In Marokko treffen Wüste und Meer aufeinander, das Land ist ein einzigartiger Mix aus bunten Farben, verführerischen Düften und Palästen wie aus Tausendundeiner Nacht. Bei einem Road-Trip von der Atlantikküste in die nördliche Sahara gewinnt man Einblicke in die abwechslungsreichen Landschaften. Gestartet wird die Tour am Meer bei Essaouira.
Der Himmel ist strahlend blau, es weht ein frischer Wind vom Atlantik herüber und Hunderte von Möwen kreischen über den Köpfen der Besucher. Essaouira, die schneeweiße Stadt direkt am Meer, ist ein beliebter Ferienort an der marokkanischen Küste, bekannter Treffpunkt für Surfer und hat auch so sehr viel zu bieten.
Die Stadt nördlich von Agadir strahlt ein sonniges, mediterranes Flair aus. Die Plätze in den zahlreichen Cafés und Restaurants sind bis auf den letzten Platz besetzt und bei einem Spaziergang an der alten Festungsmauer entlang, kann man in den engen weißgetünchten Gassen den geschickten Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Die Altstadt ist ein wahres Shopping-Paradies. Hier verarbeiten Tischler in ihren Werkstätten Thuja-Wurzelholz zu wunderbare glänzend polierten Dosen, Schneidebrettchen oder Schmuckkästchen. Auch Schmuck aus Silber- und Kupferdraht, Souvenirs aus glänzendem Perlmutt, gewebte Wolldecken, Kleidung aus Baumwolle und Pantoffeln aus Nubukleder sind im Angebot. Und wer noch Platz im Koffer hat, der nimmt Pflegeprodukte aus Arganöl, einer Spezialität der Region, mit nach Hause.
Der Hafen von Essaouira ist ein richtiger Blickfang. In den Hafenbecken schaukeln zahllose kleine azurblaue Fischerboote dicht aneinandergeschmiegt im Schutz der hohen Hafenmauer. Fischer bringen ihren frischen Fang an Land und handeln vor Ort mit ihren Kunden den besten Preis aus, beobachtet von zahllosen Möwen, die lautstark auf sich aufmerksam machen und gierig darauf warten, ein paar Fischreste zu erbeuten. Der breite Sandstrand des Ortes erinnert etwas an die deutsche Nordseeküste, perfekt für lange Spaziergänge, zum Sonnenbaden und für ein Bad im erfrischenden Meerwasser geeignet.
Von Essaouira geht die Tour ins Landesinnere, nach Marrakesch, in eine andere Welt. Sofort wird dem Reisenden klar, dass er sich in einem orientalisch geprägten Land befindet. Bei der Fahrt durch die kleinen Ortschaften bekommt man am Straßenrand viel zu sehen: Hausfrauen feilschen mit den Händlern, Waren werden auf Eselskarren durch die engen Straßen befördert und dazwischen knattert eine Vielzahl von Zweirädern.
Die fast dreistündige Fahrt geht viel zu schnell vorbei und schon ist man in Marrakesch, in einer Stadt wie aus einem arabischen Märchen. Die verwinkelten Gassen der Medina öffnen sich plötzlich in kleine Plätze mit Palästen und Gärten. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der riesige Djemaa el Fna-Platz mitten in Marrakesch, ein Abendtreffpunkt von Gauklern, Schlangenbeschwörern und Akrobaten. Weithin ist das Minarett der Koutoubia-Moschee sichtbar, der größten Moschee der Stadt. Aber eines der faszinierendsten Bauwerke von ganz Marokko ist auf jeden Fall die Medersa Ben Youssef. Das palastähnliche Gebäude ist ein absoluter Traum. Die Wände sind mit filigranen Stuckarbeiten, Mosaiken in leuchtenden Farben und kunstvollen Ornamenten bedeckt, die Zedernholzdecken meisterhaft geschnitzt. Die ehemalige Koranschule gehört zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten von ganz Marokko. Ein absoluter Blickfang ist der prachtvolle Innenhof mit seinem rechteckigen Wasserbecken. In Marrakesch kann man tagelang durch die Gassen wandern und entdeckt immer wieder neue Highlights in dieser zauberhaften Stadt.
Ungern trennt man sich von diesem Ort, doch der beste Teil der Tour steht jetzt bevor. Es geht über das Atlasgebirge, über den Tizi n´Tichka-Pass. Die spektakuläre Passstraße im Hohen Atlasgebirge verbindet Marrakesch mit dem Süden des Landes. Die Straße ist gut ausgebaut und asphaltiert, aber extrem kurvenreich und bietet phänomenale Panoramablicke. Sie schlängelt sich langsam hinauf ins Gebirge und führt vorbei an Berberdörfern und kargen Berglandschaften. Nach heftigen Regenfällen oder der Schneeschmelze gibt es manchmal Steinschläge, im Winter ist der Pass oft schneebedeckt und dann auch zeitweise gesperrt.
Von der Straße aus hat man immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die verschneiten Gipfel des Atlasgebirges. Der höchste Berg im marokkanischen Hochgebirge ist der Jebel Toubkal mit fast 4200 Metern, der höchste Punkt der Passstraße liegt auf 2260 Meter. Hier ist es deutlich kühler als unten in der Stadt. Am Straßenrand haben die Bewohner der kargen Landschaft Souvenirstände mit Kristallen, Fossilien, Berberschmuck und anderen Schätzen der Region aufgebaut. Ab und zu laden auch kleine Restaurants und Cafés zu einer Pause ein. Auf der anderen Seite des Atlasgebirges angekommen, bemerkt man sofort, dass man sich in den Ausläufern der nördlichen Sahara befindet. Rote Erde bedeckt hier das Land, aber immer wieder findet man oasenähnliche Ansiedlungen, die grüne Flecken in der vertrockneten Landschaft darstellen.
Schließlich wird die Umgebung noch karger, der Boden sandiger und endlich ist man am Ziel der Fahrt angekommen, einem Ort wie aus einem Wüstentraum mit dem exotischen Namen Aït-Ben-Haddou. Um in das alte Dorf zu gelangen, muss man nur den kleinen Fluss auf einer schmalen Brücke überqueren. Die Wüstenstadt ist als Ksar aufgebaut, eine Wohnburg aus Stampflehm und das Ziel aller Besucher, denn es ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Marokkos.
Schon von weitem fasziniert der Anblick dieser außergewöhnlichen Siedlung. Die Häuser schmiegen sich schachtelförmig an- und übereinander gestapelt an den Berghang dahinter. Das Gesamtbauwerk stammt aus dem 11. Jahrhundert und befindet sich in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand. Noch heute wird es von Berbern aus dem Stamm der Ben-Haddou bewohnt. Früher war das Dorf dank seiner strategischen Lage ein wichtiger Handelsknotenpunkt und Zwischenstopp für Karawanen zwischen Timbuktu und Marrakesch. Heute ist das UNESCO-Weltkulturerbe beliebte Filmkulisse für zahlreiche Filmproduktionen. Die Serie „Game of Thrones“ und Filme wie „Lawrence von Arabien“, „Gladiator“, „Die Mumie“ oder „Prince of Persia“ wurden hier gedreht. Viele der Bewohner hatten in den zahlreichen Filmproduktionen Komparsen-Rollen und sind sehr stolz darauf.
Die Ksar von Aït-Ben-Haddou ist ein bedeutsames Beispiel für die traditionelle Lehmbauweise in Marokko. Die Gebäude wurden aus einem Gemisch aus Lehm und Stroh, das ihnen ihre charakteristische rötliche Farbe verleiht, errichtet. Die Stadt ist ein Labyrinth aus eng aneinander gebauten und teilweise ineinander verschachtelten Wohnburgen, die man Tighremts nennt und die mit Zinnen und Türmchen verziert sind, was dem Ganzen eine Burgcharakter gibt. Aït-Ben-Haddou ist mit einem bewohnten Museum vergleichbar, das die Besucher in die Vergangenheit entführt. Ganz früh am Morgen hat man diesen pittoresken Ort fast ganz für sich allein. Wenn man durch die engen Gassen spaziert, immer vorbei an dem Warenangebot der Händler, kommt man schon mal ins Schwitzen, denn es geht steil nach oben. Belohnt wird man dann mit einem fantastischen Ausblick über die ganze Region und einem kühlen Getränk in einem der kleinen Restaurants und kann von der Zeit träumen, als hier noch die Karawanen Rast machten. (Ursula Angelika Küffner)
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