Reisen

Am Pranger. (Foto: Peter Kleist)

10.07.2019

Stadtgeschichte hautnah erleben

Die Friedberger feiern zum elften Mal ihr besonderes Altstadtfest, die "Friedberger Zeit"

Alle drei Jahre lässt die „Friedberger Zeit“ in der altbayerischen Herzogstadt im Wittelsbacher Land bayerische Stadtgeschichte hautnah und historientreu erleben. Vom 12. bis 21. Juli 2019 lädt das besondere Altstadtfest wieder zu einer Zeitreise ins 17. und 18. Jahrhundert. Die Blütezeit der Stadt wird dabei authentisch in Szene gesetzt – unter starker Mitwirkung der Bürger. Denn der Stadt Friedberg als Veranstalter ist es wiederholt gelungen, ein breites Bürgerengagement über Generationen hinweg aufrecht zu erhalten und zehntausende von Gästen in wenigen Tagen anzuziehen. Heute zählt die „Friedberger Zeit“ zu den beliebtesten historischen Festen in Süddeutschland. Die sehenswerte altbarocke Friedberger Altstadtkulisse ist dabei Schauplatz für Theater- und Musikdarbietungen sowie für die Demonstration alter Handwerkskünste. Selbst die kulinarischen Genüsse richten sich ganz historientreu nach dem, was die Friedberger Vorfahren gerne verschmaust haben.

Ihre Premiere feierte die Veranstaltung 1989 anlässlich der 725-Jahr-Feier zur Stadtgründung. Seitdem erwacht die Blütezeit Friedbergs im 17. und 18. Jahrhundert alle drei Jahre zu neuem Leben. Eine Zeit, in der das Handwerk in Friedberg goldenen Boden hatte und vor allem die ansässigen Uhrmacher national wie international ein hohes Ansehen genossen. Wie sehr sich die Bürgerinnen und Bürger noch heute mit der „Friedberger Zeit“ identifizieren, zeigt die hohe Zahl an historisch eingekleideten Besuchern: Rund 10.000 Gewänder werden seit dem ersten Altstadtfest registriert und mittlerweile schon an die nächste Generation weiter vererbt. Eine städtische „Stoffstube“ bietet passende Stoffe an, in Näh- und Haubenkursen kann man nach historischen Schnittmustern das authentische Gewand nähen.

Die Historientreue ist ein Aspekt, der von der Stadt und den Organisatoren nach wie vor hochgehalten wird, sich aber nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf kulinarische Genüsse, Geschirr, Dekor und das vielfältige Programm bezieht. In einer Präambel sind viele Details geregelt – vom passenden Gruß „Habe die Ehre“ über die Kleiderordnung bis zum Trinkspruch „Auf die Gesundheit“. All das schafft einen stimmigen Rahmen. Der vermeintliche Fortschrittsgedanke „immer höher, weiter, mehr“ spielt bei diesem Fest bewusst keine Rolle.

Eine tragende Säule des Festes ist die aktive Beteiligung der Handwerkszünfte. So kann man Steinmetzen, Maurern, Schmieden, Münzprägern und Töpfern bei der Arbeit zusehen oder sich beim Bader eine Massage gönnen. Außerdem werden Papierschöpfer, Herrgottsschnitzer und Beutelschneider ihre Handwerkskünste von anno dazumal zum Besten geben. Handwerker und Standleute halten dem Fest - trotz der Festdauer von zehn Tagen und der persönlichen wie wirtschaftlichen Einschränkungen - über Generationen hinweg die Treue.

Das Schulspiel ist als weiteres Fundament des historischen Festes verankert, denn die „Friedberger Zeit“ soll es Schulen und Besuchern ermöglichen, sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen. Ein Grundgedanke, der seit dem ersten historischen Stadtfest engagiert von Schülern und Lehrern umgesetzt wird. Nicht zuletzt erfreuen Musik von zahlreichen kleinen und großen Künstlern in den Gassen und auf den Bühnen der Altstadt sowie die Aufführung eines besonderen Uhrenspektakels die Besucher.

Der Tagesobolus für den Festeintritt beträgt fünf Euro, für mehrtägige Besuche zehn Euro. Weitere Informationen unter www.friedberger-zeit.de. (BSZ)

(Schützen und der Apotheker - Fotos: Klaus Linscheid/Stadt Friedberg)

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