Reisen

Gut Ising aus der Luft gesehen. (Foto: Gut Ising)

07.03.2018

Tradition und bayerische Lebensart

Ein Besuch auf Gut Ising am bayerischen Meer

Vor 10 000 Jahren wurde er geboren, der Chiemsee – das bayerische Meer. Durch das Ausschürfen der Gletscher gegen Ende der Würm-Eiszeit entstand die damals dreifache Wasserfläche von Bayerns größtem Gewässer.

Namensgeber für den Chiemsee wie auch für den Chiemgau und den Ort Chieming war der Legende nach Gaugraf Chiemo. Leider hat sich von ihm nichts Schriftliches erhalten.
Es waren bekanntlich Künstler, Schriftsteller und Adelige (siehe Märchenkönig Ludwig II. auf der Insel Herrenchiemsee), welche die schönsten Flecken im Voralpenland für sich entdeckten. Alexander Peltzer aus Chieming ist einer von ihnen. Als sogenannter Chiemseemaler hat er nicht nur Eingang in die Kunstgeschichte gefunden. Eine gewisse Berühmtheit erlangte er auch durch seinen prominenten Enkel, den Bestsellerautor Sten Nadolny (Die Entdeckung der Langsamkeit) und Sohn des Schriftstellerehepaars Isabella und Burkhard Nadolny.

In Sten Nadolnys „jüngstem“ Roman Weitlings Sommerfrische von 2012, das man fast schon das Alterwerk des damals 70-jährigen nennen kann, hat er seinem in Chieming ortsansässigen und aus Moskau stammenden Großvater mütterlicherseits mit der Figur des Fedor von Traumleben ein bleibendes literarisches Denkmal gesetzt. In einem Sturm kentert auf dem Chiemsee das Segelboot des Berliner Richters Wilhelm Weitling, der urplötzlich kräftemäßig über sich hinauswächst. Eine Transformation nimmt seinen Lauf. Ein Heimatroman ist Nadolnys Werk aber dennoch nicht; zutreffender wäre der Begriff Sciencefiction, denn Nadolny – der zwischen Berlin und Chieming pendelt und noch heute im Haus seines Großvaters seine Inspirationen erhält – schickt seinen Romanhelden durch ein Wurmloch auf eine philosophische Zeitreise in die eigene Vergangenheit.
Auf eine nicht weniger spannende Zeitreise begibt man sich, wenn man auf der Sonnenseite des Sees das zwischen Seebruck und Chieming gelegene Gut Ising besucht, wo bereits Kelten und Römer ihre Spuren hinterlassen haben. Der Weiler Ising, damals „Usinga“ genannt, lag für Militär und Handel strategisch äußerst günstig. Die alte Römerstraße von Salzburg nach Augsburg führte in der Nähe des heutigen Hotelguts vorbei und querte in Seebruck die Alz.

Vom 8. Jahrhundert bis zur Säkularisation gehörte der Ort zum Hoheitsgebiet der Salzburger Bischöfe. Die barocke Wallfahrtskirche romanischen Ursprungs – dank ihres Zwiebelturms noch immer eine weithin sichtbare Landmarke inmitten von Gut Ising – gehört heute zur Diözese Altötting. Mit dem Ende der klösterlichen Welt erblühte mit dem Bau und den Erweiterungen von Schloss Ising, dessen Besitzer mehrmals wechselten, das gesellschaftliche Leben. Seit 1953 dient das Schloss als Internat und öffentliches Gymnasium mit Pflichtwahlfächern wie Reiten und Golf.

Das Mustergut hatte auch dunkle Zeiten zu überstehen. Der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg überzeugte Hitler von seiner Idee, am Nord-Ost-Ufer des Chiemsees ein Institut zur Ausbildung der Führungskräfte der Partei zu errichten. Sein gigantisches Projekt der Kaderschmiede „Hohe Schule“ fand Gott sei Dank nur als Modell Vollendung.

Wer Tradition und bayerische Lebensart auf geruhsame und genussvolle Weise entdecken will, ist in der Weitläufigkeit der heutigen Country Residenz von Gut Ising bestens aufgehoben. Nicht ohne Grund bekommt der Gast beim Einchecken in das First-class-Hotel, das anmutet wie ein großes Freilichtmuseum, einen Lageplan in die Hand gedrückt. Zum 170 Hektar großen Gut gehören acht Gutshäuser, vier Restaurants, 13 Tagungsräume, eine Spa- und Wellnesslandschaft mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern, Tennis-, Golf- und Poloplätze, ein Forst- und ein Badehaus sowie ein Ballonstartplatz.

Das angestammte barocke Kirchenjuwel ist auch ein idealer Ort für Hochzeiten. Nach der Trauung kann man seine Gäste beispielsweise im historischen Festsaal im Haus Salzburg aus dem 18. Jahrhundert willkommen heißen oder ins nostalgische Gourmetstüberl „Usinga“ einladen, wo Haubenkoch Gunnar Huhn seine Kreativität ausspielt und den Gast im kleinen Kreis mit Alpenkulinarik verwöhnt. An bayerische Wirtshauskultur erinnert im Petershaus unter Gewölben aus dem 16. Jahrhundert das charmante Restaurant „Goldener Pflug“, Relikt eines der ältesten Tafernwirtschaften im Chiemgau. Dass hier an den Wänden jede Menge Kunst hängt, ist einer findigen Kunsthistorikerin zu verdanken, die im Speicher die kleinen Meisterwerke entdeckt hat.

Vom Kuhstall
zur Hotelbar

Sofort heimelig fühlt man sich auch in der Hotelbar, dem ehemaligen Kuhstall des Hauptgebäudes. Die jüngst behutsam und liebevoll renovierte Alte Schmiede aus dem 16. Jahrhundert, das Kavaliershaus sowie das Biedermeierhaus sind historische Baudenkmäler.
Das wohl wichtigste Alleinstellungsmerkmal des bereits in vierter Generation familiengeführten Landguts sind Pferde.

Das Erlebnis Reiten wird auf Gut Ising seit alters her im großen Maßstab zelebriert und inszeniert: Neben Reitveranstaltungen mit Eventcharakter lassen derzeit drei Reithallen, Turnierplätze, Galoppierbahn, Gelände-Strecke mit Wällen, Hecken und natürlichen Hindernissen, Gastboxen, Paddocks, Koppeln und Ställen für über 50 Pferde Reiterherzen höher schlagen.
Klar, dass sämtliche Gutinhaber und Nachkommen der ursprünglich aus Georgien stammenden Familie Magalow, hervorragende Reiter sind.

Mit seiner Pferdezucht hat Gut Ising schon einmal einen Olympiasieger hervorgebracht. Christine Stückelberger ritt 1976 auf „Granat“ zu Gold. 1961 gründete Konstantin Magalow den Pferdesportclub Ising. Noch heute ist der 77-jährige Präsident des Vereins.

Für die Zukunft hat auch Schwiegersohn Dietmar Gugler, Pferdewirt, Nationenpreisreiter und Coach der Vereinigten Emirate, große Pläne. Sein Ziel ist es, junge Springreiter im großen Sport zu etablieren. Derzeit wird auf Gut Ising an einer neuen Reithalle mit Stallung, Büro und Casino gebaut. Nachfolgende Maßnahmen sollen der Erhaltung, Renovierung und dem Werterhalt des Gebäude-Ensembles dienen. Gugler hat auch noch ein anderes Steckenpferd und das heißt Segeln. Wie gut, dass man vom Gut Ising aus auch dem Segelsport frönen kann. (Angelika Irgens-Defregger)

(Der Hoteleingang und die Bar sowie eine Lüftelmalerei - Fotos: Gut Ising)

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