrt (Elevator) überzeugend einem anderen Menschen vorzustellen (Pitch). Carsten Schaefer konkretisiert: „Sagen Sie nicht: ‚Ich bin Vice President bei einem Maschinenbauer und suche einen neuen Job‘. Sondern sagen Sie: ‚Ich bin Führungskraft bei einem Maschinenbauunternehmen, wo ich in den letzten zwei Jahren Produktionsprozesse international angeglichen und digitalisiert habe. Das kam mir sehr zugute, denn fremde Kulturen und damit das Reisen waren schon immer mein Hobby und meine erste Programmierstunde hatte ich mit fünf Jahren mit einem Bausteine-Roboter für Kleinkinder. Ich würde mich freuen, wenn ich vor allem mein Engagement in Südostasien in den nächsten fünf Jahren noch ausbauen könnte‘. Das verrät deutlich mehr über Sie und Ihre Persönlichkeit als die erste, komplett austauschbare Aussage.“

Mit Stress und Druck umgehen können:
Die 30er werden oft auch als die ‚Rushhour‘ des Lebens bezeichnet – weil alles gleichzeitig passiert und die Zeit zu verfliegen scheint. Karriere, Familie, Haus, Vermögensbildung – es kommt alles zusammen. Und wer nach fünf karriereorientierten Berufsjahren dachte, mehr Stress geht nicht mehr, findet sich plötzlich neben dem Handling von Telefonkonferenzen und Deadlines noch mit der Milchflasche und dem Baby auf dem Schoß nachts um vier Uhr wieder. Carsten Schaefer sagt: „Ich rate zwei Dinge. Erstens: Fokussieren. Lernen Sie frühzeitig, Ihre Energie auf die Dinge zu lenken, die wirklich relevant sind. Das wird Ihnen helfen, wenn Sie plötzlich mehr To-dos haben, als Sie noch selbst übersehen können. Und zweitens: Halten Sie es aus, indem Sie innerlich ruhig werden. Sie kennen das? Es wächst einem alles über den Kopf, Panik breitet sich aus? Atmen Sie durch, machen Sie eine Pause, sortieren Sie neu. Es gibt viele verschiedene Techniken, physisch wie psychisch, wie Sie lernen können, mit Stress und Druck umzugehen. Ohne hier eine eigene Methode zu entwickeln, können Sie mit 35 nicht weiter an Ihrer Karriere feilen.“

Feedback geben und annehmen können:
Wie viele Dinge im Leben: Feedback geben und annehmen kann und muss man lernen. „Sie brauchen die Meinung anderer, um daran wachsen zu können“, sagt Carsten Schaefer. „Genauso wie Sie fähig sein müssen, auch anderen Menschen Ihre Meinung mitzuteilen – um konstruktive Veränderungen zu bewirken, ohne die falschen Emotionen zu schüren.“ Entscheidend: Bekommt jemand Feedback, gilt es nicht zu rechtfertigen, sondern auszuhalten. Sondern aufmerksam zuzuhören, den Standpunkt des anderen zu verstehen und daraus zu lernen. Carsten Schaefer sagt: „Und nehmen Sie nach reiflicher Abwägung das auf, wo Sie denken, dass es Ihnen helfen könnte, besser zu werden.“ Beim Feedback sollte man darauf achten, nie jemanden in seiner Persönlichkeit zu verletzen. „Sie werden damit nur ein Verhalten hervorrufen: Dass jemand - vielleicht sein ganzes Leben - schlecht auf Sie zu sprechen ist“, sagt Schaefer. „Und er dennoch nicht das macht, was Sie eigentlich wollten. Wertschätzen Sie Dritte beim Feedback, sprechen Sie kritische Punkte aus der Ich-Perspektive (‚Ich habe das Gefühl, dass...‘) an, vermeiden Sie Vorwürfe, nutzen Sie konstruktive Verbesserungsvorschläge. Und Sie werden sehen: Sie genauso wie Ihr Netzwerk werden daran wachsen.“ (BSZ)

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