Es ist Nacht auf Mauritius. Die hellen Strahlen des Mondes scheinen durch die Palmwedel der hohen Kokospalmen und tauchen den tropischen Garten in ein gespenstisches Licht. Plötzlich fliegt eine riesige Fledermaus zwischen den Bäumen hindurch. Der kleine Dracula entpuppt sich bei näherer Betrachtung als harmloser Maskarenen-Flughund, eine Fledermausart, die auf Mauritius noch weit verbreitet ist. Fasziniert folgen die Blicke dem exotischen Tier, bis es zwischen den Palmblättern verschwunden ist.
Bei Tageslicht sieht die Welt auf Mauritius ganz anders aus. Die Sonne lacht aus einem wolkenlosen Himmel, das türkisfarbene Meer plätschert sanft gegen den Strand, an dem sich die hohen Kokospalmen leise im Wind wiegen. Geschützt durch ein Riff, ist ein Bad im Meer an den meisten Stränden sicher wie in der eigenen Badewanne. Doch Mauritius hat viel mehr zu bieten als Traumstrände mit schattenspendenden Palmen und schneeweißem Sand.
Daniella lebt in Flic en Flac und arbeitet dort in einem kleinen Laden. Sie liebt ihre Heimat und zeigt Besuchern gerne die schönsten Orte im südlichen Teil der Insel.
Ein freier Tag beginnt für Daniella mit einer riesigen Schale mit frischem Obst. Ananas, Melone und Maracuja schmecken hier besonders gut und auch ein paar Stücke Kokosnuss gehören mit auf den Teller. Dazu gibt es eine große Tasse mit nach Vanille duftendem Tee.
Früh am Morgen riecht die Luft nach süßem Zuckerrohr, schwerer Bourbon-Vanille und einer Melange aus verschiedenen anderen Gewürzen. Am Strand von Flic en Flac sieht man schon die ersten Touristen beim Strandspaziergang. Es ist Zeit, aufzubrechen, zu einer Tour in den Süden. Daniella zeigt den Gästen ihre wunderschöne Heimat.
Erster Stopp ist am Le Morne Brabant, einem über 500 Meter hohen Berg, der einen markanten Punkt im Süden der Insel darstellt. Der Aufstieg auf den Berg ist für geübte Wanderer kein Problem, aber doch recht anspruchsvoll, bei Regen nicht empfehlenswert und ein lokaler Guide ist eine sinnvolle Option. Daniella genießt oft die traumhafte Aussicht von oben auf die Küste und kommt oft zum Wandern hierher. Für ihre Gäste hat Daniella aber keine Besteigung vorgesehen. Von unten ist der Berg auch sehr fotogen.
Vor der Halbinsel Le Morne im Meer befindet sich der berühmte Unterwasser-Wassserfall von Mauritius. Bei diesem Phänomen handelt es sich allerdings um eine optische Täuschung, denn an dieser Stelle wird Sand von einem flacheren Meeresplateau in eine tiefe Meeressenke gespült, wodurch von oben der Eindruck eines im Meer in die Tiefe fließenden Wasserfalls entsteht. Richtig gut zu sehen ist er allerdings nur aus der Luft, etwa bei einem Hubschrauberrundflug.
Weiter geht es nach Chamarel, in ein kleines Dorf im Südwesten von Mauritius, das durch zwei herausragende Sehenswürdigkeiten bekannt ist. Eines davon ist der Chamarel-Wasserfall, der sich inmitten von tropischer Vegetation fast 100 Meter in ein Tal stürzt. Mehrere Aussichtsplattformen geben den Blick frei auf den Wasserfall und spektakuläre Natur. Im Wald hier leben auch Javaneraffen, Makaken genannt, die oft die Nähe der Besucher suchen, um Futter abzugreifen. Auf keinen Fall sollte man die Tiere füttern oder die Autofenster offen lassen, denn die Affen werden sonst sehr zutraulich. Auch Daniella ist vorsichtig, denn sie möchte die kleinen, aufdringlichen Plagegeister auf keinen Fall in ihrem Wagen haben.
Das zweite Highlight der Region ist jedoch die siebenfarbige Erde, ein extrem fotogenes Naturphänomen. In einem eingezäunten Hügelfeld vulkanischen Ursprungs haben sich unter tropischen Verwitterungsbedingungen verschiedene Bestandteile aus der Erde herausgewaschen und übrig bleibt ein Gemisch aus Eisenoxid, das sich in sieben verschiedenen Farbtönen zeigt und viele Besucher anzieht. Im angeschlossenen Souvenirshop gibt es die bunte Erde praktisch in Glasflaschen abgefüllt zum Mitnehmen. Nicht zum Mitnehmen sind die Relikte aus der Urzeit geeignet, die hier leben: In dem Areal befinden sich von den Seychellen wieder eingeführte Riesenschildkröten, die man ganz aus der Nähe beobachten kann.
Weiter geht es zum Gris Gris Strand im südlichsten Teil von Mauritius. Gris Gris ist bekannt für seine hohen Wellen und starke Strömung, Schwimmen und Schnorcheln ist an diesem Strand nicht möglich, dafür steht ein Spaziergang auf den Klippen und ein Picknick auf dem Programm, das Daniella für ihre Gäste eingepackt hat.
Ein Strand der anderen Art und wie man ihn auf Mauritius nicht erwartet, ist der Rivière des Galets. Lavasteine in perfekt ovaler Form, glattgeschliffen von Ebbe und Flut, bieten hier einen etwas harten Untergrund für ein Strandvergnügen. Jede Welle, die an den Strand schwappt, erzeugt ein klapperndes Geräusch der Steine. Daniella rät vom Baden ab, denn es gibt starke Strömungen und es fehlt auch das schützende Riff.
Nicht verpassen darf man einen Besuch im La Vanille Nature Park bei Riviere des Anguilles. Im Park befindet sich eine der weltweit größten Kolonien von Aldabra-Riesenschildkröten, an die 1000 Tiere, die sich in ihrem Bereich frei bewegen. Man darf sie anfassen und füttern, sie sind sehr zutraulich und manchmal auffallend schnell. Einige der Tiere sind über 100 Jahre alt. Von den gigantischen Riesen wiegt der Panzer schon über 250 Kilogramnm, deshalb wirken sie auch so schwerfällig. Ungern trennt man sich von diesen freundlichen Giganten, aber im Park gibt es noch viele andere Tiere. In dem wunderschön angelegten Naturgarten, den Daniella oft mit ihren kleinen Nichten und Neffen besucht, findet man unter anderem Krokodile in verschiedenen für sie angelegten Bereichen, Lemuren, Affen und Leguane.
Zum Abschluss der Rundreise geht es nach Ganga Talao, auch als Grand Bassin bekannt. Dort befindet sich die heiligste hinduistische Pilgerstätte der Insel. Am Rand eines Kratersees stehen malerisch mehrere kleine Tempel und Statuen von Hindu-Göttern. Mit dem Seewasser wurde einst heiliges Wasser aus dem Ganges vermischt. Die jährlichen Pilgermärsche sind ein spektakulärer Anblick, die größten, die man außerhalb von Indien beobachten kann und ein absolut exotisches Erlebnis für alle Besucher, die sich zu diesem Zeitpunkt auf Mauritius befinden.
Zurück in Flic en Flac kommt Daniella mit ihren Gästen gerade rechtzeitig zum atemberaubenden Sonnenuntergang. Mit einem Cocktail in der Hand sitzen sie dann am Strand und beobachten, wie die Sonne wie ein riesiger roter Flammenball im Meer versinkt und den Palmenstrand in ein atemberaubendes, geheimnisvolles Licht taucht. (Ursula Angelika Küffner)
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